Dienstag, April 04, 2006

Mohnblumen am Frühlingshimmel


Jeden Tag saß Herr Magensdorf auf dem Klappstuhl neben seinem alten Doppeldecker, trank Tee aus seiner Thermoskanne und wartete auf Kunden. Er war schon in Rente, aber er genoß die Geschäftigkeit des kleinen Regionalflughafens, das Plaudern mit den anderen Piloten, und natürlich das Fliegen.
Früher waren Rundflüge beliebt gewesen. Wer wollte nicht die Welt von oben sehen ? Jetzt ersetzten virtuelle Überblicke das Fliegen. Aber die damit verbundenen Gefühle vom Fliegen, das Vibrieren, die Geräusche, der immer begleitende Nervenkitzel - vor dem Computer war es doch egal ob man virtuell fliegt, fährt oder taucht. Sozusagen Fortbewegung light ohne die wesentlichen Bestandteile.
So sinnierte Herr Magensdorf gerne vor sich hin. Heute war aber ein von ihm selbst ausgerufener Freudentag: Seit Jahren hat er keinen Auftrag mehr in seiner Spezialdisziplin erhalten, etwas mit verschiedenfarbigem Rauch in den Himmel zu malen. Das war nun wirklich durch nichts zu ersetzen ! Deswegen hatte er beschlossen heute sein Meisterstück abzuliefern - völlig ohne Auftrag. Und er wußte genau: Das würde bemerkt werden. Wenn zwei Leute in den Himmel schauen ist es typisch Mensch auch nach oben zu sehen - und so würde bald die ganze Innenstadt in den Himmel starren. Auf den Straßen würde es Staus geben, die Menschen würden vergessen was sie eigentlich vor hatten, warum sie es eigentlich so eilig haben.
Er schraubte die Thermoskanne zu, klappte den Stuhl zusammen, stieg in das Cockpit und strich die Vorlage glatt, die er sorgfältig befestigt hatte. Jetzt wird er das Bild die Mohnblumen von Claude Monet an den Frühlingshimmel malen.

Montag, April 03, 2006

Nasi Korrekt


In der Wochenendausgabe der Tageszeitung zwischen Anzeigen für Veranstaltungen diese Werbung: Eine Nasenkorrektur ! Korrektur heißt hier ja nicht dass die Nase bisher falsch war, sondern dass sie nicht einem von wem auch immer definierten Nasen-Ideal entspricht.
Das ist eine erschreckende Vision: Die bisherige Vielfalt von Nasentypen wird durch die Euro-Einheitsnase ersetzt. Die Nase ist bisher ein sehr individuelles Merkmal.
Aber wie sieht das Schönheitsideal für Nasen aus ? Frau Einzelfall könnte sicher eine ausführliche Darstellung über Nasenideale in der europäischen Kunstgeschichte liefern.

Sonntag, April 02, 2006

Die Lange Nacht der Nacht

Lange Nächte haben Konjunktur. Die Lange Nacht der Museen gibt es wohl inzwischen in jeder deutschen Stadt: Menschenmengen quetschen sich durch Sammlungen die sie sonst nie betreten würden, sind hauptsächlich damit beschäftigt den Weg zur Bar oder zur Live-Band zu finden und können dann erzählen dabeigewesen zu sein. Der interessante Teil ist der Zugang zu im allgemeinen nicht öffentlichen Einrichtungen, bei denen es immer wieder ungeahnte Dinge zu entdecken gibt.
Weitere lange Nächte wie die der Literatur, des Sports oder der Musik haben unterschiedlichen Erfolg. Jetzt gibt es auch schon Einkaufsnächte (die Geschäfte haben bis 24 Uhr geöffnet).
Ich würde zum Ausgleich eine Lange Nacht der Nacht begrüßen ! Da die anderen Veranstaltungen die Nacht zum Tage machen würde bei einer Nacht der Nacht dieser Teil des Tages sein Recht zurückgewinnen. Die ganze Straßenbeleuchtung ist abgeschaltet, die Innenstadt für den Verkehr weiträumig abgesperrt. Teilnehmende Kulturinstitutionen, Kneipen, etc. sollen möglichst auf elektrisches Licht verzichten und dem Thema angemessene Angebote machen. Attraktionen wie Beobachtung des Sternenhimmels (der wäre dann in der Stadt zu sehen), nachtaktive Tiere (Ratten, Fledermäuse, ..) würden zur Stimmung beitragen.
Natürlich würde die sich einstellende Menschenflut dem Konzept dann eher widersprechen. Also vielleicht doch lieber die persönliche Nacht der Nacht im Wald !

Freitag, März 31, 2006

Mirakulös !

Wunder ! Früher waren Wunder noch etwas besonderes. Wunder wurden von Göttern oder ihren Stellvertretern auf Erden verbracht, auch Feen werden solche Fähigkeiten zugeschrieben. Wunder waren etwas absolut unerklärliches, eine Intervention einer höheren Macht um das Schicksal zu wenden.
Und heute: Da ist im Fußball der Sieg des Außenseitersteams gegen den Favoriten gleich ein Wunder. Überlebt jemand ein schweres Unglück titeln die Schlagzeilen Wunder. Das Wort ist durch den inflationären Einsatz abgenutzt worden.
Das schöne, etwas altertümliche Wort Mirakel ist eine wunderbare - oder besser gesagt mirakulöse - Alternative. Leider ist es durch den Produktnamen eines unnötigen Lebensmittels angekratzt, hat aber immer noch genügend Strahlkraft.
Wunder gibt es genug, ich warte auf ein Mirakel !

Donnerstag, März 30, 2006

Osterhase in der Osterkrise


Der alte Osterhase sitzt in seinem Lehnstuhl, läßt die Zeitung sinken und fängt mal wieder an über die modernen Zeiten zu klagen.
- Damals haben die Osterhasen Ostereier gebracht. Und Ostereier, das waren Eier, die bunt bemalt werden. Und heutzutage ? Da ist Ostern zu einem Konsumfest geworden, das sich in nichts von Weihnachten oder Geburtstagen unterscheidet,
- Du sieht mal wieder alles nur schwarz, erwidert sein Enkel. Natürlich sind die Kinder heutzutage nur mit Eiern nicht mehr zu erfreuen. Die Zeiten haben sich geändert, schließlich herrscht keine durchgehende Armut mehr. Aber Hauptsache man denkt noch an Ostern, und an uns ! Und Ostereier suchen ist bei den Kleinen immer noch hoch im Kurs.
- Ostereier nennst Du das ? Die süße Schokomasse in nicht biologisch abbaubarer Verpackung, teilweise noch mit eklig süß-klebriger Füllung ! Um möglichst schnell die eh nicht eingehaltene Fastenzeit zu kompensieren ?
- Aber Opa, warum bist Du so verbittert ! Der Sinn ist doch einfach dass es Spaß machen und schmecken soll. Es gibt zum Beispiel sehr leckere Schokoeier von Gubor.
- Und dann soll man noch bei den Kindern den Markenwahn fördern ? Und Ostereier von Milka, die immer gleiche süße Schokopampe, nun mal in Eierform um auch da mitzuverdienen - das ist das Ende von Ostern wie wir es kennen.
Der Enkel grinst und summt leise das passende Lied von R.E.M.
- Ich finde das gar nicht lustig ! Was gibt es denn am heutigen Ostern noch positives ?
- Aber Opa ! Jetzt gibt es Schokoladen-Osterhasen ! Die Menschen halten uns in hohen Ehren ! Natürlich gibt es auch Milka-Osterhasen, das ist die heutige Welt. Aber dieser leckere Schokohase von Lindt ! Der ist dir doch wie aus dem Gesicht geschnitten. Und klassisch-zeitlos. Probier doch mal !
- Hmmm. Der ist ja wirklich sehr köstlich. Und Verpackung hin oder her, das ist ja schon fast ein goldenes Denkmal für uns Osterhasen. Vielleicht ist ja Ostern doch noch nicht ganz verloren.

Mittwoch, März 29, 2006

Rückkehr nach Sommerby


Die so vertraute Landschaft zog am Fenster des Großraumwaggons vorbei. Sie wirkte wie ein in sich ruhendes Stück Natur, eine unaufdringliche Welt von ewiger Schönheit. Keine eitle, nach Bewunderung heischende Attraktion wie er sie bei seinen Reisen durch die USA gesehen hatte. Keine Postkartenidylle, keine irreal schönen Anblicke wie in der Provence. Sondern eine ehrliche, offene Landschaft. Während Lisa Ekdahl "öppna upp ditt fönster" aus seinem Kopfhörer sang, seine letzte in Schweden gekaufte CD bevor er vor über 10 Jahren seinen Heimatort verließ, erinnerte er sich an das Gefühl, nach Abschluß seines Studiums endlich die weite Welt entdecken zu wollen, bei einem internationalen Konzern seine Zukunft zu finden.
Er war durch die Welt gereist, hat auf verschiedenen Kontinenten gewohnt, war aber nie wirklich zuhause gewesen. Er hatte zwar immer mehr Geld gehabt als er ausgeben konnte, aber nie die Zeit länger als für die Weihnachtstage nach Schweden zurückzukehren.
Er hatte gedacht so sei das Erwachsenwerden halt: Man ist abgebrüht, desillusioniert, man sammelt Reize aber man erlebt nie mehr das Gefühl des Angekommenseins, des In-Sich-Ruhens, ja das Gefühl irgendwo hinzugehören. Die Stimme von Lisa Ekdahl weckte Erinnerungen - haben alle Frauen mit denen er wirklich glücklich war nicht schwedisch gesprochen ? Mit seiner amerikanischen Frau hatte er sich gut verstanden, der unspektakulären Ehe folgte eine ebenso unspektakuläre Scheidung, aber er hatte nie das Gefühl dass sie wirklich zusammen und an den Ort gehörten an dem sie gerade waren, auch wenn es ihr wunderbares Ferienhaus in Turtle Beach war.
Als seine Eltern in eines Tages anriefen und meinten, er hätte doch sicher nichts dagegen wenn sie ihr Haus in Sommerby verkaufen um in ein Seniorenwohnheim zu ziehen, widersprach er zu seinem eigenen Erstaunen. Und bevor er sich das alles erklären konnte hatte er seinem Arbeitgeber gekündigt, seine momentane Wohnung in L.A. aufgelöst und war auf dem Weg zurück nach Sommerby.
Und je näher er kam um so näher fühlte er sich seinem verlorengegangenem Ich. Er hatte die schon lange nicht mehr gespürte Ahnung nach Hause zu kommen. Er wußte noch nicht was er eigentlich machen wollte, er wußte nur daß er endlich den Ort finden würde den er die ganze Zeit gesucht hat.
Er schloß die Augen und stellte sich das weiß getünchte Haus mit dem Reetdach vor, den Garten, den er immer etwas verwildert in Erinnerung hatte, und die alten Gartenmöbel, an denen er morgen erstmal ausgiebig frühstücken würde.

Dienstag, März 28, 2006

Revolutionäre Humanisten verschlafen die Wahl

Eine mir unbekannte Partei wirbt für eine Veranstaltung: Das Parteiprogramm der Gruppe "Die Humanisten" wird vorgestellt. Heute abend - und damit drei Tage nach der Landtagswahl - kann man sich das Manifest der Partei anhören. Manifest des revolutionären Humanismus - das klingt nach unbedeutender, aber extremer Splitterpartei, die die Religionen mit einem Staatsstreich abschaffen will. Und dabei so weltfremd ist, über der internen Diskussion zwischen den verschiedenen Splittergruppen die Wahl zu verpassen. Und außerdem das entscheidende R vergessen hat.

Die Humanisten hießen früher freireligiöse Landesgemeinde, und hinter dem Manifest steckt eine Stiftung. Ist also leider viel banaler als es erscheint...

Montag, März 27, 2006

Der Frühling ist da: Ms. John Soda

Es war bereits 23 Uhr als im Club meines Vertrauens Ms. John Soda die Bühne betraten. Am Sonntagabend nicht gerade eine arbeitnehmerfreundliche Zeit, aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt !
Wenn in einer Gruppe einer der umtriebigen Gebrüder Acher spielt, ist dies ja ein unstrittiges Qualitätsmerkmal. Hier ist es Micha Acher, der mit Stephanie Böhm (von der ebenfalls zu empfehlenden Gruppe Couch) die Gruppe Ms. John Soda bildet und verstärkt mit zwei weiteren Musikern das Konzert bestreitet.
In einem sehr guten Sound spielen sie ihre Version von Pop-Musik, rhythmische in die Beine gehende Stücke mit wunderbaren eingehenden Melodien, schönen laut-leise Wechseln. Man sieht den Musikern die Freude an ihrem Auftritt an, vor allem die Sängerin strahlt ins Publikum während ihre helle, in der Musik nie untergehende Stimme erklingt.
Das Konzert löste eine euphorische Frühlingsstimmung in mir aus die jetzt noch nachwirkt. Oder fühle ich vielmehr den endlich angefangenen, wahrhaftigen Frühling ?

Sonntag, März 26, 2006

Leben - und was noch ?


Samstagnachmittag. Menschen mit und ohne Einkaufstüten laufen durch die Fußgängerzone. Kleine Gruppen stehen einfach herum, unterhalten sich und genießen das leicht frühlingshafte Wetter. Einige sitzen bereits tapfer an den Tischchen vor dem Café - aber man sieht ihnen das leichte Frösteln an.
An einem Geschäft dann das Schild "living & more". Das klingt so überflüssig wie "Fit for Fun", "Hair Company" und ähnliche sinnentleerte Anglizismen. Dementsprechend wird dieser Mahnspruch auch übersehen und ignoriert.
Hinter diesem so harmlos wirkenden Schild verbirgt sich aber die große Fragestellung: Gibt es etwas anderes als das reine Leben ? Gibt es zum Beispiel ein Leben nach dem Tod, residiert in diesem Haus also eine Kirche oder eine heilsbringende Sekte ? Oder soll auf die Sinnfrage angespielt werden, dass das Leben mehr als biologische Funktionen bedeutet, dass es noch etwas transzendentes wie Geist oder Seele gibt - und gibt es hier Unterstützung bei der Suche nach der eigenen Verknüpfung mit dem großen Ganzen oder Pauschalreisen zum angesagten Guru zu buchen ? Wie so oft ist die richtige Antwort enttäuschend gegenüber den gefunden Möglichkeiten, und soll daher auch verschwiegen werden.

Mittwoch, März 22, 2006

45 Minuten für die Ewigkeit

An der Bäckerei-Theke im Supermarkt. Während der Kunde vor mir bedient wird unterhalten sich zwei junge Angestellte vor den mit Backwaren gefüllten Regalen . Die eine blickt auf ihre Uhr: "Das ist in einer dreiviertel Stunde. Wieviel Minuten sind das denn ?" Die andere: "Also eine Stunde hat doch 60 Minuten. Aber eine dreiviertel Stunde ?". Die beiden schauen sich ratlos an und kapitulieren vor dieser schwierigen Aufgabe.

Diese schöne Geschichte ist mir leider nicht eingefallen, ich habe sie tatsächlich in etwa dieser Form erlebt. Man könnte sie aber gut durch die Änderung "Also eine Stunde hat doch 100 Minuten" noch eindrucksvoller machen (oder pimpen, um dieses schöne Wort erstmalig in diesem Blog zu verwenden).

Montag, März 20, 2006

Der FF-Effekt

Die meisten Menschen haben immer mal wieder das Gefühl ein angenehmer Zeitabschnitt wie Urlaub würde besonders schnell vergehen, wie wenn jemand auf den schnellen Vorlauf gedrückt hätte. Natürlich kann man versuchen dies mit psychologischen Aspekten zu erklären. Damit kommt man der Wahrheit aber nicht näher !
Die Welt jedes Menschen ist das Ergebnis eines Simulationsprogramms. Erfahrungsgemäß befinden sich in allen Computer-Programmen hinreichend viele Fehler. Und diese Zeitraffer ist nur ein ganz einfacher, unbeabsichtigter Seiteneffekt: In den Routinen die das Wohlbefinden des Menschen darstellen wird aufgrund eines Programmierfehlers die Zeitschrittweite des Programms erhöht, damit vergeht die Zeit schneller wenn diese Routinen angesprungen werden.
Ist doch ohne jegliche Mystifizierung ganz einfach zu erklären !

Sonntag, März 19, 2006

F*R*Ü*H*L*I*N*G


Sonntagnachmittag. Ein Platz im Café ist schwer zu finden. Dann ein Platz in der vordersten Reihe, Sonne und Blick über den erleuchtenden Platz. Kaffee, Kuchen, den Gesprächen an den Nebentischen lauschen, die glücklichen Leute beobachten, die die Sonne geniessen, nebenbei ein Buch lesen.
Hurra, der Frühling ist gekommen !

Samstag, März 18, 2006

Verschwörung am Gartenteich

Der Gartenzwerg läßt seine Angel ins Wasser baumeln und starrt mit leerem Blick auf die Seerose, die mitten im Teich blüht. Plötzlich bricht der Koikarpfen durch die Wasseroberfläche und ruft dem Zwerg zu: "Ach Alois, ich halte das einfach nicht mehr aus ! Der Typ hat schon wieder so ekliges Futter gekauft, aber ich muss es herunterwürgen, es gibt ja sonst nichts in diesem sterilen Wasserloch". Der Karpfen Himashi sprach diese Sätze natürlich nicht am Stück, sondern tauchte immer wieder zum Atemholen unter. "Mir geht es auch nicht besser" stöhnt Alois. "Er hat mich von meinen Freunden im Vorgarten getrennt und mich hierher ins Exil verbannt". "Wir sollten endlich etwas unternehmen" meldet sich die Seerose zu Wort. "Der Idiot vergisst immer wieder den Dünger, und die Filteranlage macht auch den letzten Nährstoffen den Garaus". "Ach Jasmin" seufzte Alois zu der Seerose, die in Wirklichkeit Blümchen hiess, sich aber den Künsternamen Jasmin Wagner gegeben hatte. "Das ist unser Schicksal. Wir sind hier im Fegefeuer und müssen dies alles ertragen".
"Blödsinn" rief Himashi aus. "Das ist mal wieder typisch deutsch, sich seinem Schicksal ergeben und nicht merken dass man selber etwas dagegen unternehmen kann !". "Aber was sollen wir denn schon machen. Wir haben doch keine Chance gegen diesen Riesen". "Das wichtigste ist ein guter Plan, und meine Vorfahren haben in der langen Geschichte viel über Kriegslist gelernt" widersprach Himashi. Erst widerwillig, aber dann mit steigender Begeisterung fingen Alois und Jasmin an mit Himashi den perfekten Schlachtplan zu erstellen.
Am nächsten Samstagnachmittag mäht Herr Bernhuber wie immer seinen Garten mit seinem Elektrorasenmäher. Als er am Teich vorbeikommt erstarrt er. Die Seerose läßt ihren Kopf hängen ! Er läßt den Rasenmäher laufen, kniet sich an den Teichrand, greift unter die Wasseroberfläche und will die Blüte abreissen, die so seinem Bild des perfekten Gartens wiederspricht. In dem Moment beisst im Himashi mit aller Kraft in den Zeigefinger. Herr Bernhuber schreit auf, verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Teich. Himashi springt im nächsten Moment aus dem Teich während Alois mit der Angel den Rasenmäher anschubst, der sodann in den Teich rollt. Der Stromschlag tötet Herrn Bernhuber auf der Stelle. Die Sicherung reagiert, aber zu spät. Himashi kämpft sich zurück ins wieder sichere Wasser, Jasmin erhebt ihr hübsches Gesicht und Alois lässt seine Angel im Teich baumeln. ein Bild der Idylle.

Frau Bernhuber mochte Gartenzwerge noch nie. Sie stellt Alois zurück in den Vorgarten zu seinen Freunden - sie bringt es nicht übers Herz sie wegzuwerfen, aber zumindest will sie keinen im Garten sehen. Ausserdem hasst sie es den Teich zu reinigen - so kann sich Jasmin über viele Nährstoffe freuen. Für Himashi entdeckt sie ihre Herz, und achtet immer sehr darauf, welches Futter er mit der grössten Begeisterung frisst.

Freitag, März 17, 2006

Von Hochzeit zu Epic Soundtrack

Jetzt mache ich mich gleich auf den Weg zu einer standesamtlichen Hochzeit. Zu Hochzeit fiel mir gerade spontan das Lied "Marry Me (Lie Lie)" ein. Ein Blick in das CD-Regal zeigt dass die Platte von "These Immortal Souls" 1987 erschienen ist. Ich finde die Musik aber einfach zeitlos. Der Sänger war Rowland S. Howard. Gibt es den noch, was macht er ? Ich weiss dass er auch eine Platte mit Nikki Sudden gemacht hat. Den gibt es sicher noch: Ich habe ihn gerade vor ein paar Monaten live in einem kleinen Club gesehen. Er spielt immer noch seine Version von Rock-Musik, und brachte auch wieder seine Klassiker "Fortune of Fame" oder "Big Store". Die stammen von Jacobites-Platten, d.h. die Platten die er mit Dave Kusworth aufgenommen hat. Was macht der zur Zeit ? Nikki Sudden erinnerte auf dem Konzert an seinen vor 9 Jahren verstorbenen Bruder, der sich Epic Soundtrack nannte. Der hat übrigens auf der Immortal Souls Schlagzeug gespielt. Ich habe ihn vor über neun Jahren in München live gesehen, wo er eigene Lieder am Flügel vortrug - das war ein sehr schönes Konzert ! Wenig später ist er gestorben...
Mit diesen melancholischen Gedanken gehe ich jetzt zu einem sogenannten schönsten Tag im Leben eines Paares.

Donnerstag, März 16, 2006

Der / die / das Mond

Der Mond übt auf viele eine magische Anziehungskraft aus - zuletzt im Buch "der Umfang der Hölle" von Heinrich Steinfest auf die Hauptfigur Reisinger. Ist der Mond nun der alte Linke (wie in einem Lied von Britta) oder vielleicht doch weiblich (wie im Französischen) ?
Wahrscheinlich gibt es unzählige wissenschaftliche Arbeiten über die Bedeutung des Mondes in der Kultur verschiedener Völker. Ich will nur soviel dazu sagen: Auch ich gehöre zu den Mond-Anhänger und kann mich immer wieder sehr über seinen Anblick freuen.
Um für den Mondanbeter-Nachwuchs zu sorgen empfehle ich Kinder mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius zu beeinflussen. Das hat bei mir gewirkt - es war mein Lieblings-Kinderlied.

Mittwoch, März 15, 2006

Hauptsache ordentlich wiglafen !

Gestern bei der Lesung von Wiglaf Droste - meine erste Begegnung mit ihm und seinen Glossen. Das Publikum lässt sich gefällig unterhalten. Wiglaf Droste ist der Metzger wenn Max Goldt der Chirurg ist. Texte über (bei Droste zumeist gleichbedeutend mit gegen) Beckenbauer, Ratzinger/Benedikt, Religion, Nordic Walking, Bemerkungen "über" Niedecken....
Die Lesung war durchaus ein Erlebnis und beste Unterhaltung. Teils schöne Wort-/Satzgebilde, gute Beobachtungen... Ausserdem sang Wiglaf "Muse feiffe inne Wind", seine Version des Dylan-Klassikers. Mir war es aber zu sehr ein Abend des selbstgefälligen Schenkelklopfens, des gemeinsamen Elitenbewusstsein und des Herabsetzen statt kritisch damit Beschäftigen.
Teilweise kam zum Vorschein dass das Schaffen von Wiglaf Droste wohl auch andere Seiten hat, der gestrige Abend stand aber unter dem Motto "Wiglaf metzgert des Intellektuellen Lieblingsfeinde".

Montag, März 13, 2006

Was passiert mit der Zeit ?

Wohin verschwindet die Zeit ? Wie kommte es dass keine Zeit mehr da ist ?
Füllt sie die Flaschen, aus denen man in der Kneipe trinkt ? Bildet sie einen Belag auf den Seiten die man gelesen hat ? Kondensiert sie an den Wänden und der Decke des Clubs ? Bildet sie als Abrieb Spuren unter den Fahrradreifen ? Wird sie vom Laser des CD-Spielers gespalten ?
Wenn ich diese Frage geklärt habe, habe ich auch mehr Zeit zum Bloggen.

Freitag, März 10, 2006

Die Postkarte

Auf dem Hügel ausserhalb des Dorfes steht ein älteres Gebäude. Schon etwas heruntergekommen, mit bröckelndem Putz läßt es immer noch erahnen dass es von einem Industriellen in der Gründerzeit als Sommerfrische erbaut wurde. Mit grosser Veranda, Wintergarten und verwildertem Garten macht es jetzt einen eher verwunschenen Eindruck. Jedesmal wenn es Post für den dort alleine wohnenden Rentner zu verteilen gibt, muss der Postbote aus dem Dorf heraus und die steile Auffahrt auf den Hügel hochradeln.
An diesem Tag hält der Postbote eine Postkarte in der Hand, die mit einer sehr altmodisch wirkenden, akkuraten Handschrift adressiert war. Sollte er nur für diese Postkarte den weiten Weg auf sich nehmen ? Er wiegt die Postkarte in der Hand und beginnt sie genauer zu betrachten. Eine Ansichtskarte die ein Dorf an einem bayerischen See zeigt. Er dreht die Karte um und beginnt zu lesen.
Nachdem er die Karte das zweite Mal gelesen schaut er in den Himmel während in seinem Kopf Erinnerung um Erinnerung auftauchen und um seine Aufmerksamkeit buhlen. Er steigt auf das Rad und fährt in rasendem Tempo dem Hügel hinauf.
Ausser Atem klingelt er Sturm, drückt dem verdutzten Rentner die Postkarte in die Hand und schreit heraus: "Ich hoffe ich muss nicht bis zur Rente warten um nochmal etwas von IHR zu hören".

Donnerstag, März 09, 2006

Bedrohte Tierarten (Teil 1): Der Diskokugelfisch

Der Diskokugelfisch gehört zu der Familie der Kugelfische (lateinisch Tetraodontidae). Die bekannteste Gattung der Kugelfische sind die Fugu, die giftigen Kugelfische, die in Japan als besondere Delikatesse gelten. Der Diskokugelfisch (Gattung Beegeerides) ist ungiftig und wird wegen des stechenden Geschmacks nicht als Nahrungsmittel verwertet.
Der Diskokugelfisch zeichnet sich durch silbern glänzende Schuppen aus, die den ganzen Fischkörper gleichmäßig bedecken. Kugelfische blähen sich bei Gefahr in kürzester Zeit zu einer Kugel auf. Beim Diskokugelfisch ergibt sich so eine reflektierende Kugel, die die Angreifer nicht wie bei den Artgenossen durch abstehende Stacheln sondern durch die Lichtreflexe abschreckt.
Wird der Diskokugelfisch gefangen, aufgeblasen und getrocknet, bewahren die Schuppen ihren typischen Glanz. Schon seit Jahrhunderten werden Diskokugelfische in den japanischen Fischerdörfern über die Türschwelle gehängt, um bösen Geistern durch die Lichtreflexe die Anwesenheit von aufblitzenden Samureischwertern vorzutäuschen.
Es kann nicht genau zurückverfolgt werden wann in den 30er Jahren die Mode aufkam, Diskokugelfische in Tanzlokalen aufzuhängen. Diese Mode verbreitete sich langsam über die ganze Welt. Diese Lichtobjekte wurden bald nur kurz Diskokugeln genannt und avancierten in den 70er Jahren zum Namensgeber der Diskotheken als auch der Disco-Musik.
Da die Diskokugeln auch außerhalb der Tanzlokale eingesetzt wurden und zunehmend junge Diskokugelfische vor Erreichung der Geschlechtsreife als Dekorationsmaterial Verwendung finden, ist diese Tierart vom Aussterben bedroht. Zwar werden inzwischen Discokugeln auch aus Styropor hergestellt, ob sich die Fischart aber von der massiven Überfischung erholen kann ist ungewiss.

Dienstag, März 07, 2006

A ne pas manquer (don`t miss it): Der Vater von Herrn Hase

Lewis Trondheim, der Schöpfer der wunderbaren Welt von Herrn Hase, der Erzähler sehr wahrer, poetischer, philosophischer und abstruser Geschichten aus dem Leben, der Zeichner detailreicher, sehr französischer Momente, kurz gesagt mein allerliebster, verehrungswürdigster Comic-Zeichner ist heute nacht auf Arte zu sehen (für Naturwissenschaftler: Morgen um 0:40 Uhr).
In der Sendung "Durch die Nacht" ist Lewis Trondheim mit Judith Holofernes (von "Wir sind Helden") in Montpellier unterwegs.

Es gibt viel zu sehen !

Wer mit Umsicht und Vorsicht handelt hat vielleicht weniger das Nachsehen, aber wirkt auch wie unsichtbar - oder wenig besser nur durchsichtig. Aus Versehen etwas zu übersehen kann zufällig zu ansehnlichen Ergebnissen führen. Aber Wegsehen sollte man nicht vorsehen.
Jetzt werde ich aber von weiteren Ausführungen absehen und zusehen diesen Text mit einem Ende zu versehen.

Montag, März 06, 2006

Ich werde gegoogelt, also bin ich

Nur was in Google steht existiert wirklich. Daher muss ich mich unbedingt meiner selbst versichern !

  • Papageientaucher Blog : 305 Treffer, und mein Blog als erster Treffer ! Quod erat demonstrandum - ich existiere wirklich.
  • Kuchenenten : 0 Treffer, so schnell geht das dann auch wieder nicht.
  • Kreaukeaudile: 1 Treffer, aber leider nur auf die Januar-Archivseite und nicht direkt auf den Beitrag .
  • Helena Penelope Julia Sandrine Die Namen der vier Teile der von mit jetzt spontan so benannten Party-Tetralogie führen in der Einstellung Seiten auf Deutsch auf 300 Treffer, aber der zweite ist aus meinem Blog.
  • "la cuillère dorèe": 20 Treffer im Web (mein Blog als Nummer 5) und nur einer in Deutschland - wunderbar !

Natürlich werden gerade ältere Beiträge wie zum Beispiel die Kombination Kartoffelgerichte Wittgenstein nicht gefunden, aber die Hauptsache ist: Auf der Suche nach meinem wahren Ich werde ich in Google fündig.

Sonntag, März 05, 2006

Der Tag der Kuchenenten

In der Stadt war so etwas wie Frühling zu spüren. Wenn die Aufmerksamkeit fehlte machte alles eher einen winterlichen Eindruck: Die Schneereste am Straßenrand, die vom geschmolzenen Schnee nassen Bürgersteige, die unter den Stiefeln knirschenden Kiesel. Aber irgendetwas war da. Die Art wie die Sonne schelmisch grinste. Der unbestimmbare Duft den der kühle, aber leichte Wind über die Innenstadt verbreitete.
Und viele Menschen spürten dies. Sie strömten in den Park, schlenderten durch die Fußgängerzone, betrachteten die Früjahrsmode in den Schaufenstern der geschlossenen Kaufhäuser als Bestätigung ihrer Gefühle. Manch einer öffnete schon den Mantel vorsichtig ein Stück weit, fast nur symbolisch, aber trug so zu dem immer stärker werdenden Gefühl bei.
Durch das Glücksgefühl beseelt begab sich so mancher in das überfüllte Café um den Freudentag angemessen zu begehen. War tatsächlich ein freier Tisch gefunden, und nach langem Warten auch endlich eine abgehetzte Kellnerin erschienen, wich die Vorfreude auf eine Schwarzwälder Kirschtorte, Käsekuchen oder Mohnstritzel dem blanken Entsetzen: Tut mir leid, wir haben heute keinen Kuchen.
Weg war das Frühlingsgefühl, die Aufbruchsstimmung, die aufknospende Hoffnung. Verzweifelt wollte der Gast den Grund wissen, und wurde mit dem Hinweis auf Magen-Darm-Viren im Mehl vertröstet.
Dies war natürlich glatt gelogen, aber den wahren Grund konnte man den durch diesen Schock fast in eine depressive Winterstarre versetzten Gästen keineswegs verraten: Nicht nur die Menschen, auch die Tiere spüren das Nahen des Frühlings. Und daher waren auch schon die Kuchenenten auf dem Heimweg von Spanien nach Österreich, wo sie im Sommer in der Nähe von Konditoreien und Kaffeehäusern lebten und von den Gästen immer ausreichend mit den leckersten Backkreationen bedacht wurden. Um auf dem Rückweg aus dem Winterquartier den beschwerlichen Weg über die Alpen zu vermeiden machten sie lieber eine Schleife nach Norden und waren daher an diesem Sonntag in der typischen deutschen Stadt gelandet. Mit ihrem Instikt hatten sie zielsicher das Café erspürt, eine angelehnte Hintertür entdeckt und sich vor der Öffnung des Genuss-Tempels über die wunderbare Auswahl an Kuchen und Torten hergemacht.
Daher war der Ausfall des Sonntag-Kuchens eigentlich ein wunderbares Zeichen dass die Gefühle nicht trügen: Der Frühling kommt ! Aber so mancher Sonntags-Spaziergänger kehrte eher betrübt zu sich nach Hause zurück.

Freitag, März 03, 2006

Isländisches Sprichwort

Ein Mensch ohne Bücher ist blind.

Donnerstag, März 02, 2006

Momente für die Ewigkeit

Was bleibt übrig von Tagen, Wochen, Jahren ? Momente.
Und was bleibt von Filmen übrig ? Ebenfalls Momente.

Über den Film "Ich und du und alle, die wir kennen" will ich jetzt gar nicht sprechen. Nur soviel: Er hat mir sehr gut gefallen. Aber die letzte Szene ist ein Moment, der bleibt, auch wenn ich mich nicht mehr recht an den Film erinnern werde.
Ein Mann steht an der Straße, wartet und klopft mit einer Münze auf einen Laternenpfahl. Ein kleiner Junge schaut zu und fragt was er da mache: Er klopfe damit die Zeit vergeht. Und da sieht der Junge dass die Sonne immer dann ein Stück weiter aufgeht wenn die Münze auf die Laterne trifft. Der Mann steigt in den Bus und gibt die Münze dem Jungen. Die Sonne ist stehengeblieben. Der Junge fängt an zu klopfen, und die Sonne geht weiter auf.
Ein grosser Moment.

Mittwoch, März 01, 2006

Das große und das kleine Du

Die Reform der Rechtschreibreform wird gerade formuliert. Muss ich jetzt zusammenschreiben zusammen schreiben und großschreiben Grossschreiben ? Ich habe es aufgegeben.
Aber eine wunderbare Nachricht ist dann doch zu entdecken: Das Du wird gerettet ! Ich weiß nicht ob es eine nostalgische oder romantische Ader ist, wahrscheinlich wird es so mancher schlicht als Spleen, Masche oder schlimmeres betrachten, aber ich finde die Anrede mit einem Du viel persönlicher und verbindender als ein lapidares du. Durch das Du wird eine ganz andere Dimension erreicht, ohne das große D ist ein Liebesbrief nur ein abgeschriebenes Kapitel aus einem Arztroman.
Mancher kämpft für die völlige Abschaffung der Großbuchstaben in der deutschen Sprache, aber ich erhebe mein Glas für einen Toast auf das Du !

Dienstag, Februar 28, 2006

Nobelpreis für eine Identitätskrise

Louis-Victor war zutiefst verwirrt. Er konnte sich nicht verstehen, er wußte nicht wer er war. Das ist für Jugendliche nicht ungewöhnlich, aber er sollte mit Mitte Zwanzig eigentlich der Pubertät längst entwachsen sein.
Manchmal fühlte er sich wie Louis XIV, fest verwurzelt in seiner Mitte, mit eindeutigem Körperumfang. Die Leute nahmen ihn nicht nur wahr sondern auch ernst, er war ein gewichtiger Körper unter seinen Bekannten. Zu anderen Zeiten fühlte er sich ausgebreitet, überall und nirgendwo, im Raum herumwabernd und in sich selber schwingend.
Und immer öfters fühlte er sich wie beides zugleich, je nachdem wie er sich selbst vorstellte. Wenn er versuchte mit jemanden über seine Identitätskrise zu reden, erntete er nur Gelächter und Kopfschütteln.
So suchte er Trost in seinem Physikstudium und der Beschäftigung mit der Quantenphysik. Und da wurde in klar was er durchlebte: Den Welle-Teilchen-Dualismus ! Im Jahre 1929 wurde Louis-Victor de Broglie für dieses Forschungsergebnis mit dem Nobelpreis geehrt.

Montag, Februar 27, 2006

Von Paris lernen heisst leben lernen

Natürlich hat alles seine Nachteile. Aber von Nachteilen soll hier nicht geredet werden. Sondern von den ganz einfachen Dingen, die mich in Paris begeistert haben, und die die Lebensqualität sehr erhöhen.
  • Bäckereien in denen man um 20 Uhr frisches Baguette bekommt. Eine wunderbare Sache am Abend noch richtig frisches Brot zu bekommen, und sich beim Bäcker nicht aus den abgestandenen und angetrockneten Resten noch etwas zusammensuchen zu müssen.
  • Am Sonntag geöffnete Supermärkte. Das muß man wohl nicht näher erläutern.
  • U-Bahnen die tagsüber im 2-5 Minutentakt fahren. Kein langes Warten, kein großer Zeitverlust bei mehrmaligem Umsteigen - so macht der öffentliche Nahverkehr Spaß !
  • Ein vernünftiges Miteinander - ich empfand selbst das Umsteigen im Gedränge des Berufsverkehrs erheblich entspannter, weniger aggressiv und die Leute viel zuvorkommender als in Deutschland.
  • Leben und leben lassen - sei es im Strassenverkehr, im Supermarkt, im Park...
Ich befürchte ich kann nicht davon ausgehen dass einer dieser angenehmen Umstände in Deutschland realistisch zu erwarten ist. Aber man wird dochmal träumen dürfen...

Mittwoch, Februar 22, 2006

Auf Inspirations-Therapie - bis Montag

Eine Nachricht von Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz

Als ständige Leserin dieses Blogs und Mentorin ihres Verfassers ist mir der schwindende Anteil von frankophilen Beiträgen aufgefallen. Zwar habe ich mich bisher über diese Besessenheit beschwert, eine plötzliche Lossagung von bisherigen Lebensrichtlinien kann aber ein verherrende Wirkung auf die Kreativität haben - und diese konnte ich in diesem Blog tatsächlich diagnostizieren.
Daher habe ich Herrn Lundi eine Inspirations-Therapie in Paris verordnet. Ich hoffe die heilsame Wirkung ab Montag hier beobachten zu können. Und, werte Leser, ich kann mich dann ganz bescheiden seine Muse nennen.
Sollten auch Sie unter schwindender Kreativität, schlechten Schlaf oder schlechter Musik leiden oder nicht wissen welcher Feinkosthändler ihre nächste Feier beliefern soll, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. Manche bezeichnen meine Honorare als horrend, ich betrachte sie als angemessen.

Hochachtungsvoll
Ihre Gudrun Niedereder-Pochlowitz

Lebende Legenden

Zufällig bei MTV eine Werbung für das Rock im Park gesehen. Sehr interessante Headliner wie Depeche Mode, Metallica, Placebo... Aber dann: Habe ich richtig gelesen ? Ja, es ist Morrissey höchstpersönlich der dort auftritt.
Ich gehöre auch zu denjenigen die die Smiths für eine der besten und wichtigsten Gruppen halten, und für die bestimmte Smiths-Lieder eng mit wichtigen Situationen in ihrem Leben verbunden sind. Und daher freue ich mich jetzt schon sehr das erste Mal Morrissey (den ehemaligen Sänger und Texter der Smiths) live zu sehen. Denn es war sofort klar - da muss ich dabei sein.
Dafür nehme ich dann auch hin dass so ein Festival nicht meine bevorzugte Art des Musikgenusses darstellt.

Montag, Februar 20, 2006

Der Weg der Entscheidungslosigkeit

Hans-Oliver wollte sich nie mehr in seinem Leben entscheiden müssen. An jeder Strassenkreuzung gibt es zu viele Möglichkeiten, immer ist eine Entscheidung gefordert. Und jede Entscheidung kann falsch sein. Daher träumte Hans-Oliver von einem Strassennetz das ihm die Entscheidung so gut wie möglich abnahm. Keine Alternativrouten, kein Abwägen von links gegen rechts...
Und da entdeckte er das Strassennetz von Island. Eine minimale Auswahl an Entscheidungen. Keine grosses Angebot an Städten, Strassen, Umgehungen. Prompt wanderte er dorthin aus - völlig unbemerkt da sein Fehlen auch an seiner Arbeitsstelle erst nach Monaten auffiel.
Um zu seinem neuen Wohnsitz Raudafell II zu kommen (das nicht etwa einen Ort sondern ein Gehöft bezeichnet), muss er die Strasse Nummer 1 nehmen (die Ringstrasse, Islands wichtigste Strasse) und auf dieser Island im oder gegen den Uhrzeigersinn befahren. Und dann hat er noch zwei Möglichkeiten auf die Strasse 242 abzubiegen - und das war aber auch schon alles was ihm der Süden Islands an Entscheidungen abnötigt. Und Hinweisschilder an der wichtigsten Strasse Islands, auf denen jeder Hof verzeichnet ist - Hans-Oliver blühte in dieser Reduktion förmlich auf. Deswegen wagte er sich nach den ersten paar Monaten auch nie mehr in den belebteren Westen der Insel und zog sich nach einem halben Jahr ins Hochland zurück.

Dieses Schild ist ein alternativer Lebensansatz zu dem in Absurdistan zu findenen Konzept
.

Sonntag, Februar 19, 2006

In der Schein-Bar

Es gibt Scheine für die mobile Gesellschaft - Führerschein, Fahrschein, ...
Es gibt Scheine für die bürokratische Gesellschaft - Geburtsschein, Totenschein, ...
Es gibt Scheine für transzendente Phänomene - Heiligenschein, Anschein, ...
Es gibt Scheine für vieles anderes.

Meine liebsten Scheine sind aber Sonnenschein und Mondschein.

Samstag, Februar 18, 2006

D*A*N*K*E

Danke Bernd. Für einen wunderbaren Abend. Und für die Erfüllung der Wünsche. Was bei der seltener gespielten Hymne nicht zu erwarten war.

Es war ein typisches Bernd-Konzert. Mit einem sich verausgabenden Bernd in Höchstform. Bernd Begemann spielte über drei Stunden. Was mit der typischen langen Pause im Mittelteil eine Dauer von fast vier Stunden ergab. Eine Mischung aus witzig-abstrusen und eher melancholisch-resignierten Lieder. Die berühmten Zwischengeschichten - Bernd schmückt altbekannte Lieder gerne mit einem langen Mittelteil aus, in dem er die Geschichte weiterfabuliert, dies variiert aber von Auftritt zu Auftritt - fehlten genausowenig wie kurze Ansätze von Coverversionen oder dauerndes Lob der Auftrittsortes,

Im ganzen ein wunderbarer Abend, mit unübertroffenem Unterhaltungswert.

Freitag, Februar 17, 2006

Wunschzettel

Wunschzettel. Ein Wort das zu wunderbaren Assoziationen führt: Weihnachten, Vorfreude, Früchtebrot, GESCHENKE.
Auf dem Wunschzettel stehen Wünsche. In manchen Familien ist das gleichbedeutend mit ausgefüllten Bestellscheinen, im allgemeinen ist die Erfüllung aber ungewiss. Oder sogar ausgeschlossen wenn der Wunsch nur fordernd genug ist.
Für heute abend reichen mir Wünsche eigentlich nicht aus. Ich würde jetzt gerne telefonisch beim Lieferservice bestellen:
Ich hätte gerne die Nummer 14 "Fernsehen mit Deiner Schwester", dann die Nummer 15 "Unten am Hafen", und von den Spezialmenues "Deutsche Hymne ohne Refrain". Lieferung in 2 Stunden ins Schaufenster Mitte.
Aber das wäre unziemlich. Unehrerbietig. Und daher dann doch: Drei Wünsche.
Bitte lieber Bernd, spiel das für mich !

Donnerstag, Februar 16, 2006

Peinliches Lieblingslied

Die Musikzeitschrift meines Vertrauens Spex (trotz allem immer noch) hat in ihrem Leserpoll neben der Frage nach Band/Single/DJ/etc. des Jahres auch immer die Frage nach dem Heimlichen Lieblingslied in der Liste.
Der Poll 2005 ergab folgendes Ergebnis (nachzulesen in der Spex 01-02/2006):
01 Madonna: Hung Up (10,20%)
02 Sugerbabes: Push The Button (4,88%)
03 Robbie Williams: Tripping (4,66 %)
usw.
Ich finde die Bezeichnung Peinliches Lieblingslied noch schöner, da man die Vorliebe ja nicht nur vor den geschmackssicheren Freunden geheimhalten muss, es ist einem ja sogar selber peinlich wie es nur zu so einer Geschmacksverirrung kommen kann. Tiefe Gefühlsverwirrung kann das Resultat sein..
Mein peinliches Lieblingslied 2005 hat es übrigens auf Platz 6 geschafft: Wir sind Helden - Nur ein Wort

Mittwoch, Februar 15, 2006

Unwissenheit schützt

Der namenlose Pinguin, mein netter Untermieter, will auf Nummer sicher gehen: Eigentlich sollte er sich in geschlossenen Räumen vor der Vogelgrippe sicher fühlen. Aber die absolute Gewissheit gibt es nicht. Und er will einfach nicht so jung sterben, er hat noch große Pläne, sein Leben hat noch gar nicht richtig begonnen.
Wahrscheinlich hat er im Physik-Unterricht etwas falsch verstanden. Oder das gleiche Heft für Physik und Biologie benutzt. Jedenfalls ist er der festen Ansicht dass ein Faradayscher Käfig Viren abhält.

Das Irrationale bestimmt die Welt. Und nicht ein paar Rädchen, die ständig geölt werden müssen.
Aus meiner aktuellen Lektüre "Der Umfang der Hölle" von Heinrich Steinfest

Dienstag, Februar 14, 2006

Weltrekord !

Herr Reitmayer hatte eine Idee. Warum sollte nicht auch er einen Weltrekord aufstellen ? Er hatte bei seinem Enkelsohn im Kinderzimmer das Guinness-Buch der Rekorde entdeckt und durchgeblättert, und plötzlich diese Idee gehabt: Sich durch einen Rekord unsterblich zu machen.
Aber was sollte er machen ? Im Sport hat er es immer gerade geschafft den Zorn des Sportlehres zu vermeiden, und war mit den Jahren sicher nicht beweglicher geworden. Er hatte einen Durchschnitts-Job in einem Durchschnitts-Büro, wohnte mit seiner unauffälligen Frau in einer Standard-Wohnung. Und so lange er auch grübelte, ihm fiel nichts ein was er besser könnte als seine langweiligen Freunde.
Aber wie er so darüber nachdachte, dass wirklich nichts an ihm und seinem Leben ungewöhnlich war, fiel es ihm auf: Jeder seiner unauffälligen Freunde hatte doch irgendeine Besonderheit: Der eine sammelte alte Feuerzeuge, einer konnte mehrere afrikanische Sprachen, einer konnte ewig lachen ohne Luft zuholen. Nur er konnte gar nichts !
Und das war die Erleuchtung: Er meldete sich als gewöhnlichsten Mensch der Welt an. Und nun steht in der Kategorie gewöhnlichster Mensch Herr Reitmayer im Guinness.Buch, sogar mit Foto abgebildet. Und Herr Reitmayer ist glücklich.

Montag, Februar 13, 2006

Rudi und Henriette

Rudi der Rabe ist leicht erkältet. Da er den Hausmitteln misstraut die ihm der besserwisserische Koffer empfiehlt, und auch nicht den verstaubten Arztkoffer benutzen will, den Siebenstein unter dem Ritterhelm gefunden hat, macht er sich auf zu einem Arzt. Als dieser ihm nur Vitamine und Bewegung empfiehlt bleibt er ziemlich misstrauisch. Er hat doch von einer Vogelgrippe gehört, die zur Zeit grassiert, und er ist sich sicher: Er hat die Vogelgrippe. Der Tierarzt versucht ihn vergeblich davon zu überzeugen dass eine Erkältung noch lange keine Grippe ist.
Rudi ist immer noch sehr beunruhigt: Wenn er noch nicht die Grippe hat, dann könnte er sie doch sicher bald bekommen. Der Arzt kann das nicht verneinen, und empfiehlt ihm den Kontakt zu anderen Vögeln zu vermeiden und sich nicht an Orten aufzuhalten an denen öfter Vögel vorbeikommen.
Die Bedenken sich von einem weitgereisten Koffer anstecken zu können konnte der Arzt beschwichtigen, da der Koffer das Haus schon Jahre nicht mehr verlassen hat und daher nicht mit infizierten Vögeln in Berührung gekommen ist.
Kurz bevor Rudi dann doch sehr beruhigt und mit dem Vorsatz, in den nächsten Folgen den Trödelladen nicht zu verlassen, die Praxis verlässt, kommt der Arzt nochmal schnell aus dem Behandlungszimmer und verspricht Rudi in den nächsten Tagen bei ihm zuhause vorbeizukommen. Rudi strahlt, und erzählt daheim angekommen begeistert dem Koffer und Siebenstein von dem Arzt.
Was er nicht ahnt, was Siebenstein aber zwei Tag später beim Besuch des Arztes schnell klar wird: Der Arzt wollte gar nicht zu Rudi sondern hat die Gelegenheit genutzt um Henriette Heinze (das war Siebensteins Bühnenname aus ihrer Zeit als Schauspielerin) kennenzulernen, die ihm im Film Vollgas sehr beeindruckt hat. Und er hat sie dann auch ziemlich direkt gefragt wieso sie jetzt einen Trödelladen besitzt und nur noch selten in Filmen zu sehen ist. Sie erklärt ihm aber dass sie in ihrem neuen Leben glücklich ist und mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will.
So bleibt dem Arzt nichts anderes übrig als Sonntag um 14:35 auf Kika Siebenstein zu schauen und auf Wiederholungen der Fernsehfilme und Serien zu warten, in denen sie mitgespielt hat.

Samstag, Februar 11, 2006

Der Pirat mit dem goldenen Löffel

Allen Freunden von creme brulée
und Amélie gewidmet


Der Pirat hatte sich auf französische Schiffe spezialisiert. Er war von allen Offizieren gefürchtet - und als der Pirat mit dem goldenen Löffel bekannt. Seine Herkunft konnte nie geklärt werden, da er in vielen Sprachen fließend parlierte, es wird aber vermutet dass er Holländer war.
Mit seinem kleinen, schnellen Schiff verfolgte er tagsüber seine anvisierte Beute, schlich sich nächtens unbemerkt heran, legte einfach am großen Segler an, stürmte mit einer kleinen Gruppe die Offiziersmesse und forderte die Herausgabe aller Spezialitäten und des Weins. Damit war der Pirat eine Gefahr für die französische Handelsflotte: Die Offziere wollten das Risiko eventuell mehrere Wochen ohne Bordeaux, gefüllte Wachteln, Entenpastete oder edlen Käse auskommen zu müssen nicht auf sich nehmen und verweigerten zunehmend die Atlantikroute. Auf ihre Mannschaften konnten sie sich nicht verlassen, diese nahmen die Kaperung oft mit schweigender Billigung und großer Schadenfreude hin - ihre schlechte Verpflegung war durch den Piraten nicht bedroht.
Der Spitzname des Piraten leitete sich von einer besonders pefiden Demütigung seiner Opfer ab: In der Offiziersmesse des gekaperten Schiffes ließ er sich gemütlich nieder und verlangte vom Bordkoch ihm eine Creme bruleé darzureichen. Und als diese dann serviert wurde zog er immer einen goldenen Löffel aus seiner Jackentasche und verspeiste die Portion genüßlich.
Nach 5 Jahren hatte der Spuk plötzlich ein Ende. Als kurze Zeit später in Rotterdam ein französisches Lokal mit dem Namen "la cuillère dorèe" eröffnet wurde, das eine reichhaltige Speisenauswahl aber nur ein Dessert auf der Speisekarte hatte, vermuteten viele hinter dem Besitzer den Pirat. Da aber nie ein holländisches Schiff überfallen worden ist, ließ man lieber das Geheimnis auf sich beruhen und erfreute sich an der köstlichen creme brulée.

Donnerstag, Februar 09, 2006

Pinguine frieren nicht


Für diesen Blog eine Neuerung: Eine Literaturempfehlung. Oder vielleicht genauer definiert ein persönlicher Buchtipp ohne irgendwelche reich-ranickischen oder karasekschen Selbstdarstellungsambitionen und Bildungsaufträge. Und verfasst ohne olesche bzw. absurdistansche Wortgewalt, also ohne Anspruch mit der Kritik das Werk selber zu übertreffen.


Andrej Kurkow: Pinguine frieren nicht
Dies ist (nicht selbstverständlicherweise, aber in diesem Fall ebenso) eine Empfehlung für den ersten Teil dieses Werkes:
Andrej Kurkow: Picknick auf dem Eis

Natürlich kann ein einfacher Blogger bei solchen literarischen Vorhaben nicht obsiegen, aber lieber grandios scheitern als mittelmäßig verzagen.
Die kurze inhaltliche Zusammenfassung: Die Hauptfigur Viktor, ein erfolgloser, in Kiew alleine lebender Schriftsteller mit dem Pinguin Mischa als Haustier hatte es im ersten Teil zu einer Pflegetochter, einer Mitbewohnerin und einem Job als Verfasser von Nachrufen (vor dem Tod des Beschriebenen) geschafft, gerät aber dadurch in ein für ihn undurchschaubares Räderwerk und ins Visier gewisser Gruppen. Daher flieht er in die Antarktis.
In dem zweiten Buch kommt er in die Ukraine zurück, gerät erneut in Abhängigkeiten von Personen, erfüllt seine neuen Aufgaben wieder kreativ ohne wirklich alles zu durchschauen, und verfolgt eigentlich nur ein Ziel: Seinen Pinguin Mischa wieder zu finden und in die Antarktis zu bringen. Dieses Abenteuer führt ihn nach Moskau, Tschetschenien und zur Begegnung mit verschiedensten Lebensansätzen.
Das Buch handelt von der Suche Viktors nach Liebe, Sicherheit, einem Sinn im Leben, seiner Bestimmung, seinem Platz unter den Menschen und ist dabei äußerst unterhaltsam.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen !

Mittwoch, Februar 08, 2006

Vier gewinnt

Nachdem Madame Kein Einzelfall mich charmant aufgefordert hat ich solle mich dem derzeitigen Listentrend anschliessen, und ich das auch schon leichtfertig versprochen habe folgen hier meine Quartette:

Vier Jobs in meinem Leben:
  • Küchenpersonal bei McDonalds (da habe ich nicht allzulange durchgehalten)
  • Lagerarbeiter in dem Auslieferungslager einer Baumittel-Firma
  • Amtsbote in einer großen Behörde (mit dem Wägelchen Akten verteilen u.ä.)
  • freier Mitarbeiter eines Chemie-Unternehmens (aber nicht als Versuchskaninchen sondern mit dem Computer beschäftigt)

Vier Filme, die ich immer wieder sehen kann (da gibt es noch viele mehr):

  • Der Himmel über Berlin
  • Trust
  • Die fabelhafte Welt der Amelie
  • Italienisch für Anfänger

Vier Orte, an denen ich gelebt habe:

  • München (für mich erste Wahl in Deutschland)
  • Hemsbach (ein kleiner Ort sollte zur Auflockerung auch in der Liste stehen)
  • Heidelberg (ein Klassiker)
  • Augsburg (oft unterschätzt)

Vier TV-Shows, die ich sehr gern sehe:
  • Chili TV (wegen Bernd)
  • Sarah Kuttner
  • On a tout essayé (läuft derzeit leider nicht mehr auf TV5)
  • ... mhmm, da gibt es wirklich nichts viertes

Vier Orte, an denen ich Urlaub gemacht habe:
  • Island
  • Cornwall
  • Côte d'Azur
  • Neuseeland (damit auch etwas Fernes vorkommt)

Vier meiner Lieblingsgerichte:
  • Bouillabaisse
  • Lammfleisch in vielen Zubereitungsformen
  • Creme bruleé
  • Apfelstrudel (österreichisch, nicht mit Blätterteig)

Vier Webseiten, die ich zur Zeit täglich besuche:
(täglich außer sonntags)
  • Google
  • gmx (mein Mailaccount)
  • Lieblingsblogs Kein Einzelfall, Absurdistan
  • immoscout24 (ich bin auf der Suche...)

Vier Orte, wo ich jetzt lieber wäre:
  • Am Hafen von St. Tropez
  • In meinem Stokke Gravity (Schleichwerbung)
  • Mit dem Fahrrad im Wald
  • In den Westfjorden von Island

Vier Blogger, die das über sich ergehen lassen sollen:

Alle die sich hierher verirren sind ihrer Blogger-Pflicht schon nachgekommen...

Dienstag, Februar 07, 2006

Coke on Ice(land)

Die wundervolle, ihre treue Leserschaft immer wieder bestens unterhaltende, gleichzeitig kulturell weiterbildende, für das tägliche Leben rüstende, nie Bandwurmsätze wie diesen bildende Madame Kein Einzelfall (die aber entgegen ihrem Namen ein einmaliger, außerordentlicher Glücksfall ist) hat in einem kürzlichen Beitrag berichtet, daß die Isländer die Weltmeister im Cola-Trinken sind (mengenmäßig gesehen).
Bei meinem Island-Urlaub ist mir der hohe Anteil von Cola in den Kühlregalen so stark aufgefallen, daß ich schon eine Cola-Epedemie diagnostiziert und dies sogar dokumentiert hatte:


Dieser Beitrag zollt dem Blog/Leben-Dilemma Tribut, das von Madame K.E. in obigem Beitrag in die wissenschaftliche Literatur eingebracht wurde.

Montag, Februar 06, 2006

Der arme Poet

Der Dichter ist hilflos wenn er
das Fenster abdichten soll. Auch
verdichtet er keine Saucen.
Nur
Manchmal
hat er sich verdichtet und
das Ergebnis zerknüllt.
Und einfach nur dichten -
das ist profan.
Er ist ein Poet -
und er poetiert.

Freitag, Februar 03, 2006

Sandrine

"Ich bin die Sandrine. Und Du ?" "Ich heiße Alexander" antwortet der Humanist.
"Da fällt Dir jetzt nichts ein, oder ?" spottet der daneben stehende Cineast. "Welche griechische Göttin war den Sandrine ?"
"Was meint der denn?" Sandrine schaut Alexander fragend an, der zuckt nur cool die Schultern und meint "der hat so einen Namens-Tick".
Und tatsächlich legt der Cineast los. "Sandrine Bonnaire. Eine phantastische Frau. Habt ihr Intime Geständnisse gesehen ? Oder die Farbe der Lüge ? Und dann noch Sandrine Kimberlein, noch eine tolle französische Schauspielerin. Haben (oder nicht) ist ein großartiger Film".
"Das sagt mir alles gar nicht" seufzt Sandrine. "Ich weiß aber das Sandrine eine Variante des Namens Alexandra ist. Hat also durchaus etwas griechisches." Dabei wirft sie dem Cineasten einen triumphierenden Blick zu.
Alexander weiß als Humanist: Wenn die Götter des Olymp ein Zeichen geben ist es Zeit zu Handeln. "Irgendwie sind die Leute hier seltsam. Sollen wir nicht lieber woanders hingehen ?" "Gute Idee" strahlt Sandrine. "Wie wäre es mit dem L'Oasis ?".

Donnerstag, Februar 02, 2006

Julia

"Julia ist so ein gewöhnlicher Name, ich würde gerne anders heißen" meint sie und beobachtet vom Sofa aus die Gäste im Wohnzimmer. "Aber der Name hat eine spannende Herkunft. Interessiert dich so etwas" fragt der Humanist, jetzt schon sehr vorsichtig geworden.
"Ja, man kann ja immer dazulernen" grinst Julia und versucht die Anwesenden zu klassifizieren.
"Ganz ursprünglich kommt der Name von Iulus, das war der Sohn des trojanischen Fürsten Aeneas und damit Enkel der Aphrodite. Das römische Geschlecht der Julier, zu denen auch Caesar gehörte, führte seine Abstammung auf Iulus zurück. Und Julia heißt einfach vom Geschlecht der Julier zu sein".
"Ist ja interessant" murmelt Julia, die aber nur halb zugehört und die Gäste erfolgreich in ihre vier Kategorien eingeteilt hat.
"Julia ist ein hübscher Name für hübsche Frauen, so wie Julia Roberts - oder wie du" ergreift ein in der Nähe stehender Gast das Wort. Julia ist stolz auf sich - sie hatte ihn richtig eingeschätzt.
"Oh Gott, Julia Roberts" mischt sich der gerade vorbeikommende Cineast ein. "Völlig vorhersagbare Hollywoodstreifen, Hauptsache in jeder Szene etwas neues schickes zum Anziehen, immer das gleiche Zahnpastawerbungs-Lächeln...".
"Jetzt übertreibst Du aber" interveniert der Humanist, der nicht so weltfremd ist wie er oft erscheint.
"Zugegeben. Aber Julia Hummer, die ist doch sehr gut ! Schon etwas speziell, eine wunderbare Frau, und tolle Filme. Und Absolute Giganten zählt zu meinen Favoriten."
"Geschmackspolizist, oder was ?" Der Schmeichler kommt in Fahrt. "Du würdest doch nie zugeben dass Dir ein Film gefallen hat den wir hier alle vom Titel kennen". Er versucht mit seiner Geste und dem Lächeln vor allem Julia in das wir alle einzuschliessen.
"Aber Julia Hummer sagt mir etwas, auch wenn ich keinen Film von ihr kenne" meldet sich Julia wieder zu Wort. "Ich glaube ich habe sie in einem Tatort gesehen, da war sie sehr gut. Aber Julia Roberts mag ich lieber."
Sie steht vom Sofa auf und geht Richtung Buffet. Der Humanist schliesst sich ihr schnell an: "Ich sehe sie auch gerne im Kino..."
Der zurückbleibende Cineast meint zum Schmeichler: "Das Konzert von ihr war ganz ok, sie sollte aber lieber wieder Filme statt Musik machen !".
Der Schmeichler: "Ich ziehe Julia Roberts als Frau vor. Julia Hummer wäre mir dann doch viel zu anstrengend."

Mittwoch, Februar 01, 2006

Für das Leben lernen im ÖPNV

Montag in der S-Bahn: Zwei junge Frauen setzen sich und fangen an über Kollegen zu schimpfen. Schlußbemerkung mit tiefem Seufzer: "Menschen."

Dienstag: Zwei Jugendliche auf dem Weg zum Bushido-Konzert unterhalten sich über Mädchen und Musik. "Wenn ich auf das Konzert gehe kann ich mir die CDs sparen".

Mittwoch: Eine Bekleidungsdiskussion zweier Mädchen. "Mit Schuhen kann man umheimlich viel aufpeppen".

Fortsetzung folgt - jeden Morgen und Abend in Ihrer S-Bahn.

Dienstag, Januar 31, 2006

Penelope

"Penelope ist ein schöner Name. Weißt Du dass so die Frau des Odysseus hieß ? Sie hat 20 Jahre auf die Heimkehr ihres Mannes gewartet" erwiderte der Humanist, und setzte - sich an seine letzte Unterhaltung erinnernd - seine umfassende Allgemeinbildung viel vorsichtiger ein. "Das ist ja interessant" antwortete Penelope, "aber ich wurde nach Penelope Houston benannt.". "Das sagt mir jetzt gar nichts" gab der Humanist umunwunden zu.
"Das wundert mich nicht. Das war eine Sängerin die Anfang der 90er Jahre mit der Neofolk-Bewegung bekannt wurde. Meine Eltern haben mir immer wieder von ihrem Konzert in der Alten Feuerwache in Mannheim vorgeschwärmt."
"Dann habe ich Dich aber erheblich älter geschätzt" hatte der Humanist das nächste Fettnäpfchen anvisiert, aber zugleich bewiesen dass er aufmerksam zuhört. "Das passiert mir regelmäßig immer ziemlich oft" nahm dies Penelope mit einer den Kenner der philosophischen Logik herausfordernden Formulierung sehr locker. "Ich bin auch nur hier weil ich die kleine Schwester des Geburtstagskindes bin."

Penelope Houston hat die Punk-Band "The Avengers" wiedervereint, in der sie Ende der 70er Jahre spielte. Zur Zeit auf Tournee !

Montag, Januar 30, 2006

Helena

"Ich heiße nicht wegen irgendeiner seltsamen griechischen Sagengestalt Helena ! Sondern wegen Helena Bonham-Carter."
"Aber sie ist doch keine x-beliebige Sagengestalt" entgegnete ihr Gegenüber auf der Geburtstagsparty. "Sie war die schönste Frau ihrer Zeit, und wegen ihr kam es zu den Trojanischen Kriegen. Damals waren die Menschen noch wahrer und standen zu ihren Gefühlen."
Helena verdrehte die Augen. "Dann fahre doch zu Deinen griechischen Ruinen".
"Helena Bonham-Carter ist wunderbar" mischte sich ein zufällig auch vor dem Bücherregal stehender Gast ein. "Natürlich war sie in Room with a View unbeschreiblich niedlich, aber auch in den späteren Nicht-Kostümfilmen war sie überzeugend."
"Endlich" seufzte Helena, "kein Kulturbanause."
"Halt" meldete sich nochmals der Humanist zu Wort, "die griechischen Sagen sind der Inbegriff, ja der Ursprung aller Kultur."
"Kultur ist für mich das jetzt relevante. Und nicht das was in irgendwelchen Lehrplänen steht" fertigte sie ihn ab und wendete sich dem Kinokenner zu. Dieser schwärmte weiter: "In Charlie und die Schokoladenfabrik war sie wieder ausgeprochen bezaubernd."
"Sehe ich ihr nicht ähnlich ?" - "Eigentlich gar nicht" sprang der Cineast mit Anlauf in das Fettnäpfchen. "Sie ist schon meine Traumfrau."
"Dann viel Spaß mit ihr" entgegnete Helena schnippisch.
"Aber du gefällst mir doch nicht kein bischen" lächelte er ihr zu und meinte diese doppelte Verneinung nicht im bayerischen Sinne, und Helena verstand es richtig.

Sonntag, Januar 29, 2006

Ich liebe den Winter !

Ich mache mich im Bekanntenkreis regelmäßig mit der Aussage unbeliebt dass ich den Winter sehr gerne mag. Deswegen will ich es auch hier verkünden ! Und noch dazufügen dass ich kein Wintersportler bin - denen sieht man ja nach dass sie sich Schnee und Kälte in regional begrenzten Gebieten wünschen, aber ja nicht bei Ihnen zuhause.
Ich mag es wenn alles verschneit ist, normalerweise dunkle Gebiete wie Laubwälder plötzlich in der Sonne glitzern, hässliche Flächen durch Zuckerwatte bedeckt und plötzlich ansehnlich werden, das Licht der tiefstehenden Sonne verstärkt wird und einen wärmt.


Und dann muss ich noch etwas gestehen: Ich fahre sehr gerne im Winter mit dem Fahrrad ! Es ist wunderbar durch verschneite Wälder (wenn möglich natürlich bei Sonne) zu fahren, die klare Luft und die romantische Landschaft zu geniessen. Im Wald über Schnee fahren ist auf alle Fälle ungefährlicher als im Sommer in der Stadt auf einer belebten Straße unterwegs zu sein. Und zum Thema Kälte kann man die völlig abgenutzte aber bei dem heutigen auch vor dem Wetter nicht haltmachenden Anspruchsdenken immer wichtigere Weisheit mit dem schlechten Wetter und der unangepaßten Kleidung anbringen.
Und auch wenn mich die Spaziergänger im Wald oft fassungslos anstarren, und man beim abwärtsfahren vorsichtig unterwegs sein sollte - ich hoffe es bleibt noch lange richtig Winter !

Samstag, Januar 28, 2006

Das Meditationsfenster (Beitrag von Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz)

Ich möchte heute Ihnen, meine lieben Blogleser, eines der wichtigsten Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis präsentieren: Die Waschmaschine.



Es kommt dabei nicht auf das Fabrikat, den Energieverbrauch oder die Waschkraft an, sondern einzig und alleine auf das Meditationsfenster. Konzentrieren Sie sich auf Ihr aktuelles Problem, das Thema das sie bewegt, und schauen Sie durch das Meditationsfenster (natürlich bei beladener und laufender Maschine).
Dabei gibt es noch verschiedene Varianten, die ich Ihnen in einer Einzelsitzung gerne erläutere: Sie können sich durch den zu sehenden Strudel wegziehen lassen, sie können ihr Problem auf ein einzelnes Kleidungsstück projizieren und dieses dann verfolgen, sie können bewußt wahrnehmen wie ein rotes T-Shirt die schneeweiße Wäsche verfärbt... Die Assoziationsmöglichkeiten sind unbeschränkt !

Übrigens verweise ich als Referenz für meine Erfolge auf diesen Blog. Die Fixierung auf Frankreich oder Kaffee hat deutlich nachgelassen, es werden Länder wie Island und Großbritannien sowie Getränke wie Tee erwähnt !

Mich freut es sehr Ihnen auf Ihrem Lebensweg wieder deutlich weitergeholfen zu haben. Meine Freunde nennen mich Gunderl, aber für Sie bleibe ich verbindlichst
Ihre Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz.

Donnerstag, Januar 26, 2006

Something glorious is about to happen

Die Queen wußte nicht genau was mit ihr los war. Morgens hatten die goldenen, durch das große Fenster ihres Schlafzimmers im Buckinghame Palace fallenden Sonnenstrahlen auf ihrer Bettdecke fangen gespielt und die Monarchin wachgekitzelt, als sie auch über ihr Gesicht liefen. Sie wachte mit dem Gefühl auf am Beginn einer wunderbaren neuen Episode ihrer langen Regentschaft zu stehen.
Das lange warme Duschen und die feinen Essenzen ihres Hofdrogisten ließen dieses Gefühl anhalten, sie fühlte sich wie unter einem tropischen Wasserfall und beschloß nebenbei ihren Sommerurlaub diesmal nicht in Schottland zu verbringen.
Das köstliche Frühstück auf der Terasse, mit feinster Orangenmarmelade, exakt vermessenen Toastdreiecken, auf die Sekunde genau angebratenen Speckstreifen, dem Tee-Direktimport von ihrer Exklusiv-Plantage in China und allen anderen Zutaten eines wirklich britischen Frühstücks, das anregende Gespräch mit ihrem Gemahl - alles war so wunderbar leicht und köstlich.
Ihre Stimmung war fast nicht mehr zu übertreffen. Sie scherzte mit dem Servierer, später erzählte sie ihrer Kammerzofe einen Witz, während diese ihr bei den Vorbereitungen für ihren Auftritt behilflich war.
Und dann wußte sie plötzlich welcher Gedanke sich bereits in ihren Träumen geformt hatte, sie in Hochstimmung versetzte und nun endlich an der Oberfläche ihres Bewußtseins aufgetaucht war. Das erstemal in der Geschichte des Vereinigten Königreichs wird der Regent das vom Regierungschef verfasste Redemanuskript zur feierlichen Parlamentseröffnung ignorieren und frei seine Meinung sagen. "Something glorious is about to happen" summte sie, das Lied aus der Morgensendung von Radio 1 noch im Ohr.

Mittwoch, Januar 25, 2006

Jugend forscht

Leopold war enttäuscht. Er hatte an seinen maßgeschneiderten Tretroller etwas Schießpulver befestigt, sich auf sein so präpariertes Lieblingsfortbewegungsmittel gestellt und gezündet - und war nur wenige Zentimeter nach vorne gefahren. Sein Vater Fürst Waldemar hatte ihm verboten mit Sprengstoff zu spielen. Aber er spielte doch gar nicht ! Er war sich sicher eine überlegene Transporttechnologie erdacht zu haben die Pferde überflüssig machen würde.
Schmollend blickte er aus seinem Turmzimmer auf den belebten Burghof. Wie er den Planwagen mit der monatlichen Sprengstofflieferung ankommen sah wußte er: Jetzt ist die einmalige Chance gekommen seinem Vater zu beweisen dass er ein Genie war.
Während der Fürst sein allabendliches Gelage gab schlich Leopold die Wendeltreppe hinunter und durch verwinkelte Gänge in den Laderaum. Glück gehabt ! Die Pferde waren abgeschirrt, aber der Planwagen stand unberührt da. Leopold legte schnell die mitgebrachten Zündschnüre, öffnete das Tor zum Hof, setzte sich auf den Kutschbock und zündete alle Zündschnüre zugleich an.

Die Burgruine ist heute ein beliebtes Wanderziel. Auf den vom Heimatverein aufstellten Tafeln ist zu erfahren dass die Burg durch eine Explosion vollständig zerstört und nie wieder aufgebaut worden ist.

Dienstag, Januar 24, 2006

Die Elfe und der Troll

Oberhalb von Patreksfjördur in den Westfjorden Islands lebte ein etwas melancholisch veranlagter Troll. Anstatt auf die Jagd zu gehen oder Menschen zu erschrecken saß er gerne auf seinem grasüberwachsenen Hügel und schaute in den Sonnenuntergang über dem Meer. Dabei ließ er Melodien in seinem Kopf entstehen zu denen er komplexe Rhythmen klopfte. Er sehnte sich in die gute alte Zeit zurück, die in Island noch gar nicht so lange her ist. Abergläubische Familien auf einsamen, ärmlichen Bauernhöfen, umgeben von ihrer Hauswiese mit wenigen Tieren.
Aber die Idylle existierte nicht mehr: Die Touristen in ihren Mietwagen, die auf den ausgebauten und teils sogar asphaltierten Straßen die Einsamkeit vertreiben, elektrische Beleuchtung die die Dunkelheit zerstört.
Er fasste einen Entschluß: Statt verbittert ins Hochland abzuwandern (selbst das ist nicht mehr vor den Gruppen deutscher Touristen sicher, die in Reisegruppen in geländegängigen Bussen unterwegs sind, sich aber dabei sehr individuell und Mallorca-Touristen überlegen vorkommen) musste er sich anpassen. Und wenn dann ein radikaler Schritt.
Aber wie schafft man es als seltsamer Troll sich außerhalb von Island zu integrieren, akzeptiert und glücklich zu werden ? Man zieht nach Weilheim in Oberbayern, inmitten verschiedenster junger und alter Individualisten. Der Troll profitierte von der Liebe der Bayern für Originale und ihrer sich oft hinter einer grantelnden Fassade verbergenden Weltoffenheit und Toleranz. Er fing an sich mit elektronischer Musik zu beschäftigen und fand gute Freunde unter den örtlichen Musikern. Er hat sich den Namen Martin Gretschmann zugelegt, als Künstlername wählte er Console, und er ist erfolgreicher Solo-Künstler und wichtiges Mitglied der Band Notwist geworden.
Auch wenn die bayerische Landschaft nicht mit Island vergleichbar ist, fühlt er sich in der ländlichen Gegend sehr wohl und hat sich auch einen Hügel erwählt, auf dem er oft abends zu finden ist.
Der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere war für ihn als isländischer Troll natürlich als Björk ihn bat ihr ein Lied zur Verfügung zu stellen und zu arrangieren.
Und so findet man mit "Heirloom" auf der CD Vespertine das einzige Lied eines Trolls das von einer Elfe gesungen wird.

Montag, Januar 23, 2006

Im Griff der Hysterie

Im ZDF spezial: Im Griff der Kälte. Kaum gibt es endlich mal wieder eine Jahreszeit, die sich wirklich Winter nennen darf, in der man sich etwas wärmer anziehen und vielleicht über passendes Schuhwerk nachdenken muss, ist das schon eine Sondersendung wert. Mit Reportagen über Betroffene (ein Auto mit alter Batterie springt nicht an, unbeeindruckte Arbeiter auf der Baustelle), Experten ("ein ganz normaler Winter" - da hat der Redakteur nicht aufgepasst) und obligaten Horrorszenarien (die richtig böse Kälte kommt noch - natürlich aus Russland). Natürlich darf der Kinder/Tiere-Faktor nicht fehlen (ein Wald-Kindergarten im Schnee).
Ist das Leben so langweilig geworden dass man jede kleine Besonderheit so hervorheben muss ? Oder brauchen wir unsere tägliche Katastrophe um uns danach sagen zu können: Wir haben es überlebt - uns geht es gut ? Ist es die erfolgreiche Relativierung von wirklichen Gefahren (Genfood, Fleischskandal, ...) ?

Sonntag, Januar 22, 2006

Herr Rossi sucht das Glück


Gestern abend im Foyer des Theaters: Der Filmabend "Herr Rossi sucht das Glück". Die vier Filme dieser Zeichentrickserie aus den 70er Jahren wurden gezeigt.
Mit Hilfe einer goldenen Trillerpfeife die er als einziger Kunde der Fee Sicura erhält, verreist er mit dem Hund Gastone seines Chefs und Nachbarn in verschiedene Zeitalter, um sein Glück zu suchen. Möglichst weit weg von seiner eintönigen Arbeit, dem Chef, dem Chaos der Stadt.
Von Ideen nur so sprühende Filme, mit sehr interessant gemalten Hintergründen, mit witzigen Einfällen (so wie die Dinosaurier beim Betrachten des Vulkan-Feuerwerks), natürlich die Musik... Gleichzeitig eine Reise zurück in die eigene Vergangenheit, Erinnerung an frühe Erlebnisse vor dem Fernseher.
Die Serie ist als DVD erhältlich, eigentlich ein Muss.
Herr Rossi wird klar, dass er sein Glück nur im Hier und Jetzt finden kann. Diese Serie ersetzt so mühelos lange Sitzungen bei Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz. Und ist entschieden unterhaltsamer !

Samstag, Januar 21, 2006

Bernd ! Mehr ist nicht zu sagen.

Hier ein Programmhinweis auf den ersten kulturellen Höhepunkt dieses noch nicht all zu alten Jahres:

Heute 20:15 Uhr auf KIKA

Der Beginn einer neuen Comedy-Reihe mit den üblichen Verdächtigen aus Chili TV.

Auch Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz (die dieses Wochenende vom Skifahren zurückerwartet wird, aufmerksame Leser wissen dass sie ein Chalet in Klosters besitzt) würde diese Sendung empfehlen. Sie hat einmal in einer Radiosendung betont dass jede Sendung mit Bernd dem Brot mehr wichtige Erkenntnisse über das Leben vermittelt als das Philosophische Quartett.

Es sei noch an den anderen großartigen Bernd erinnert: Bernd Begemann ist zur Zeit wieder auf Tour. Seine Auftritte sind unbedingt zu empfehlen. Wer ihn einmal live gesehen hat kommt immer wieder.

Freitag, Januar 20, 2006

Besuch von einer Fee

Der Camembert hatte genau die richtige Reife. Ich hatte ihn gerade angeschnitten da erschien eine wunderbare, transparente Frau in einem sehr altmodisch wirkenden Kleid in der Küche und fuchtelte nervös mit einem sternesprühenden Stäbchen herum. "Ich bin die gute Käse-Fee, und Du hast drei Wünsche frei !".
"Wunderbar ! Dann möchte ich als erstes ein Nummernkonto in der Schweiz mit 5 Millionen Euro".
Die Fee starrte mich fassungslos an: "Du spinnst ja völlig ! Woher soll ich denn das Geld nehmen !".
"Ok, dann wenigstens eine Eigentumswohnung..." "Was glaubst Du wieviel ich verdiene ! Ich wohne in einer kleinen Zweizimmerwohnung und soll Dir eine Eigentumswohnung besorgen ? Du elender Egoist".
"Wenn das so ist, dann etwas Immaterielles. Ich will ewige Gesundheit." "Du bist ein typischer Mann, nur Anspruchsdenken. Ich habe nicht Medizin studiert !" entgegnete die Fee. "Wünsch Dir doch bitte ausnahmsweise mal etwas realistisches !"
"Du könntest das Geschirr abspülen !" "Und ein Macho bist Du auch noch. Das hättest Du wohl gerne, das kannst Du selber machen !".
"Dann gehe heute abend mit mir aus." "Irgendwann habe ich auch mal Feierabend ! Du denkst aber wirklich nur an Dich !"
Ich wollte die aufgebrachte Fee besänftigen: "Dann trinke bitte einen Kaffee mit mir ! Setze Dich, ich schenke Dir ein." "Was soll jetzt diese billige Anmache ?".
"Dann wünsche ich mir einfach gar nichts ! Und die anderen zwei Wünsche sind auch nichts !"
"Das war aber eine schwere Geburt" stöhnte die Fee. "Manchmal ist der Job als Käsefee wirklich aufreibend." Sie schwenkte ihren Stab, der eine wahre Flut von bunten Sternchen über den Küchenboden verteilte. "Und damit sind Deine Wünsche erfüllt. Und jetzt ist mein Job hier endlich erledigt. Und noch eine Bitte: Bitte kaufe nie mehr verzauberten Camembert." Sie schaute mich noch einmal düster an und verschwand. Ich biss in das abgeschnittene Stück Käse und ärgerte mich: "Mal wieder alles falsch gemacht. Ich habe einfach kein Glück mit den Feen."

Donnerstag, Januar 19, 2006

Blake et Mortimer: Le Globe Football Fifa 2006

Prof. Mortimer stand atemlos vor meiner Tür. "Helfen Sie mir bitte ! Ich habe Hinweise dass ich bei Ihnen die notwendigen Hilfsmittel bekomme um Olrik davon abzuhalten den WM-Globus zu sprengen !". Ich war natürlich sehr verblüfft ihn zu sehen. "Sie gibt es ja wirklich ! Und was machen Sie hier in Deutschland ? Und warum können Sie perfekt Deutsch ?"
Prof. Mortimer drängte sich an mir vorbei, stürzte in den Gang und rief: "Helfen Sie mir !".
Nach kurzem Überlegen hatte ich die rettende Idee. "Ich kann Ihnen vielleicht wirklich weiterhelfen !" Ich holte das Comic "Blake et Mortimer: La Marque Jaune" aus dem Wohnzimmer und hielt es ihm unter die Nase. Prof. Mortimer erstarrte. Er hatte irgendein geniales Gerät erwartet, eine wichtige Information - aber nicht ein Comic über seine Abenteuer. Dann fasste er sich aber erstaunlich schnell, durchblätterte das Album und verschwand in einem Bild auf den ersten Seiten, in dem er neben seinem Freund Blake im "Centaur Club" Platz nimmt. Das Album fiel zu Boden und klappte zu. Es hatte plötzlich ein neues Titelbild: "Le Globe Football Fifa 2006". Darauf waren Blake und Mortimer vor dem Fussball-Globus zu sehen. Sofort begann ich diese neue Geschichte zu lesen und war mir sicher: Den beiden wird es wieder gelingen Olriks Pläne zum Scheitern zu bringen. Und ich habe es ihnen ermöglicht !

Dienstag, Januar 17, 2006

Farbfilter

"Warum siehst Du immer alles so schwarz" fragte sie ihn beim Frühstück. "Ich sehe unsere Zukunft rosig, wenn Du es nicht verdirbst".
"Aber ich will doch auch dass wir zusammenbleiben". Er stocherte in seinem Müsli herum. "Ich sehe nicht schwarz ! Ich sehe Graustufen. Sehr nuancierte Graustufen. Und manchmal sehr detailliert und manchmal eher grobkörnig. Ich sehe die Welt wie sie wirklich ist".
Sie löffelte eine Kiwi:"Aber die Welt ist nunmal wunderbar bunt ! Die Kiwi ist grün, Dein Hemd strahlend blau, das Müsli gelblich, die Kaffeekanne rot."
Er schob seine Brille mit den Farbfiltergläsern auf die Stirn und sah sie bunt vor sich - in vielen Farben strahlend im in die Küche fallenden Sonnenlicht. Schnell ließ er die Brille wieder auf die Nase fallen und rief: "Du bist schon schwarz-weiß so unbeschreiblich bunt, dass Du mein ganzes Leben einfärbst. Mehr Farbe kann ich gar nicht aushalten !" Er sprang auf, ging um den Tisch herum und umarmte sie.

Inspiriert durch Dark Horse von Dagur Kári - meine aktuelle Filmempfehlung.

Sonntag, Januar 15, 2006

Auf dem Neujahrsempfang

Mit geübten Tanzschritten bewegten sie sich durch die unübersichtliche Menge die die Tanzfläche des Grand Hotels wie ein Schwarm aufgeregter Hühner bevölkerte. "Das ist ja hier wie auf der Autobahn ! Lauter Sonntagsfahrer blockieren den Weg" stöhnte er auf, während er den Ellbogen gekonnt in eine unbedeckte Rückenpartie rammte, die wunderschön anzusehen war, für die er aber keinen Blick übrig hatte. Ein spitzer Aufschrei, ein leichtes Stolpern, und das sehr attraktive Hindernis war aus dem Weg. Er wirbelte seine Tanzpartnerin mit elegantem Schwung durch die so entstandene Lücke.
"Die Neujahrsempfänge sind auch nicht mehr das was sie einmal waren" ergänzte sie. "Heutzutage wird offensichtlich jeder mit dem richtigen Parteibuch eingeladen". Dabei stiess sie mit keck angewinkeltem Bein den spitzen Absatz in ein zu lange unbewegtes Anzugsbein. Noch zwei Haken und eine halbe Wendung wie aus einem Guss, und das Paar war vor einem wie gemalt wirkenden Servierer stehengeblieben und nahm sich zwei Gläser Champagner vom silbernen Tablett. "Mit Alkohol läßt sich das viel besser ertragen" kicherte sie und nahm geübt die lange vor dem Spiegel trainierte Haltung ein, in der der lange Schlitz im Kleid ihre Beine am vorteilhaftesten zur Geltung kommen ließ. Ein gerade in ihre Richtung schauender Tänzer verlor für einen kurzen Moment die Konzentration und stolperte fast über das linke Bein seiner verlebt wirkenden Tanzpartnerin.
"Ich weiß was wir jetzt machen " rief der Meistertänzer aus. "Jetzt versuchen wir den Herrn dahinten mir der roten Fliege ins Nachtisch-Buffet zu drängen". "Ja gut, aber danach darf ich mir etwas aussuchen". Unter den bewundernden Blicken des gerade vorbeistaksenden Paares fingen die beiden wieder an elfengleich in geschmeidigen Bewegungen über die Tanzfläche zu schweben. "Auch wenn man nicht richtig zum Tanzen kommt, sind die Bälle eigentlich doch ganz unterhaltsam" meinte er wenig später und fädelte vor dem Mousse au Chocolat sein Bein geschickt beim Fliegenträger ein.

Samstag, Januar 14, 2006

Ein Meter Schokoküsse

Als nachträgliches Weihnachtsgeschenk überreichte mir ein Freund gestern diesen Karton: Einen Meter lang ! Inhalt: 16 in einer Linie aufgereihte Neg... Falsch ! Moh... Nein, auch nicht. Schokoküsse, ja so heisst das politisch korrekt. Das macht 444 g Schokoküsse - in Worten vierhundervierundvierzig Gramm von einem objektiv gesehen pappig süssem Nichts !
Also eigentlich versuche ich erwachsen und vernünftig zu sein. Aber eine lange Reihe Suuuper-Dickmann's (ich entschuldige mich für die Schleichwerbung), da werde ich einfach schwach, die Augen strahlen. Und wie so oft: Die Verpackungs macht es ! Das ganze in einem mittelgrossen rechteckigen Karton - na ja. Aber so kokett verpackt, um die schwindelerregende Menge deutlich herauszustellen, in einer absolut unpraktischen Verpackungsgröße.
Und ich habe sofort gemerkt: Nicht nur mir ging es so. Ich war mit dem Karton in der Hand unterwegs. Überall sah ich sehnsüchtige Blicke auf dem Karton hängen bleiben...
Da lohnt es sich mal jegliche Vorbehalte gegenüber zuviel Zucker im Essen, künstliche Aromen, Sorbit und ähnlichem beiseite lassen. Und den Karton heute abend zu Freunden mitbringen.

Donnerstag, Januar 12, 2006

Le Comte de Kreaukeaudile

"Comte de Kreaukeaudile" stand auf der Visitenkarte, die der späte Gast überreichte. "Entschuldigen Sie bitte die Indiskretion" begann Prof. Weimann das Gespräch, "aber wenn ich Ihren Namen ausspreche klingt der doch wie Krokodil. Haben Sie deutsche Vorfahren ?". "Im 18. Jahrhundert ist ein Vorfahre nach Frankreich gekommen, sollte sich dort eigentlich nur kurz im Tierpark von Nantes aufhalten, ist dann aber geblieben. Und daraufhin hat er seinen Namen angepasst, um nicht unter der damals doch starken Deutschenfeindlichkeit zu leiden" antwortete der erlesen gekleidete Besucher, der einem Nilkrokodil nicht unähnlich sah. Prof. Weimann ließ den Gast im geschmackvoll gestalteten Salon Platz nehmen und bot ihm etwas zu trinken an. "Aber warum hat er seinen Namen dann nicht einfach ins Französische übersetzt ?". "Sie haben völlig recht, mit Crocodile würde es sogar viel einfacher und französischer sein. Mein Vorfahre konnte aber am Anfang nur sehr schlecht Französisch. Das Wort Crocodile hat er noch nicht gekannt als er sich einen neuen Namen aussuchte" erwiderte der Comte und nippte am Cognac.
Nach einer kurzen Pause - keiner peinlichen Gesprächspause sondern eher ein Moment unter Genießern - begann Prof. Weimann: "Dann lassen Sie uns zur Sache kommen. Sie haben gesagt die 'Ligue des Chevaliers-Crocodiles" würde mir ein Forschungssemester an der Sorbonne finanzieren, um die Rolle der Krokodile in der Französischen Revolution zu erforschen. Wie kommen Sie darauf einen deutschen Professor zu fragen ?". "Sehen Sie" erklang der leichte französische Akzent, "ein französischer Wissenschaftler würde uns gleich für verrückt erklären. Und mit Ihrer richtungsweisenden Arbeit 'Der Einfluss der Alligatoren auf die Beschlüsse der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche' sind sie der einzige ernstzunehmende Forscher auf diesem Gebiet". Prof. Weimann biss sich auf die Unterlippe. "Sie wissen schon dass ich mit dieser Arbeit meine wissenschaftliche Reputation aufs Spiel gesetzt habe und an meiner Universität keine Arbeiten mehr betreuen darf.". "Ja dann ist das doch für Sie die Gelegenheit, ein Semester völlig frei auf Ihrem Fachgebiet arbeiten zu können ! Wir stellen Ihnen das Büro, eine Sekretärin und einen Assistenten. Sie haben besten Zugang zu den umfangreichen Archiven ! Ihr Dekan ist auch schon damit einverstanden". Dass dieser sogar sehr erfreut ob der Aussicht gewirkt hatte, seinen Kollegen eine Zeit lang nicht zu sehen, verschwieg der Comte galant.
Nach kurzem Nachdenken begann Prof. Weimann zu strahlen: "Ich hatte mich schon so sehr mit dem Ende meiner wissenschaftlichen Karriere abgefunden dass mir die Großartigkeit Ihres Angebots erst langsam klar wird". Und in Gedanken fügte er hinzu: "Und ein halbes Jahr mit meiner Frau in Paris zu leben ist ein angenehmer, nicht überschätzbarer Nebeneffekt."

Dienstag, Januar 10, 2006

Besuch von Paul Bocuse

Seit Tagen war ihr nun der altmodische Citroën Lieferwagen aufgefallen, der jeden Abend in der Nähe ihrer Wohnung geparkt war. Mit dem französischen Nummerschild und der grauen Farbe erinnerte er sie immer an die alten französischen Krimis, die sicherlich ihren Teil dazu beigetragen hatten, dass sie in den Polizeidienst gegangen war. Wenn sie vor dem Einschlafen nochmal verstohlen auf die Straße schaute, stand er noch da. Aber wenn sie sich morgens auf den Weg ins Polizeipräsidium machte war er immer verschwunden.
Diesen Tag war sie einfach nur genervt. Vom ewigen Papierkrieg, den nervtötenden Kollegen, dem stets unzufriedenem Chef. Und als sie den Lieferwagen wieder sah, platze ihr der Kragen. Sie stürmte auf ihn zu und riss die beiden hinteren Klapptüren auf. Aus dem Laderaum strahlte sie ein älterer Herr in klassischer Kochbekleidung freudig an, während er an einem kleinen Herd in einem Topf umrührte. "Endlich kommen sie vorbei, Frau Kommisarin !". Sie traute ihren Augen nicht. Der Mann kam ihr so bekannt vor, ja, er lächelte sie immer so nett vom Einband des Buches "Paul Bocuses Lieblingsrezepte" an, das sie dekorativ in ihrer Küche drapiert, aber noch nie benutzt hatte. Er füllte die Suppe aus dem Topf in eine verschliessbare Plastikdose, stellte diese zu den anderen Behältern in eine Plastiktüte und drückte diese ihr in die Hand. "Guten Appetit wünsche ich !".
Sie musste kurz eingenickt sein. Vor ihr auf dem Küchentisch standen die leeren Behälter der immer gleichen Peking-Suppe und der Hähnchenbrust süß-sauer vom China-Imbiss an der Ecke. Sie lächelte Bocuse auf dem Einband zu: "Morgen fange ich an zu kochen !"

Montag, Januar 09, 2006

Teuflisches Spiel

Er schlug die Fahrertür seines silbergrauen Golfs zu, schloß ab und machte sich auf den Weg zu seiner Wohnung. "Schon wieder ewig einen Parkplatz gesucht, und nun stehe ich eine Weltreise von mir zuhause entfernt" formten sich die Gedanken von Wolfgang R. zu Flüchen.
"Psssttt... Brauchen Sie einen Parkplatz ?" Der in schwarzer Lederjacke und schwarzer Jeans gekleidete Mann schien Gedanken lesen zu können.
Herr R. lachte ironisch auf: "Hier gibt es nirgends Parkplätze zu mieten. Zumindest nicht billiger als meine Wohnung."
Der Schwarzgekleidete zog ihn in einen Hausdurchgang: "Ich vermiete keine Parkplätze. Ich verleihe die Gabe sofort einen freien Parkplatz zu finden wenn sich der Wunsch danach kristallisiert."
Von skurilen Typen konnte Herr R. noch nie genug bekommen, er liebte es mit ihnen zu diskutieren und hatte den Ehrgeiz immer sein Gegenüber zum Abbruch des Gesprächs zu bringen. "Da bin ich natürlich stark interessiert. Und was kostet mich das ?"
Der Schwarzgekleidete: "Ich will kein Geld, ich will von jedem das Wertvollste was er besitzt."
In seiner Kindheit hatte Herr R. von seiner Großmutter viele Märchen erzählt bekommen, er freute sich über die unerwartete Wendung des Gesprächs und reagierte spontan: "Natürlich gebe ich Dir sofort meine Seele, Herr Teufel, oder auch mein Herz. Machen wir das Geschäft !"
Abwehrend hob der Schwarzgekleidete die Hände: "Ihre stark befleckte Seele ist nichts wert, und ihr Herz ist ja auch sprichwörtlich aus Stein. In der heutigen Zeit sind nicht mehr viele reine Herzen und Seelen zu finden."
"Auch wenn Sie es nicht glauben" höhnte Herr R., "meinen Job gebe ich ihnen auch gerne dafür her", er hatte schon lange den Wunsch nach Veränderung, ist aber dann immer wieder vor dem Risiko eine sichere Stelle aufzugeben zurückgeschreckt.
"Sehen Sie" erwiderte der Schwarzgekleidete, "wenn Sie es so spontan anbieten ist es auch nicht ihr Wertvollstes. Ich will nichts anderes als alle Ihre Urlaubstage, solange Sie arbeiten."
Herr R. wurde plötzlich ganz blass im Gesicht, sein Mund öffnete sich halb aber kein Ton kam heraus.
Dann stößt er plötzlich hervor "Sie spinnen ja völlig" und rennt davon.
Der Schwarzgekleidete kicherte vor sich hin: "Das macht viel mehr Spaß als Seelen sammeln !"

Sonntag, Januar 08, 2006

Bravo bravissimo

Seit längerem hat mich nichts mehr ähnlich schnell und langwirkend in absolute Hochstimmung versetzt wie die Oper Der Barbier von Sevilla beziehungsweise Il Barbiere di Siviglia.
Ich hatte sie vor ewigen Zeiten das letzte Mal gesehen und nur noch vage Erinnerungen (den "Hit" aus der Oper kennt aber wohl jeder...). Es ist eine nette, natürlich nicht sehr tiefgreifende (oder klar ausgedrückt triviale) Komödie mit Happy-End. Mit sehr schöner, mitreissender und aufmuntender Musik, schönen mehrstimmigen Gesängen. Und bei einer entsprechend witzigen Inszenierung schon alleine beim Zuschauen sehr unterhaltsam. Das wichtigste ist und bleibt aber natürlich die Musik.
Ich werde mich morgen früh in der Arbeit sehr zusammenreissen müssen um nicht durch den Gang zu schmettern:
Ah bravo Figaro
Bravo bravissimo
Fortunatissimo
Per verità.

Samstag, Januar 07, 2006

Wollken

Die Menschen schauen viel zu selten in den Himmel. Sie halten sich viel zu lange in Gebäuden ohne Aussicht auf das Nichts aus. Und wenn sie sich dann mal ins Freie gewagt haben, sind sie viel zu sehr damit beschäftigt nach vorne zu schauen - auf andere Menschen, auf andere Autos, oder sie nehmen gar nicht mehr wirklich wahr was sie im Freien sehen.
Sollten sie dann mal Zeit und Muße haben nach oben zu schauen, entwickelt sich bei den meisten langsam der folgende Verdacht: Die Wolken bestehen aus Wolle !
Aber dann kommt der innere Lehrer zur Sprache: Du hast doch schon im Kindergarten gelernt dass Wolken aus Wasser bestehen. Denk lieber darüber nach wie man sie industriell nutzen könnte und leiste so Deinen Beitrag zum versprochenen Aufschwung.

Jetzt ganz einfach nachdenken: Dieser innere Lehrer stammt aus der Grundschulzeit, der ist jetzt schon sehr alt geworden, und daher völlig senil und verkalkt. Und ausserdem schon in Rente - und ihm fehlt das Unterrichten sehr. Daher Mitleid mit dem Lehrer haben und seine Monologe einfach freundlich ignorieren.

Besser direkt glauben was man sieht: Die Wolken sind aus Wolle ! Es gibt Knäuel aus flauschiger weisser Wolle, es gibt graue Wolltücher, es gibt Fetzen von frischgeschorener Wolle - das kann jeder klar erkennen.
Daher noch ein Nachtrag zur Rechtschreibreform: Aus der Etymologie folgt ganz klar dass es Wollke heissen muss !

Freitag, Januar 06, 2006

Kassengestell

Neulich vor der angesagten Disco der Stadt. Eine kurze Schlange von aufgestylten Nachtgestalten begehrt Einlass an der Pforte. Ein Türsteher bewahrt im geistigen Erbe der Schildwachen die sich in der Vergnügungsburg befindlichen hippen Dancefloorwesen vor der Begegnung mit dem durchschnittlichen Partyvolk.
Der Türsteher (Big D) zum vordersten Gast: Mit einem Kassengestell kommst Du hier nicht rein !
Style-Doctor (SD): Kassengestell ! Diese Brille hat mich mehr als ein durchschnittlicher Kleinwagen gekostet !
Big D winkt die an zweiter Position befindliche, ihn lasziv anlächelnde Blondine durch: Guten Abend !
SD: Dann lies mal was hier auf dem Bügel steht: Yashimata Kohotawa ! Da fällt Dir nichts mehr ein !
Big D sein Unwissen kaschierend: Was zählt ist das Aussehen. Und der Geschmack dieser Disco bin immer noch ich.
SD sich einschmeichelnd: Deswegen bin ich auch so gerne hier. Die Gäste in Deinem Laden sind Balsam für meine durch ekelerregende Outfits gequälte Seele.
Big D die nun hinter SD stehende Frau im Lederkleid durchwinkend: Die Brille kann ich akzeptieren. Aber die Schuhe !
SD: Das ist doch der neueste Schrei in LA: Desert-prewalked sneakers ! Die werden 500 km durch die Wüste gegangen, und dann mit einem neuentwickelten Schutzlack konserviert. In Deutschland bisher nur im Direkt-Import zu haben.
Big D ungläubig: Durch die Wüste...
SD: Ist doch kein Problem, begehrter Job bei den illegalen Einwanderern.
Big D versuchend die Autorität zu wahren: Cool, also dann drücke ich mal ein Auge zu.
SD: Was wird den heute gespielt ?
Big D: Du hast Glück ! Heute ist DJ Shark aus New York da, mit den neuesten Fishmonger-Push Scheiben.
SD: So Zeug legt man hier noch auf ? In Tokio ist das schon lange out. Dann gib mir mal einen Tipp: Wo kann man in der Stadt Menuett tanzen ?
Big D: Jetzt reichts, bist Du nur gekommen um mich zu verarschen ?
SD im Fortgehen: Du wirst es noch sehen ! In einem Jahr wirst Du stolz erzählen Dein Club wäre der erste in Deutschland in dem Menuett gespielt wird.

Donnerstag, Januar 05, 2006

Der Drei-Königs-Mehrkampf

Morgen werden wieder die Heiligen Drei Könige gefeiert. Aber warum gab es damals eine Gruppe von Adligen, die sich die Heiligen Drei Könige genannt hat ? Das wird im Folgenden erklärt.
Adligen war es auch schon um die Zeitenwende meistens ziemlich langweilig. Wenn nicht gerade mal wieder ein spannender Krieg zu führen war oder eine Event-Agentur eine neue Form der Ausschweifung erfunden hatte, gab es eigentlich nicht viel zu tun. Das Fernsehen war noch nicht erfunden, genausowenig wie MP3-Player und das Internet.
Damals war auch schon Sport und der Wettstreit die beliebteste und effizienteste Methode um zu versuchen die unerträglich zäh dahinfliessende Zeit totzuschlagen. Manchmal gelang das auch mit dem totschlagen - etliche Adligen fanden bei Kampfspielen den Tod und haben für sich die Zeit so endgültig angehalten.
Immer neuere Trend-Sportarten wurden entwickelt, und so kam es auch zur Erfindung des Drei-Königs-Mehrkampfs: In Rom war der Mehrkampf in Mode gekommen. Damit war nicht der Wettbewerb in mehreren Sportarten gemeint, sondern die Erfüllung mehrerer Aufgaben aus völlig unterschiedlichen Bereichen des Lebens. So bestand der Rot-Wettkampf aus den Aufgaben Schlachten und fachgerechtes Zerlegen eines Rinds, Vorlegen einer roten Blüte und Beschaffung und Austrinken einer Amphore roten Weins. Je nach Ort und Jahreszeit konnte ein Wettkampf also Wochen dauern - eine höchstwillkommene Abwechslung !

Beim Drei-Königs-Mehrkampf wurden Mannschaften von jeweils drei Adligen gebildet, die die Aufgaben erledigen mussten. Dabei war es ihnen freigestellt ob sie die Aufgaben auf die Einzelspieler verteilen oder zusammen lösen. Dieser Wettkampf wurde rasch sehr populär, und die beliebtesten Mannschaften bekamen von ihren Fans Spitznamen wie das weiss-blaue Königstrio, das schöne Triumvirat oder eben die Heiligen Drei Könige verpaßt. Wobei letztere Bezeichnung eher spöttisch gemeint war, nachdem diese Mannschaft bei ihrem ersten Wettbewerb erst Monate nach den anderen Teams wieder am Ausgangspunkt eingetroffen ist.
Die drei Teammitglieder hatten sich über ihr gemeinsames Interesse für die Astrologie kennengelernt und waren von der Idee besessen über die Sterne die beste Lösung für die Aufgaben zu finden. Deren erste, das Beschaffen von Gold, Weihrauch und Myrrhe in einer unwirtlichen arabischen Wüste haben sie noch mit Bravour erfüllt. Bei der nachfolgenden Orientierungsaufgabe hatten sie sich aber in den Kopf gesetzt dass ein von ihnen ausgependelter Stern den schnellsten Weg weisen wird. So sind sie völlig vom eigentlichen Ziel abgekommen und in Bethlehem gelandet. Von da an war die Mannschaft der Heiligen Drei Könige ob ihrer Weltfremdheit legendär.

Das eigentlich Interesse dieser Adligen, der Welt zu zeigen dass man mit Astrologie in den Mehrkämpfen Bestleistungen erbringen kann, muss als gescheitert betrachtet werden. Sie sind aber zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort aufgetaucht, und so wurde ihr Irrweg nach Bethlehem in der Überlieferung verklärt. Die Heiligen Drei Könige sind so zu den einzigen der damaligen Mehrkämpfer geworden die heute noch verehrt werden.

Mittwoch, Januar 04, 2006

Fussball ist Euer Leben !

Der Fussball-Weltmeisterschaft kann man schon jetzt nicht mehr entkommen. Was hat da die Lichtgestalt, DER Hoffnungsträger Deutschlands, der Schwarm aller Schwiegermütter, Mütter und Töchter nur angerichtet !
Unattraktive Fussgängerzonen werden durch ungestalte offizielle FIFA-Uhren noch hässlicher, ein überdimensionaler Fussball landet wie ein UFO ohne Rücksicht auf städtebauliche Aspekte (zugegeben: Nachts sieht er schön aus). Es gibt bereits seit langem offizielle WM-Souvenirs, also Andenken zu kaufen, aber leider ist das Ereignis noch gar nicht vorbei. Im Moment wären ja eher Idole, also Götzenbilder angebracht.
So langsam steigt eine Vorahnung auf das Grauen auf, das uns noch alle erwartet: Bald gibt es Werbung für das offizielle WM-Klopapier, jede Bäckerei wird WM-Backwaren führen, der Exhibitionist Goleo steht unter Immunität und kann überall sein Unwesen treiben...
Ich habe überhaupt nichts gegen die Fussball-Weltmeisterschaft an sich, ich werde mir sicher auch ein paar Spiele anschauen. Ich fürchte nur was uns die nächsten 6 Monate noch alles bevorsteht.
Übrigens: Allez les Bleus !

Montag, Januar 02, 2006

Tippen oder Schreiben ?


Wie kommen bessere Texte zustande, welche Erschaffungsweise ist vorzuziehen ? Wenn man mit den Fingerkuppen auf Tasten drückt, oder wenn man die Spitze eines Schreibgerätes in komplexen Bewegungen über eine Oberfläche führt ?
Es steht zu befürchten dass es auch zu diesem Thema Dissertationen und von verschiedenen Unternehmen beauftragte Gutachten mit jeweils erwünschtem Ergebnis gibt.

Ich behaupte dass die Qualität nicht direkt von der Schreibmethode abhängt sondern vielmehr davon wie diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt, Gemütszustand, Aufenthaltsort, etc. des Verfassers passt.
Dieser Text entsteht gerade mit einem Edding Filzstift auf einem Spiralblock während sich der Autor auf seinem Stokke Gravity entspannt. Im Hintergrund erklingt "no children" von den Mountain Goats:

... Our friends say it's dark as before the sun rises,
we're pretty sure they are all wrong.
I hope it stays dark forever,
I hope the worst isn't over...

Sonntag, Januar 01, 2006

Neujahrsansprache f (form)


Sicherlich ist die folgende Metapher schon völlig überstrapaziert worden:

Das Neue Jahr liegt wie eine unbekannte Strasse vor uns - wir wissen noch nicht wo es uns hinführen wird, wie der Strassenzustand sein wird. Wir werden uns an Abzweigungen entscheiden müssen, in welche Richtungen es weiter geht, ohne abschätzen zu können wo wir genau ankommen werden. Es kommt darauf an die Landschaft und die Begegnungen auf der Strasse zu geniessen.

Aber Neujahr sollte nicht Grund zu einer melodramatischen Predigt sein, sondern für eine Eloge über 365 neue Gelegenheiten zu Begegnungen und Entdeckungen. Neue Menschen - neue Orte - neue Ideen - neue Erlebnisse.

Als Kontrapunkt zum Beitrag von Frau Dr. Gudrun Niedereder-Pochlowitz noch folgendes (wohl nicht rein zufällig aus dem Französischen stammendes) Zitat:

Es gibt bereits alle guten Vorsätze, wir brauchen sie nur noch anzuwenden. (Diesem Satz ist nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen. Gehen wir an die Arbeit! Packen wir's an!)

Blaise Pascal


Bonne Année !