
Jeden Tag saß Herr Magensdorf auf dem Klappstuhl neben seinem alten Doppeldecker, trank Tee aus seiner Thermoskanne und wartete auf Kunden. Er war schon in Rente, aber er genoß die Geschäftigkeit des kleinen Regionalflughafens, das Plaudern mit den anderen Piloten, und natürlich das Fliegen.
Früher waren Rundflüge beliebt gewesen. Wer wollte nicht die Welt von oben sehen ? Jetzt ersetzten virtuelle Überblicke das Fliegen. Aber die damit verbundenen Gefühle vom Fliegen, das Vibrieren, die Geräusche, der immer begleitende Nervenkitzel - vor dem Computer war es doch egal ob man virtuell fliegt, fährt oder taucht. Sozusagen Fortbewegung light ohne die wesentlichen Bestandteile.
So sinnierte Herr Magensdorf gerne vor sich hin. Heute war aber ein von ihm selbst ausgerufener Freudentag: Seit Jahren hat er keinen Auftrag mehr in seiner Spezialdisziplin erhalten, etwas mit verschiedenfarbigem Rauch in den Himmel zu malen. Das war nun wirklich durch nichts zu ersetzen ! Deswegen hatte er beschlossen heute sein Meisterstück abzuliefern - völlig ohne Auftrag. Und er wußte genau: Das würde bemerkt werden. Wenn zwei Leute in den Himmel schauen ist es typisch Mensch auch nach oben zu sehen - und so würde bald die ganze Innenstadt in den Himmel starren. Auf den Straßen würde es Staus geben, die Menschen würden vergessen was sie eigentlich vor hatten, warum sie es eigentlich so eilig haben.
Er schraubte die Thermoskanne zu, klappte den Stuhl zusammen, stieg in das Cockpit und strich die Vorlage glatt, die er sorgfältig befestigt hatte. Jetzt wird er das Bild die Mohnblumen von Claude Monet an den Frühlingshimmel malen.










Rudi der Rabe ist leicht erkältet. Da er den Hausmitteln misstraut die ihm der besserwisserische Koffer empfiehlt, und auch nicht den verstaubten Arztkoffer benutzen will, den Siebenstein unter dem Ritterhelm gefunden hat, macht er sich auf zu einem Arzt. Als dieser ihm nur Vitamine und Bewegung empfiehlt bleibt er ziemlich misstrauisch. Er hat doch von einer Vogelgrippe gehört, die zur Zeit grassiert, und er ist sich sicher: Er hat die Vogelgrippe. Der Tierarzt versucht ihn vergeblich davon zu überzeugen dass eine Erkältung noch lange keine Grippe ist.
Für diesen Blog eine Neuerung: Eine Literaturempfehlung. Oder vielleicht genauer definiert ein persönlicher Buchtipp ohne irgendwelche reich-ranickischen oder karasekschen Selbstdarstellungsambitionen und Bildungsaufträge. Und verfasst ohne olesche bzw. absurdistansche Wortgewalt, also ohne Anspruch mit der Kritik das Werk selber zu übertreffen.







