Herr Beinbacher hatte es akzeptiert. Es gehört zu seinem Beruf sich von seinen Kunden duzen und mit dem Vornamen anreden zu lassen. "Stefan, die Dauerwelle machst Du mir diesmal aber etwas lockerer, ja ?". Wieviele Friseure bekommen eigentlich Magengeschwüre weil sie alles devot und mit einem Scherz auf den Lippen akzeptieren müssen ?
Und dann die Gespräche ! Über den Metzger, Victoria Beckham, den unmöglichen Deutschlehrer der begabten Tochter, Frau Merkels Frisur, Klimawandel oder Günther Jauch - er hatte gelernt seine Meinung anzupassen und den Kunden recht zu geben. Aber wenn es um seine innersten Überzeugungen ging war er zu keinen Kompromissen bereit.
"Gut dass sie endlich dieses gefährliche Vieh getötet haben !" meint die Frau der er gerade Strähnchen färbt. Seine Gesichtszüge entgleiten ihm. Er nimmt den Haarschneider, meint nur "ich muss noch mal nachschneiden", und macht sich an die Arbeit. Dann platzt er heraus: "Das war ein wunderbares Tier ! Reden Sie bitte mit mehr Respekt von ihm. Und das war Mord !".
Die Frau ist völlig konsterniert und widerspricht "aber so ein Bär ist doch gefährlich. Und was machst Du da überhaupt ?".
Herr Beinbacher ist völlig in seinem Element, färbt gerade mit grüner Farbe auf ihrem Kopf herum und ruft: "Wer den Tod von Bruno befürwortet will auch Menschen töten die illegal über die Grenze kommen !".
Die Kundin springt auf und betrachet sich fassungslos im Spiegel. Von vorne gesehen hat sie weiterhin ihre schulterlange Frisur, aber die Haare am Hinterkopf sind auf wenige Milimeter geschoren, und in Grün sind die Worte "Achtung Rassist" eingefärbt. Ihr kullern erste Tränen über die Wangen, aber ihre Wut ist stärker und sie schreit den im Moment selbstzufriedenen Friseur an: "Wer ungebeten Haare abschneidet unterstützt auch Organraub in Entwicklungsländern".
Herr Beinbacher ist sprachlos. Da hat ihn jemand mit seiner Spezialwaffe, den übertriebenen Gleichnissen geschlagen. Und je mehr er darüber nachdenkt desto weniger kann er widersprechen.
Mit einer schwarz gefärbten Kurzhaarfrisur rettet er das Seelenheil seiner Kundin. Und beschliesst an seinem eigenen zu arbeiten. Nichtsdestotrotz hängt er die in der Mittagspause erworbene Bruno-Fahne ins Schaufenster.
Mittwoch, Juni 28, 2006
Dienstag, Juni 27, 2006
Die Wettervorhersage: Im Süden Deutschlands Pastis
Das Thermometer steigt unentwegt. Natürlich nicht das Thermometer sondern die Quecksilbersäule. Die natürlich nicht aus Quecksilber sondern aus gefärbtem Alkohol besteht. Genaugenommen steigt aufgrund der volumenmässigen Ausdehnung der Flüssigkeit das obere Ende der Alkoholsäule, also die Oberfläche. Bei einer Flüssigkeit nennt man die Spiegel. Kurz gesagt: Der Alkoholspiegel steigt. Die Temperatur wird nun an einer Skala für die Höhe des Spiegels gemessen. Im Fachterminus ist das also der Alkoholpegel.
Bei Temperaturen über 30 Grad herrscht Hochalkohol. Nicht zu verwechseln mit Hochprozentigem.
Bei Temperaturen über 30 Grad herrscht Hochalkohol. Nicht zu verwechseln mit Hochprozentigem.
Montag, Juni 26, 2006
Bedrohte Tierarten (Teil 2): Der Eiskaffeebär
Nicht einmal vielen Tierfreunden ist dieser sympathische Pelzträger aus der Familie der Bären (ursidae) bekannt: Der Eiskaffeebär (ursus glacies) wird wegen seiner braunen Färbung oft mit Braunbären oder anderen Verwandten verwechselt. Diese Art hat aber viele Besonderheiten die ihn zu einem sehr interessanten Vertreter seiner Familie machen.
Das Verbreitungsgebiet des Eiskaffeebären ist Mittel-, Süd- und Osteuropa. Wie seine anderen europäischen Verwandten lebt er nur noch in wenigen Rückzugsgebieten und ist durch die weitere Ausbreitung des Tourismus und fortlaufenden Zersiedelung der Landschaft in seiner Existenz bedroht. Der Eiskaffeebär hält einen sehr langen Winterschlaf, der von November bis April andauert, und aus dem er nur alle vier Wochen zur Nahrungsaufnahme erwacht. Um für diese lange Ruhephase gerüstet zu sein muss sich dieses Tier einen sehr großen und kalorienreichen Nahrungsvorrat ansammeln sowie sich selber einen ausreichenden Winterspeck anfressen. Kurz vor Beginn des Winterschlafs torkeln die Eiskaffeebären wegen ihrer bis dahin erworbenen enormen Korperfülle und dem fast auf dem Boden schleifenden Bauch nur noch sehr unbeholfen voran. Um den hohen Kalorienbedarf decken zu können hat sich der Eiskaffebär auf Honig und Zuckerrüben spezialisiert. Durch den zunehmenden Kontakt mit den Menschen hat er auch Geschmack an Backwaren und insbesondere an Eis gefunden. In abseits gelegenen slowenischen Dörfern sind im Sommer von diesen Bären geplünderte Tiefkühltruhen an der Tagesordnung. Es wurde auch schon über das Eindringen von ganzen Bärenfanilien in Supermärkte und das komplette Verzerren sowie Abtransportieren der dortigen Eis- und Tiefkühltortenvorräte berichtet.
Ihren Namen haben diese geschmackssicheren Bären wegen einer anderen Vorliebe bekommen: Die Eiskaffeebären lieben auch Kaffee. Vom Kaffeegeruch angezogen versuchen sie mit großer Hingabe und Ausdauer die Quelle dieser Wohlgerüche zu erreichen. In den Verbreitungsgebieten der Eiskaffeebären wird daher eindringlich vor der Zubereitung von Kaffee in Zelten, Wohnmobilen und auch in Ferienwohnungen gewarnt. Nach langem Kaffeeentzug werden die Bären auch von Instant-Kaffee angelockt.
Da der Kaffee natürlich zu heiss für Bären ist haben sie eine spezielle Technik entwickelt: Sie bringen etwas von dem in tiefen Erdhöhlen gelagerten oder frisch beschafften Speiseeis mit und schütten den Kaffee auf das Eis, um dann das gut temperierte Gemisch zu verspeisen. Verschiedene Forscher sind der Meinung das der Eiskaffee von einem italienischen Gastronom erfunden wurde, der von den damals noch in den Apenninen vorkommenden Eiskaffeebären inspiriert worden ist.
Der Eiskaffeebär stellt somit eine wissenschaftlich sehr interessante Art dar, die sich auf faszinierende Weise von ihrem Geschmack und ihren Vorlieben leiten lässt. Er hat sich in seiner Wachphase gut dem veränderten Lebensraum angepasst, wegen der zunehmenden Störung in der Ruhephase ist sein Fortbestand allerdings fraglich.
Wer jemals eine schon gut genährte Bärenfamilie durch ein Eiskaffee hat torkeln sehen und gerade den putzigen kugelrunden Jungbären beim Verzehr des Eis zugeschaut hat, über das ihre Mutter die aus der Vorratskammer geholten Kaffebohnen streut, wird verstehen, dass die EU zum Schutz dieser Tierart eine grössere Summe bereitgestellt hat.
Das Verbreitungsgebiet des Eiskaffeebären ist Mittel-, Süd- und Osteuropa. Wie seine anderen europäischen Verwandten lebt er nur noch in wenigen Rückzugsgebieten und ist durch die weitere Ausbreitung des Tourismus und fortlaufenden Zersiedelung der Landschaft in seiner Existenz bedroht. Der Eiskaffeebär hält einen sehr langen Winterschlaf, der von November bis April andauert, und aus dem er nur alle vier Wochen zur Nahrungsaufnahme erwacht. Um für diese lange Ruhephase gerüstet zu sein muss sich dieses Tier einen sehr großen und kalorienreichen Nahrungsvorrat ansammeln sowie sich selber einen ausreichenden Winterspeck anfressen. Kurz vor Beginn des Winterschlafs torkeln die Eiskaffeebären wegen ihrer bis dahin erworbenen enormen Korperfülle und dem fast auf dem Boden schleifenden Bauch nur noch sehr unbeholfen voran. Um den hohen Kalorienbedarf decken zu können hat sich der Eiskaffebär auf Honig und Zuckerrüben spezialisiert. Durch den zunehmenden Kontakt mit den Menschen hat er auch Geschmack an Backwaren und insbesondere an Eis gefunden. In abseits gelegenen slowenischen Dörfern sind im Sommer von diesen Bären geplünderte Tiefkühltruhen an der Tagesordnung. Es wurde auch schon über das Eindringen von ganzen Bärenfanilien in Supermärkte und das komplette Verzerren sowie Abtransportieren der dortigen Eis- und Tiefkühltortenvorräte berichtet.
Ihren Namen haben diese geschmackssicheren Bären wegen einer anderen Vorliebe bekommen: Die Eiskaffeebären lieben auch Kaffee. Vom Kaffeegeruch angezogen versuchen sie mit großer Hingabe und Ausdauer die Quelle dieser Wohlgerüche zu erreichen. In den Verbreitungsgebieten der Eiskaffeebären wird daher eindringlich vor der Zubereitung von Kaffee in Zelten, Wohnmobilen und auch in Ferienwohnungen gewarnt. Nach langem Kaffeeentzug werden die Bären auch von Instant-Kaffee angelockt.
Da der Kaffee natürlich zu heiss für Bären ist haben sie eine spezielle Technik entwickelt: Sie bringen etwas von dem in tiefen Erdhöhlen gelagerten oder frisch beschafften Speiseeis mit und schütten den Kaffee auf das Eis, um dann das gut temperierte Gemisch zu verspeisen. Verschiedene Forscher sind der Meinung das der Eiskaffee von einem italienischen Gastronom erfunden wurde, der von den damals noch in den Apenninen vorkommenden Eiskaffeebären inspiriert worden ist.
Der Eiskaffeebär stellt somit eine wissenschaftlich sehr interessante Art dar, die sich auf faszinierende Weise von ihrem Geschmack und ihren Vorlieben leiten lässt. Er hat sich in seiner Wachphase gut dem veränderten Lebensraum angepasst, wegen der zunehmenden Störung in der Ruhephase ist sein Fortbestand allerdings fraglich.
Wer jemals eine schon gut genährte Bärenfamilie durch ein Eiskaffee hat torkeln sehen und gerade den putzigen kugelrunden Jungbären beim Verzehr des Eis zugeschaut hat, über das ihre Mutter die aus der Vorratskammer geholten Kaffebohnen streut, wird verstehen, dass die EU zum Schutz dieser Tierart eine grössere Summe bereitgestellt hat.
Donnerstag, Juni 22, 2006
Kleines Sommerloch bis einschliesslich 25.6.
Schon wieder legt dieser Blog eine diesmal angekündigte Pause ein. Weitere werden folgen...
Das Schreiben und das Lesen
Der Füller senkt sich auf das Papier. Die Spitze berührt die aus der Nähe betrachtet gar nicht mehr glatte Oberfläche. Die Hand erhöht den Druck. Die zwei spiegelsymmetrischen Teile der Feder spreizen sich leicht. Übereifrige Papierfasern beginnen an der Tinte zu saugen. Langsam beginnt der blaue Strom zu fließen. Während die Hand des Schriftstellers den Füller für das letzte Wort des Romans über das Papier führt.
Wolken.
Der Füller seufzt tief. Schon lange hat ihn keines seiner Werke so berührt. Er läßt sich nun gerne den Deckel aufsetzen und auf die Schreibtischunterlage legen. Durch das Fenster blickt er den Himmel an. Bücher können Leben ändern. Jetzt spürt er es.
Wolken.
Der Füller seufzt tief. Schon lange hat ihn keines seiner Werke so berührt. Er läßt sich nun gerne den Deckel aufsetzen und auf die Schreibtischunterlage legen. Durch das Fenster blickt er den Himmel an. Bücher können Leben ändern. Jetzt spürt er es.
Mittwoch, Juni 21, 2006
Die Macht des geschriebenen Wortes
"Nur was in der Zeitung steht ist wirklich passiert" hatte sich der Baumeister Sepp am Stammtisch ereifert. "Oder was im Fernsehen gezeigt wird" hatte der Gschwendner Michi ergänzt. Umd dem Baumeister Sepp sein bester Freund, der Xaver, fasste es treffend zusammen: "Unser Projekt wird nie bekannt, wenn wir es nicht in unseren Stadtnachrichten unterbringen".
Dieses hatte der Alois, dem Wirt sein Bub, genau gehört, während er am Nachbartisch seine Hausaufgaben machte. Und so nahm er sich am nächsten Morgen die Zeitung und begann mit seiner krakeligen Erstklässerschrift alles über das Projekt auf die Zeitung zu schreiben was er verstanden hatte: "Der Bichler Toni war ein guter Mensch. Der Xaver sagt immer ich werde wohl mal so wie der. Daher muss er einen Brunnen bekommen.".
Und Alois wusste dann als einziger in der Kleinstadt wieso der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung überraschend Geld für einen Brunnen zu Ehren des berüchtigten Schwarzbrenners Toni Bichler bereitstellte, der beharrlich allen königlichen Anordnungen getrotzt und mehrere Jahre wegen Wilderei und anderer Vergehen im Gefängnis gesessen war.
Und die Stadt bekam ihre fünf Minuten im Rampenlicht, RTL, Sat1 und alle anderen filmten den Stammtisch mit Maßkrügen und Schweinsbraten, da die sonst dort auch zu findenden Salate oder Apfelschorle nicht zur eigentlichen Botschaft dieser Sender über ein hinterwäldlerisches Dorf in Bayern passten. Das nahmen die Freunde aber hin, schließlich hatten sie sich dafür gut von den Sendern bezahlen lassen. Sie planten bereits das nächste Projekt das sie mit diesem Geldsegen finanzieren wollten.
Dieses hatte der Alois, dem Wirt sein Bub, genau gehört, während er am Nachbartisch seine Hausaufgaben machte. Und so nahm er sich am nächsten Morgen die Zeitung und begann mit seiner krakeligen Erstklässerschrift alles über das Projekt auf die Zeitung zu schreiben was er verstanden hatte: "Der Bichler Toni war ein guter Mensch. Der Xaver sagt immer ich werde wohl mal so wie der. Daher muss er einen Brunnen bekommen.".
Und Alois wusste dann als einziger in der Kleinstadt wieso der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung überraschend Geld für einen Brunnen zu Ehren des berüchtigten Schwarzbrenners Toni Bichler bereitstellte, der beharrlich allen königlichen Anordnungen getrotzt und mehrere Jahre wegen Wilderei und anderer Vergehen im Gefängnis gesessen war.
Und die Stadt bekam ihre fünf Minuten im Rampenlicht, RTL, Sat1 und alle anderen filmten den Stammtisch mit Maßkrügen und Schweinsbraten, da die sonst dort auch zu findenden Salate oder Apfelschorle nicht zur eigentlichen Botschaft dieser Sender über ein hinterwäldlerisches Dorf in Bayern passten. Das nahmen die Freunde aber hin, schließlich hatten sie sich dafür gut von den Sendern bezahlen lassen. Sie planten bereits das nächste Projekt das sie mit diesem Geldsegen finanzieren wollten.
Dienstag, Juni 20, 2006
Lasst uns die Weltuhr bremsen
Manchmal ging es Herrn Kämmerle einfach zu schnell. War die Welt wirklich so schnelllebig geworden ? Er setzte sich auf die Bank an der Bushaltestelle und schnaufte tief durch. War er vielleicht einfach langsamer geworden ? Aber dieses Gefühl hatte er nicht. Hat sich dann seine Zeit von der Welt abgekoppelt ? Das muss es sein ! Bei der Geburt ist die Zeit jedes Menschen mit der Weltzeit synchronisiert. Und dann läuft die Uhr eines jeden Menschen, gesteuert durch die biologischen Vorgänge im Körper. Oder doch eher durch die seelischen ? Herr Kämmerle konnte sich an Zeiten zurückerinnern, wo ihm die Weltuhr zu langsam ging, wo er immer mehrere Schritte voraus war. Damals als er nach dem Krieg seine Firma gegründet hat, sich mit Behörden herumschlagen musste. Aber jetzt war seine Uhr durch das Alter gebremst. Oder durch seine Erfahrung. Oder seine Lebensweisheit.
Aber ist das wirklich so ? Seine Uhr geht eindeutig langsamer als die der restlichen Welt. Zumindest des Teils der Welt der den Grundrythmus vorgibt. Aber wer bestimmte das eigentlich ? Gibt es diese Weltzeituhr wirklich ? Warum haben die Schnellen eigentlich immer recht ? Doch nur weil sich die Menschen mit den langsameren Uhren im Unrecht fühlen, sich im Hintergrund halten. Aber dafür gibt es doch eigentlich keinen Grund. Die Weltzeituhr existiert nicht, sie ist der Durchschnitt aller Uhren. Da kann man also korrigierend eingreifen.
Und Herr Kämmerle durchströmte wieder dieses Gefühl eine Aufgabe zu haben, etwas anpacken zu müssen. Am Anfang von etwas großartigem zu sehen. Er stand auf, umfasste fest seinen Spazierstock und begann langsam die vierspurige Strasse zu überqueren. Während er den Verkehr auf dem City-Ring kurzzeitig zum Erliegen brachte glaubte er es schon zu spüren: Die Weltuhr war kurz aus dem Takt geraten.
Aber ist das wirklich so ? Seine Uhr geht eindeutig langsamer als die der restlichen Welt. Zumindest des Teils der Welt der den Grundrythmus vorgibt. Aber wer bestimmte das eigentlich ? Gibt es diese Weltzeituhr wirklich ? Warum haben die Schnellen eigentlich immer recht ? Doch nur weil sich die Menschen mit den langsameren Uhren im Unrecht fühlen, sich im Hintergrund halten. Aber dafür gibt es doch eigentlich keinen Grund. Die Weltzeituhr existiert nicht, sie ist der Durchschnitt aller Uhren. Da kann man also korrigierend eingreifen.
Und Herr Kämmerle durchströmte wieder dieses Gefühl eine Aufgabe zu haben, etwas anpacken zu müssen. Am Anfang von etwas großartigem zu sehen. Er stand auf, umfasste fest seinen Spazierstock und begann langsam die vierspurige Strasse zu überqueren. Während er den Verkehr auf dem City-Ring kurzzeitig zum Erliegen brachte glaubte er es schon zu spüren: Die Weltuhr war kurz aus dem Takt geraten.
Montag, Juni 19, 2006
Sind die Angestellten Opportunisten bleibt Schneewittchen zuhause
"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land" fragt die Königin ihren Spiegel.
"Das ist wieder eine zu unpräzise Frage ! Nach welchen Maßstäben schön, Ihre Majestät ?"
"Nach Schönheit natürlich" fährt die Königin den Spiegel an. "Und ihre Ausdrucksweise empfinde ich als unbotsmäßig."
Dieser seufzt tief. Warum muss er ausgerechnet in diesem Ankleidezimmer hängen. "Schönheit ist zutiefst subjektiv und vom kulturellen Umfeld geprägt. Denken Sie an die fülligen Frauen bei Rubens, tellergrosse Lippen bei einem afrikanischem Stamm oder Piercings, meine verehrte Königin."
"Ich meine natürlich den aktuellen hier gültigen Maßstab".
Der Spiegel überlegt wie er diese Diskussion möglichst schnell beenden kann. "Claudia Schiffer" antwortet er, obwohl er nicht verstehen kann was an der so besonders sein soll.
"Das klang aber nicht so überzeugt" hakt die Königin ein.
"Es ist ja auch nicht meine persönliche Meinung gefragt, sondern die allgemeine" erwidert der Spiegel.
"Und Deine persönliche Meinung ?"
"Emannuelle Béart" seufzt der Spiegel und beginnt kaum wahrnehmbar heller zu reflektieren, fast von alleine zu leuchten.
"Gut" sagt die Königin die sich nicht anmerken lassen will dass ihr dieser Name gar nichts sagt. "Und wer ist die Klügste ?"
"Das sind natürlich Sie" strahlt sie der Spiegel an, denn er weiss was von ihm verlangt wird, und für was er bezahlt wird.
"Das ist wieder eine zu unpräzise Frage ! Nach welchen Maßstäben schön, Ihre Majestät ?"
"Nach Schönheit natürlich" fährt die Königin den Spiegel an. "Und ihre Ausdrucksweise empfinde ich als unbotsmäßig."
Dieser seufzt tief. Warum muss er ausgerechnet in diesem Ankleidezimmer hängen. "Schönheit ist zutiefst subjektiv und vom kulturellen Umfeld geprägt. Denken Sie an die fülligen Frauen bei Rubens, tellergrosse Lippen bei einem afrikanischem Stamm oder Piercings, meine verehrte Königin."
"Ich meine natürlich den aktuellen hier gültigen Maßstab".
Der Spiegel überlegt wie er diese Diskussion möglichst schnell beenden kann. "Claudia Schiffer" antwortet er, obwohl er nicht verstehen kann was an der so besonders sein soll.
"Das klang aber nicht so überzeugt" hakt die Königin ein.
"Es ist ja auch nicht meine persönliche Meinung gefragt, sondern die allgemeine" erwidert der Spiegel.
"Und Deine persönliche Meinung ?"
"Emannuelle Béart" seufzt der Spiegel und beginnt kaum wahrnehmbar heller zu reflektieren, fast von alleine zu leuchten.
"Gut" sagt die Königin die sich nicht anmerken lassen will dass ihr dieser Name gar nichts sagt. "Und wer ist die Klügste ?"
"Das sind natürlich Sie" strahlt sie der Spiegel an, denn er weiss was von ihm verlangt wird, und für was er bezahlt wird.
Montag, Juni 12, 2006
Ampeltherapie
Frau Schillinger klopft nervös mit den Händen auf das Lenkrad. Sie ist mal wieder spät dran. Heute muss Sie noch in fünf weiteren Supermärkten bei den Marktleitern für die streichfähige Rauchwurst werben. "Eckersmühler Räuchermett. Eine Spezialität aus der Pfalz. Nach altem Rezept hergestellt, jetzt zusätzlich mit Altyzell Plus für die perfekte Haut. Wir werben für dieses Produkt ab Mittwoch bei Wer wird Millionär, Sie können sich also auf einen Kundenansturm einstellen" zwitschert sie ihren Rückspiegel an. "Ich hasse es" bricht es da aus ihr heraus, und sie brüllt Richtung Ampel: "Jetzt werde endlich Grün, Du tyrannische Missgeburt !". Die Ampel wechselt die Farbe, aber nicht etwa auf grün. Vielmehr wandelt sich das Rot in ein Blau, die Ampel räuspert sich vernehmlich, beugt sich zum Corsa von Frau Schillinger herunter, blickt sie durch die Windschutzscheibe an und erwidert betont langsam: "Ich mache hier eine tadellose Arbeit. Wenn ich nicht wäre, gäbe es endlose Blockaden oder sogar Unfälle. Das ist Dienstleistung. Und außerdem bin ich eine nagelneue LED-Ampel, ich gehöre also zur Elite". Frau Schillinger läßt ihrer Wut freien Lauf und verschwendet daher keinen Gedanken daran wieso eine Ampel mir ihr diskutiert. "Sie stehen hier den ganzen Tag herum und machen einen auf bunte Lichtchen. Aber ich stehe unter Druck ! Ich muss Bestellungen für mindestens 1000 Räuchermett aufnehmen, sonst bin ich meinen Job los. Also machen Sie endlich Grün !" "Wenn Sie ihre Kunden auch so anschreien werden Sie keine Wurst verkaufen." bemerkt die Ampel und wechselt zurück zu Rot. "Jetzt schauen Sie mich mal genau an, und atmen Sie tief durch. Eins und Zwei und Eins und Zwei". Und die Ampel beginnt hypnotische Farbwechsel anzuzeigen, mit kurz eingeblendeten Botschaften wie "Ruhe" oder "langsamer Herzschlag". Frau Schillinger sinkt in den Sitz zurück, die Atmung wird ruhiger, der ganze Körper entkrampft sich. "Und jetzt versuchen Sie es mal einfach mit Ruhe" rät ihr die Ampel und zeigt ihr ein grünes Lächeln.
Als Frau Schillinger einen Monat später als Vertreterin des Monats bei der Heinz Kammermann Nahrungsmittel GmbH & Co KG ausgezeichnet wird weiß nur Sie dass ihr Ampelmännchen T-Shirt nichts mit Ostalgie zu tun hat.
Als Frau Schillinger einen Monat später als Vertreterin des Monats bei der Heinz Kammermann Nahrungsmittel GmbH & Co KG ausgezeichnet wird weiß nur Sie dass ihr Ampelmännchen T-Shirt nichts mit Ostalgie zu tun hat.
Sonntag, Juni 11, 2006
Vollmond
Der Mond scheint hell über der Stadt. Eine Sommernacht. Der Himmel ist absolut wolkenlos, selbst von der Stadt aus sind vereinzelte Sterne zu erkennen. Ich stehe auf dem Balkon und lasse meinen Blick über die vereinzelt noch erleuchteten Fenster der Nachbarhäuser gleiten, über die Hügel die die Stadt umgeben und wie eine Modellbahn-Landschaft mit Häusern übersät sind. Auf der engen Straße fährt ein einsamer Radfahrer die leichte Steigung hoch. Sonst herrscht Ruhe, nur in der Entfernung ist das vereinzelte Brummen von Autos zu hören.
Ich blicke zum Mond auf. Der alte Weise hat schon viel gesehen und erlebt. Aber unerschütterlich erscheint er immer wieder. Er müsste mir eigentlich weiterhelfen können. Bei den richtig großen Fragen. Ich schaue ihn fragend an.
Ich blicke zum Mond auf. Der alte Weise hat schon viel gesehen und erlebt. Aber unerschütterlich erscheint er immer wieder. Er müsste mir eigentlich weiterhelfen können. Bei den richtig großen Fragen. Ich schaue ihn fragend an.
Donnerstag, Juni 08, 2006
Das wortkarge Handy
Stefan klickte sich durch das Menü seines Handy während er durch die Fußgängerzone schlendert. Kurz überlegte er wie dieses Telefon wohl heißen könnte, schließlich stammt es aus Finnland. Finnland - da drängt sich ihm sofort der Name Matti Pellonpää auf. Sein Handy als Reinkarnation dieses wunderbaren Schauspielers. "Ich darf Dich doch sicher duzen, Matti" flüstert Stefan und ist beim Menüeintrag "Persönlichkeit aktivieren" gelandet. Denn hatte er zuvor noch nie gesehen. Er wählt den Punkt mit Ok an.
Wenig später klingelt sein Handy mit einem schwermütigen Tango - Stefan braucht lange um zu kapieren dass sein Handy diese Melodie von sich gibt. Er nimmt den Anruf eines Freundes entgegen, nach kurzer Zeit bricht das Gespräch ab, das Display zeigt die Meldung "maximale Wortanzahl überschritten" um dann nur noch sehr langsam auf Tastendrücke zu reagieren. Stefan sucht irritiert einen Handyladen auf, in der Fußgängerzone ist der nächste Laden zum Glück nie weit entfernt. Auf seine Frage nach der Persönlichkeits-Einstellung erntet er nur fragende Blicke, und er kann den Menüpunkt auch nach verzweifeltem Durchklicken nicht mehr wiederfinden.
Nach einer Woche mit dem seltsam transformierten Handy wird ihm langsam klar: Durch die Taufe und der so aktivierten Reinkarnation hat sich sein Handy in eine von Matti Pellonpää gespielte Figur aus einem Kaurismäki-Film verwandelt.
Die beste Nachricht vom Festival aus Cannes: Aki Kaurismäki hat seinen neuen Film "Lights in the Dusk" vorgestellt.
Wenig später klingelt sein Handy mit einem schwermütigen Tango - Stefan braucht lange um zu kapieren dass sein Handy diese Melodie von sich gibt. Er nimmt den Anruf eines Freundes entgegen, nach kurzer Zeit bricht das Gespräch ab, das Display zeigt die Meldung "maximale Wortanzahl überschritten" um dann nur noch sehr langsam auf Tastendrücke zu reagieren. Stefan sucht irritiert einen Handyladen auf, in der Fußgängerzone ist der nächste Laden zum Glück nie weit entfernt. Auf seine Frage nach der Persönlichkeits-Einstellung erntet er nur fragende Blicke, und er kann den Menüpunkt auch nach verzweifeltem Durchklicken nicht mehr wiederfinden.
Nach einer Woche mit dem seltsam transformierten Handy wird ihm langsam klar: Durch die Taufe und der so aktivierten Reinkarnation hat sich sein Handy in eine von Matti Pellonpää gespielte Figur aus einem Kaurismäki-Film verwandelt.
Die beste Nachricht vom Festival aus Cannes: Aki Kaurismäki hat seinen neuen Film "Lights in the Dusk" vorgestellt.
Mittwoch, Juni 07, 2006
Sein Name sei Sir Einzelfall
Die Mutter hält erschöpft aber freudestrahlend ihren neugeborenen Sohn in den Armen, der Vater hat inzwischen wieder etwas Farbe im Gesicht und flüstert mit verkrampftem Lächeln: "Da ist er also, unser Hahde Tefau".
"Was soll das denn für ein Name sein" empört sich die Krankenschwester. "Wie wäre es denn mit Empedrei oder Bete Faube ?"
"Wir haben uns in der Fernsehabteilung vom Mediamarkt kennengelernt, und in der Nacht ist es dann schon passiert" verteidigt sich der Vater.
"Wollen Sie Ihr Kind nicht vielleicht lieber nach einem Menschen nennen den sie sehr schätzen ?" schlägt der Arzt vor während er nochmal den Puls der Mutter misst.
"Pilawa" strahlt die Mutter. "Kaiser" widerspricht der Vater.
"'Mein Gott" empört sich die resolute Schwester. "Wollten Sie mit so einem Namen herumlaufen ? Können Sie nicht einfach einen echten Vornamen nehmen, egal welchen ?"
"Irgendeinen Namen ! Unser Kind ist etwas ganz besonderes. Er ist einmalig."
"Gut" mischt sich der Arzt wieder ein. "Dann bleiben wir doch bei den besonderen Menschen. Überlegen Sie doch mal welchen Menschen sie als Glücksfall empfinden".
"Madame Einzelfall ! Diese Mischung aus universeller kultureller Bildung alteuropäischer Prägung, Weltläufigkeit, gleichzeitig immer am Puls der Zeit, ein starker Charakter, kombiniert mit Humor, Phantasie, Lebendigkeit und überwältigender Ausstrahlung" sinniert der Vater.
"Genau ! So soll unser Sohn werden. Um das werde ich mich bei der Erziehung bemühen. Daher müssen wir ihn Sir Einzelfall nennen" pflichtet die Mutter bei.
"Das ist der postnatale Stress. Das ist ja schlimmer als alle bisherigen Vorschläge" ereifert sich die Krankenschwester.
"Was halten Sie von Thomas" schiebt der Arzt vorsichtig ein.
Der Vater ergreift stolz die Hand seiner Frau. "Es steht fest. Unser Sohn wird auf Sir Einzelfall getauft werden".
"Was soll das denn für ein Name sein" empört sich die Krankenschwester. "Wie wäre es denn mit Empedrei oder Bete Faube ?"
"Wir haben uns in der Fernsehabteilung vom Mediamarkt kennengelernt, und in der Nacht ist es dann schon passiert" verteidigt sich der Vater.
"Wollen Sie Ihr Kind nicht vielleicht lieber nach einem Menschen nennen den sie sehr schätzen ?" schlägt der Arzt vor während er nochmal den Puls der Mutter misst.
"Pilawa" strahlt die Mutter. "Kaiser" widerspricht der Vater.
"'Mein Gott" empört sich die resolute Schwester. "Wollten Sie mit so einem Namen herumlaufen ? Können Sie nicht einfach einen echten Vornamen nehmen, egal welchen ?"
"Irgendeinen Namen ! Unser Kind ist etwas ganz besonderes. Er ist einmalig."
"Gut" mischt sich der Arzt wieder ein. "Dann bleiben wir doch bei den besonderen Menschen. Überlegen Sie doch mal welchen Menschen sie als Glücksfall empfinden".
"Madame Einzelfall ! Diese Mischung aus universeller kultureller Bildung alteuropäischer Prägung, Weltläufigkeit, gleichzeitig immer am Puls der Zeit, ein starker Charakter, kombiniert mit Humor, Phantasie, Lebendigkeit und überwältigender Ausstrahlung" sinniert der Vater.
"Genau ! So soll unser Sohn werden. Um das werde ich mich bei der Erziehung bemühen. Daher müssen wir ihn Sir Einzelfall nennen" pflichtet die Mutter bei.
"Das ist der postnatale Stress. Das ist ja schlimmer als alle bisherigen Vorschläge" ereifert sich die Krankenschwester.
"Was halten Sie von Thomas" schiebt der Arzt vorsichtig ein.
Der Vater ergreift stolz die Hand seiner Frau. "Es steht fest. Unser Sohn wird auf Sir Einzelfall getauft werden".
Dienstag, Juni 06, 2006
Erst Autos zerknüllen, dann die Weltherrschaft
Jeden Morgen stand Dr. jur. Matrin Streiter an der Fußgängerampel und wartete auf Grün, um dann seinen Weg zur Kanzlei fortsetzen zu können. Normalerweise gingen ihm jetzt kurz nach dem gemeinsamen Frühstück mit seiner Frau und seinen beiden Kindern bereits die anstehenden Fälle des Tages durch den Kopf, er formulierte erste Plädoyers.
Aber gestern war er im Kino gewesen, in X-Men 3. Das darf er natürlich keinem seiner Kollegen verraten. Ein Film ohne Logik und tieferem Sinn. Aber gerade dadurch so unterhaltsam.
Schnell trat er bei Rot auf die Fahrbahn, blickte streng in Richtung des sich hupend nähernden Fahrzeugs und versuchte mit ausladenden Armbewegungen das Auto durch seine Magnetkräfte wie ein Blatt Papier zu zerknüllen. Als das Auto mit quietschenden Reifen dauerhupend vor ihm stehenblieb rief er laut: Mit meinen Kräften werde ich alles aufhalten !
Da wurde es Grün, die Fußgänger gingen kopfschüttelnd und mit abschätzigen Blicken an ihm vorbei, der Autofahrer überhäufte ihn durch das heruntergelassene Fenster mit nicht druckreifen Ausdrücken. Dr. jur. Martin Streiter setzte seinen Weg in die Kanzlei fort. Wehe dem der ihm heute auf seinem langen Weg zur Weltherrschaft in die Quere kommt !
Aber gestern war er im Kino gewesen, in X-Men 3. Das darf er natürlich keinem seiner Kollegen verraten. Ein Film ohne Logik und tieferem Sinn. Aber gerade dadurch so unterhaltsam.
Schnell trat er bei Rot auf die Fahrbahn, blickte streng in Richtung des sich hupend nähernden Fahrzeugs und versuchte mit ausladenden Armbewegungen das Auto durch seine Magnetkräfte wie ein Blatt Papier zu zerknüllen. Als das Auto mit quietschenden Reifen dauerhupend vor ihm stehenblieb rief er laut: Mit meinen Kräften werde ich alles aufhalten !
Da wurde es Grün, die Fußgänger gingen kopfschüttelnd und mit abschätzigen Blicken an ihm vorbei, der Autofahrer überhäufte ihn durch das heruntergelassene Fenster mit nicht druckreifen Ausdrücken. Dr. jur. Martin Streiter setzte seinen Weg in die Kanzlei fort. Wehe dem der ihm heute auf seinem langen Weg zur Weltherrschaft in die Quere kommt !
Montag, Juni 05, 2006
Wochenend und Melodeien...
Hinter mir liegt ein musikerfülltes Wochenende bei Rock im Park. Breiten wir den Mantel des wohlwollenden Schweigens über Dixi-Klos, besoffene Jugendliche, Müllberge und ähnliches. Denn was zählt ist etwas ganz anders.
- Mein Höhepunkt
Ich habe die Smiths erst mit ihrem letzten Album 1987 kennengelernt, und bin seitdem zu einem Verehren dieser Gruppe sowie ihres Sängers Morrissey geworden, der nach dem Ende der Smiths inzwischen circa 8 Tonträger veröffentlicht hat. Und diese lebende Legende habe ich jetzt das erstemal live gesehen ! Leider nur eine Stunde, aber für mich ein großartiges Konzerterlebnis. Tolle Musik, umwerfendes Charisma, und 3 Smiths-Songs. - Genial wie erwartet
Hierunter fällt das Konzert von Depeche Mode, die wenig (ur)altes spielten, sowie Tomte zu denen ich mich bekenne. - Entdeckungen
Das interessante an Festivals ist es ja für einen unbekannte Gruppen zu entdecken. Favorit unter den Neuentdeckungen sind die Dresden Dolls, ein Schlagzeuger und eine Sängerin am (digitalen) Klavier, die mit ihrem eigenen Stil nicht nur mich sondern das ganze Publikum begeistert haben. Dann das geniale Kaizers Orchestra mit witziger Bühnenshow und mitreissender Musik (auf Norwegisch). Und die Babyshambles sind trotz etwas verwirrt wirkendem Sänger und dem ganzen Medienrummel um seine Drogensucht (und vor allem die Beziehung zu Kate Moss) eine sehr gute Liveband. - Neu und interessant
Gute Konzerte boten die Gruppen Kaiser Chiefs, The Editors, Juliette & The Licks (Juliette Lewis aus z.B. Gilbert Grape), The Streets, Keane, Art Brut, ... - Durchschnitt bis Enttäuschung
Die Sportfreunde Stiller habe ich schon besser erlebt, und Placebo boten wieder eine gute Show und tollen Sound, haben mich dieses Mal irgendwie nicht so mitgerissen. Von Franz Ferdinand war ich eher enttäuscht. Ist aber auch nicht ganz mein Geschmack. Auch die aktuelle Musik der Mod-Legende Paul Weller war nicht so mein Fall. - Nicht gesehen
Es war viel für harte Jungs (und Mädels) geboten: Tool, Korn, Metallica und andere die aber nicht in meinen Musikgeschmack passen und an deren Stelle ich lieber unbekanntereGruppen angehört habe.
Im ganzen ein wunderbares Pfingsten mit einigen musikalischen Neuentdeckungen.
Donnerstag, Juni 01, 2006
Die Farbfee ist im Ruhestand
Die Farbfee wippte zufrieden in ihrem Schaukelstuhl und zog die Wolldecke dicht um sich. Ihr Lebenwerk war schon lange vollbracht. Als sie vor 150 Jahren damit anfing der Welt bunte Farberlebnisse zu schenken gab es viel zu tun. Die beginnende Industrialisierung brachte das Grau in die Welt, das Entfärben ganzer Landstriche.
Da fing sie an bei Arbeiterfamilien aufzutauchen. Mit bunten Tüchern, einzelnen hervorgezauberten Blumen oder einem bunten Spielzeug brachte sie Farbe und Freude in das Leben. Und mir der Zeit lernten die Menschen das Bunte wieder zu schätzen und sorgten selber für immer mehr Farbe, ihre Auftritte wurden nicht mehr geschätzt.
Natürlich gab es immer wieder Sonderfälle. Auf ihre alten Tage hatte die Fee im Osten Deutschland nochmal so richtig viel Arbeit um ganze entfärbte Landstriche wieder zu beleben und mit der Farbe Hoffnung zu geben.
Aber jetzt war nicht mehr viel zu tun. Es gab nicht mehr genug Arbeit für eine Vollzeitstelle als Farbfee, das Einfärben hatte die Duftfee mit übernommen, und die war ja mit ihrer eigentlichen Aufgabe völlig überlastet. Die konnte mit einzelnen duftenden Blumen oder einem frischen Luftzug noch ganz einfach glückliche Gesichter zaubern.
Die Farbfee seufzte und schwelgte weiter in ihrem Bildband über englische Gärten. Das war immer ihr Hobby gewesen - und die Chelsea Flower Show ist eine einzige Hommage an ihr Lebenswerk.
Da fing sie an bei Arbeiterfamilien aufzutauchen. Mit bunten Tüchern, einzelnen hervorgezauberten Blumen oder einem bunten Spielzeug brachte sie Farbe und Freude in das Leben. Und mir der Zeit lernten die Menschen das Bunte wieder zu schätzen und sorgten selber für immer mehr Farbe, ihre Auftritte wurden nicht mehr geschätzt.
Natürlich gab es immer wieder Sonderfälle. Auf ihre alten Tage hatte die Fee im Osten Deutschland nochmal so richtig viel Arbeit um ganze entfärbte Landstriche wieder zu beleben und mit der Farbe Hoffnung zu geben.
Aber jetzt war nicht mehr viel zu tun. Es gab nicht mehr genug Arbeit für eine Vollzeitstelle als Farbfee, das Einfärben hatte die Duftfee mit übernommen, und die war ja mit ihrer eigentlichen Aufgabe völlig überlastet. Die konnte mit einzelnen duftenden Blumen oder einem frischen Luftzug noch ganz einfach glückliche Gesichter zaubern.
Die Farbfee seufzte und schwelgte weiter in ihrem Bildband über englische Gärten. Das war immer ihr Hobby gewesen - und die Chelsea Flower Show ist eine einzige Hommage an ihr Lebenswerk.
Dienstag, Mai 30, 2006
Der Chronist von Fürstenzell
Der Chronist schob den nun leeren Teller zur Seite, schlug das große, in Schweinsleder gebundene Buch auf und zückte seinen Füller. Das Pärchen am Nebentisch des Cafés musterte ihn unverhohlen. Das war er gewohnt. Er hatte sich bewußt gegen einen Laptop und für die traditionelle Ausrüstung entschieden.
Montag 29.05.06
Im Café Gantheimer gibt es wieder Linzer Torte. Heute ist sie besonders gut gelungen. Nicht dass sie sonst nicht schon hervorragend wäre. Aber heute ist sie ein Traum. Die perfekte Kreation. Womit hier festzuhalten bleibt: Die beste Linzer Torte der Weltgeschichte habe ich gerade gegessen.
Der Chronist blickt aus dem Fenster. Er beobachtet.
Heute kommt der Postbote sehr früh vorbei. Er strahlt über das ganze Gesicht.
Am Nachmittag wird er noch die Tischkarten für eine Hochzeit schreiben. Kalligraphie war seine zweite Leidenschaft, und diese brachte ihm auch noch das nötige Geld für Linzer Torte und andere Annehmlichkeiten.
Fluffi rennt den Bürgersteig entlang und zieht seine Leine hinter sich her. Seine zwei kleinen Besitzer laufen johlend hinterher.
Agnes stellt ihm unaufgefordert einen neuen Milchkaffee hin. Er strahlt sie an: "Heute lohnt es sich wieder besonder zu leben".
Der Chronist hätte auch seinen Platz im wunderbaren Dokumentarfilm "Gernstls Reisen - Auf der Suche nach dem Glück" verdient gehabt.
Montag 29.05.06
Im Café Gantheimer gibt es wieder Linzer Torte. Heute ist sie besonders gut gelungen. Nicht dass sie sonst nicht schon hervorragend wäre. Aber heute ist sie ein Traum. Die perfekte Kreation. Womit hier festzuhalten bleibt: Die beste Linzer Torte der Weltgeschichte habe ich gerade gegessen.
Der Chronist blickt aus dem Fenster. Er beobachtet.
Heute kommt der Postbote sehr früh vorbei. Er strahlt über das ganze Gesicht.
Am Nachmittag wird er noch die Tischkarten für eine Hochzeit schreiben. Kalligraphie war seine zweite Leidenschaft, und diese brachte ihm auch noch das nötige Geld für Linzer Torte und andere Annehmlichkeiten.
Fluffi rennt den Bürgersteig entlang und zieht seine Leine hinter sich her. Seine zwei kleinen Besitzer laufen johlend hinterher.
Agnes stellt ihm unaufgefordert einen neuen Milchkaffee hin. Er strahlt sie an: "Heute lohnt es sich wieder besonder zu leben".
Der Chronist hätte auch seinen Platz im wunderbaren Dokumentarfilm "Gernstls Reisen - Auf der Suche nach dem Glück" verdient gehabt.
Montag, Mai 29, 2006
Prinzessin Ling trifft einen Freier
Prinzessin Ling versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Sie hatte mit großem Bedauern auf ihre prachtvolle Kleidung verzichtet und sich unauffällig gekleidet - Jeans nach aktueller Mode, flache Schuhe, unauffällige Bluse, und hatte auch ihren umfangreichen Silberschmuck abgelegt. Nur ihre Frisur, zwei lange geflochtene Zöpfe und eine Silberspange mit Sternmotiv im Haar hoben sie von den sonstigen Fahrgästen ab.
Aber das Erlebnis einer S-Bahnfahrt in einer deutschen Großstadt verunsicherte sie sehr. Sie überlegte kurz an der nächsten Station auszusteigen, ihre Träger anzurufen und sich bis zum Lokal tragen zu lassen. Aber so viel hatte sie von Europa schon verstanden um zu wissen dass es ein enormes Aufsehen erregen würde vor dem Szenelokal aus ihrer Sänfte zu entsteigen. Also musste sie durchhalten. Verstohlen ließ sie ihre Blicke schweifen: Anzugträger die Unterlagen studierten, Mütter mit quengelnden Kindern, Jugendliche mit seltsamen gegelten Frisuren, alte Omas mit Stock - so verschiedene Menschen in einem Verkehrsmittel. Eigentlich interessanter als in ihrer Sänfte.
Aber ganz sicher fühlte sie sich immer noch nicht. Tarnung hin oder her - sie zog die Perlenkette mit dem großen Jadeanhänger aus der Handtasche und legte sie um. Dann strich sie mit dem Zeigefinger über den Stein und murmelte eine Beschwörung ihres Ahnen, der diesen Stein vor über 1000 Jahren einem Drachen entrissen hatte um damit einer Prinzessin, und damit ihrer Urahnin, der sie übrigens sehr ähnlich sieht, den Hof zu machen. Sofort fühlte sie sich mutig und der Situation gewachsen.
Jetzt wird sie gleich den jungen Mann treffen den sie bei der Eröffnung der Chinesischen Filmtage kennengelernt hat. Mal sehen welchen Gefahren dieser getrotzt hat um sie zu beeindrucken.
Aber das Erlebnis einer S-Bahnfahrt in einer deutschen Großstadt verunsicherte sie sehr. Sie überlegte kurz an der nächsten Station auszusteigen, ihre Träger anzurufen und sich bis zum Lokal tragen zu lassen. Aber so viel hatte sie von Europa schon verstanden um zu wissen dass es ein enormes Aufsehen erregen würde vor dem Szenelokal aus ihrer Sänfte zu entsteigen. Also musste sie durchhalten. Verstohlen ließ sie ihre Blicke schweifen: Anzugträger die Unterlagen studierten, Mütter mit quengelnden Kindern, Jugendliche mit seltsamen gegelten Frisuren, alte Omas mit Stock - so verschiedene Menschen in einem Verkehrsmittel. Eigentlich interessanter als in ihrer Sänfte.
Aber ganz sicher fühlte sie sich immer noch nicht. Tarnung hin oder her - sie zog die Perlenkette mit dem großen Jadeanhänger aus der Handtasche und legte sie um. Dann strich sie mit dem Zeigefinger über den Stein und murmelte eine Beschwörung ihres Ahnen, der diesen Stein vor über 1000 Jahren einem Drachen entrissen hatte um damit einer Prinzessin, und damit ihrer Urahnin, der sie übrigens sehr ähnlich sieht, den Hof zu machen. Sofort fühlte sie sich mutig und der Situation gewachsen.
Jetzt wird sie gleich den jungen Mann treffen den sie bei der Eröffnung der Chinesischen Filmtage kennengelernt hat. Mal sehen welchen Gefahren dieser getrotzt hat um sie zu beeindrucken.
Samstag, Mai 27, 2006
Auf nach Rimini
Natürlich hatte er sich das genau überlegt. Exakt durchgeplant. Durch Computersimulation überprüft. Dabei auch mögliche Varianten durchgespielt. Mit Hilfe der Chaostheorie Überraschungen den Schneid genommen. Was sollte die Frage "wissen Sie was Sie da machen" ?
Er hatte seinen VW-Transporter auf dem Schloßplatz abgestellt, seine im Garten gebaute Intrakontinentalrakete abgeladen und sich darangeschnallt. Gerade ging er mit dem Laptop die letzten Startvorbereitungen durch.
"Gehen Sie von dem Gerät weg" forderten ihn die Polizisten auf. Er mußte Sie nur noch 20 Sekunden hinhalten, der Countdown lief bereits. Das Ferienquartier in Rimini war gebucht, die Zielkoordinaten auf dem Strand nahe seiner Lieblingsbar eingegeben - und dank seiner Selbstbaurakete blieb ihm endlich die ewige Autofahrt erspart.
Zündung. Die Polizisten rannten davon und duckten sich hinter einer Parkbank. Langsam hob die Rakete ab.
Er hatte seinen VW-Transporter auf dem Schloßplatz abgestellt, seine im Garten gebaute Intrakontinentalrakete abgeladen und sich darangeschnallt. Gerade ging er mit dem Laptop die letzten Startvorbereitungen durch.
"Gehen Sie von dem Gerät weg" forderten ihn die Polizisten auf. Er mußte Sie nur noch 20 Sekunden hinhalten, der Countdown lief bereits. Das Ferienquartier in Rimini war gebucht, die Zielkoordinaten auf dem Strand nahe seiner Lieblingsbar eingegeben - und dank seiner Selbstbaurakete blieb ihm endlich die ewige Autofahrt erspart.
Zündung. Die Polizisten rannten davon und duckten sich hinter einer Parkbank. Langsam hob die Rakete ab.
Lundi wird mit der Realität konfrontiert
Nachdem mein Blog über ein halbes Jahr friedlich und ungestört prosperieren konnte, tauchen die ersten nichtsagenden (wenigstens vom Inhalt nicht fragwürdigen) Kommentare mit Links auf.
This is the end of Unschuld (frei nach you have to win Zweikampf von den Sportfreunden Stiller), ich habe daher die Wortbestätigung aktiviert...
This is the end of Unschuld (frei nach you have to win Zweikampf von den Sportfreunden Stiller), ich habe daher die Wortbestätigung aktiviert...
Freitag, Mai 26, 2006
Mohnstriezel
Die Auswahl war gross. Zu gross. Florentiner. Apfeltaschen. Rosinenschnecken. Nußecken. Puddingbrezeln. Erich Lotzing ließ seinen Blick die Glastheke entlanggleiten - erst die oberste Etage, dann die darunter. Und da war er: Schlesischer Mohnstrudel !
Das Herz begann zu rasen. Er bestellte ein Stück - "bitte nicht einpacken" - und begann auf das köstlichst duftende Gebäck mit seinem inzwischen fast ausgestorbenen schlesischen Dialekt einzureden.
"Was machen Sie da" fragte die Verkäuferin den sehr rüstig wirkeden elegant gekleideten älteren Herren interessiert. "Ich beschwöre den guten Geist der Mohnstriezel, um mit ihm nochmal die gute alte Zeit aufleben zu lassen, aber es gelingt einfach nicht." Und auf den fragenden Blick der Verkäuferin hin ergänzte Herr Lotzing "vor der Flucht - da war ich sieben Jahre alt - habe ich mir immer ein Stück Mohnstriezel aus der Bäckerei geholt und mit dem Geist alles wichtige besprochen".
Die Verkäuferin war in diesem lebenswerten Stadtteil exzentrische Kunden gewöhnt und versuchte zu helfen: "Das ist Mohnstrudel nach schlesischem Rezept, aber in Baden-Württemberg von einem urschwäbischen Bäcker hergestellt. Fahren Sie doch mal nach Polen und beschwören einen echten Mohnstriezel !". "Nach Polen ?" Die Gesichtszüge von Herrn Lotzing verhärteten.
"Ja ! Das ist jetzt EU, also ganz einfach zu machen. Die Polen sind nett und hilfsbereit, es gibt auch Städtereisen zu buchen".
"Und Sie meinen da gelingt es mir den Geist der Mohnstriezel wieder zu finden ?"
"Ja" erwiderte die Verkäuferin und fügte in Gedanken hinzu: "Und Ihre Kindheit wird für Sie dort auch ohne den Geist wieder lebendig werden."
Das Herz begann zu rasen. Er bestellte ein Stück - "bitte nicht einpacken" - und begann auf das köstlichst duftende Gebäck mit seinem inzwischen fast ausgestorbenen schlesischen Dialekt einzureden.
"Was machen Sie da" fragte die Verkäuferin den sehr rüstig wirkeden elegant gekleideten älteren Herren interessiert. "Ich beschwöre den guten Geist der Mohnstriezel, um mit ihm nochmal die gute alte Zeit aufleben zu lassen, aber es gelingt einfach nicht." Und auf den fragenden Blick der Verkäuferin hin ergänzte Herr Lotzing "vor der Flucht - da war ich sieben Jahre alt - habe ich mir immer ein Stück Mohnstriezel aus der Bäckerei geholt und mit dem Geist alles wichtige besprochen".
Die Verkäuferin war in diesem lebenswerten Stadtteil exzentrische Kunden gewöhnt und versuchte zu helfen: "Das ist Mohnstrudel nach schlesischem Rezept, aber in Baden-Württemberg von einem urschwäbischen Bäcker hergestellt. Fahren Sie doch mal nach Polen und beschwören einen echten Mohnstriezel !". "Nach Polen ?" Die Gesichtszüge von Herrn Lotzing verhärteten.
"Ja ! Das ist jetzt EU, also ganz einfach zu machen. Die Polen sind nett und hilfsbereit, es gibt auch Städtereisen zu buchen".
"Und Sie meinen da gelingt es mir den Geist der Mohnstriezel wieder zu finden ?"
"Ja" erwiderte die Verkäuferin und fügte in Gedanken hinzu: "Und Ihre Kindheit wird für Sie dort auch ohne den Geist wieder lebendig werden."
Donnerstag, Mai 25, 2006
Kluntje-Auftürmen is coming home
Auf diesen Termin hat das ganze Dorf schon lange hingefiebert: Der offizielle Kluntje-Auftürm-Worldcup 2006 findet bei ihnen statt, im Heimatort dieses anspruchsvollen Sports, der Schnelligkeit, Geschicklichkeit und schnelle Auffassungsgabe vereint.
Auch ohne einen Blick in die Annalen weiß man noch genau wo und wann diese Sportart erfunden wurde: Am 20. November 1954 in einer ungemütlichen, nasskalten Nacht bei Bauer Piet in der Stube bei dampfenden, wohlriechendem Tee am Kachelofen. Aus den Kluntje einen Turm zu bauen, dabei aber immer nur ein Stück auf ein anderes zu legen, und in 10 Sekunden möglichst hoch hinaus zu kommen - eine wahre Herausforderung.
Der Sport hat sich erstaunlicherweise nie außerhalb des Dorfes halten können. Nichtsdestotrotz hat Metzgermeister Jan die Bürgermeisterwahl 1998 mit dem Versprechen gewonnen die Gründung eines Kluntje-Aufturm-Weltverband zu forcieren und auf eine Weltmeisterschaft hinzuarbeiten. Und jetzt war es also soweit: Die erste Kluntje-Auftürm-Weltmeisterschaft findet im Juni 2006 statt.
Der Weltverband hat 500 Mitglieder - fast das ganze Dorf sowie etliche aus der Ortschaft und teils sogar aus Ostfriesland ausgewanderte ehemalige Dorfbewohner. Und bei der Weltmeisterschaft wird es sogar einen ausländischen Teilnehmer geben: Tyärk, den Sohn von Bauer Markolf, der bei seinem Studium in Oldenburg eine Österreicherin kennengelernt hat und nun mit ihr und nach langem Zögern angenommener österreichischer Staatsbürgerschaft im Salzkammergut lebt.
Natürlich wird man im Dorf im Juni auch Fußball schauen und mit der deutschen Mannschaft mitfiebern - aber nur wenn kein Kluntje-Aufturm-Match stattfindet, das an Dramatik und Unterhaltung jedes Fußballspiel in den Schatten stellt.
Auch ohne einen Blick in die Annalen weiß man noch genau wo und wann diese Sportart erfunden wurde: Am 20. November 1954 in einer ungemütlichen, nasskalten Nacht bei Bauer Piet in der Stube bei dampfenden, wohlriechendem Tee am Kachelofen. Aus den Kluntje einen Turm zu bauen, dabei aber immer nur ein Stück auf ein anderes zu legen, und in 10 Sekunden möglichst hoch hinaus zu kommen - eine wahre Herausforderung.
Der Sport hat sich erstaunlicherweise nie außerhalb des Dorfes halten können. Nichtsdestotrotz hat Metzgermeister Jan die Bürgermeisterwahl 1998 mit dem Versprechen gewonnen die Gründung eines Kluntje-Aufturm-Weltverband zu forcieren und auf eine Weltmeisterschaft hinzuarbeiten. Und jetzt war es also soweit: Die erste Kluntje-Auftürm-Weltmeisterschaft findet im Juni 2006 statt.
Der Weltverband hat 500 Mitglieder - fast das ganze Dorf sowie etliche aus der Ortschaft und teils sogar aus Ostfriesland ausgewanderte ehemalige Dorfbewohner. Und bei der Weltmeisterschaft wird es sogar einen ausländischen Teilnehmer geben: Tyärk, den Sohn von Bauer Markolf, der bei seinem Studium in Oldenburg eine Österreicherin kennengelernt hat und nun mit ihr und nach langem Zögern angenommener österreichischer Staatsbürgerschaft im Salzkammergut lebt.
Natürlich wird man im Dorf im Juni auch Fußball schauen und mit der deutschen Mannschaft mitfiebern - aber nur wenn kein Kluntje-Aufturm-Match stattfindet, das an Dramatik und Unterhaltung jedes Fußballspiel in den Schatten stellt.
Papageientaucher sitzt im Wohnzimmer und schaut über die Stadt
Es ist vollbracht ! Wirklich alles aus der alten Wohnung ist in der neuen Bleibe (oder auf dem Sperrmüll) gelandet. Natürlich hat die Wohnung im Moment etwas sehr chaotisches an sich - aber sie ist schon benutzbar.
Nun kann ich im Wohnzimmer sitzen, den Blick über die Dächer der Stadt und auf die Hügel schweifen lassen und mir vorstellen ich säße auf einem Hügel am Meer.
Da sich Arcor für einen Umzug 4 Wochen Zeit ausbedingt bin ich in nächster Zeit noch ohne Internet (und Festnetzanschluß) zuhause. Daher beim Bloggen behindert - ich werde aber mein Bestes tun !
Nun kann ich im Wohnzimmer sitzen, den Blick über die Dächer der Stadt und auf die Hügel schweifen lassen und mir vorstellen ich säße auf einem Hügel am Meer.
Da sich Arcor für einen Umzug 4 Wochen Zeit ausbedingt bin ich in nächster Zeit noch ohne Internet (und Festnetzanschluß) zuhause. Daher beim Bloggen behindert - ich werde aber mein Bestes tun !
Freitag, Mai 19, 2006
Peter Licht(gestalt) bei König Harald
Kurz vor dem Umzug noch auf einem Seminar gewesen. Gestern Abends im Hotelzimmer noch schnell den Fernseher angeschaltet. Es laufen die letzten 5 Minuten des von Madame Einzelfall so hoch verehrten Herrn Schmidt. Und dieser kündigt einen Gast an: Peter Licht ! Dieser Musiker der uns vor ein paar Jahren den (Insider-) Sommerhit "Sonnendeck" bescherte und nun eine CD und ein Buch mit den Titeln "Wir werden siegen ! Buch / Lieder vom Ende des Kapitalismus" veröffentlicht hat. Und so erscholl in der Sendung von Harald Schmidt das "Lied vom Ende des Kapitalismus" mit der Textzeile "der Kapitalismus, der alte Schlawiner, ist uns lange genug auf der Tasche gelegen". Großartig !
Dafür alleine muss man Harald Schmidt mögen.
Dafür alleine muss man Harald Schmidt mögen.
Dienstag, Mai 16, 2006
Warum ist der Pazifik nur so groß ?
Gott war müde. Furchtbar müde. Er sehnte sich nach seinem weichen Bett. Vielleicht noch seine aktuelle Bettlektüre in die Hand nehmen, aber nach spätestens einer halben Seite würde er eingeschlafen sein.
Aber er musste noch den letzten Kontinent formen. Er hatte sich in verschiedene Kunsttheorien eingearbeitet, hatte es auch mit Le Corbusier versucht, hielt sich dann aber doch mehr an sein Gefühl.
Langsam fielen ihm die Augen zu. Erde rieselte zwischen seinen Fingern auf die große Wasserfläche auf der noch unbearbeiteten Seite der Kugel und formte winzige Inseln. Gott schreckte auf. Nein, jetzt schaffte er keinen Kontinent mehr, diese große Wasserfläche wird einfach ein riesiges Meer bleiben. Er muss jetzt dringend schlafen, denn der Projektplan für den nächsten Tag war auch sehr voll.
Gott begab sich in sein Badezimmer und wusch sich die Erde von den Händen. Und der Pazifische Ozean blieb entgegen dem göttlichen Projektplan bis auf die unzähligen kleinen Inseln eine leere Fläche.
Aber er musste noch den letzten Kontinent formen. Er hatte sich in verschiedene Kunsttheorien eingearbeitet, hatte es auch mit Le Corbusier versucht, hielt sich dann aber doch mehr an sein Gefühl.
Langsam fielen ihm die Augen zu. Erde rieselte zwischen seinen Fingern auf die große Wasserfläche auf der noch unbearbeiteten Seite der Kugel und formte winzige Inseln. Gott schreckte auf. Nein, jetzt schaffte er keinen Kontinent mehr, diese große Wasserfläche wird einfach ein riesiges Meer bleiben. Er muss jetzt dringend schlafen, denn der Projektplan für den nächsten Tag war auch sehr voll.
Gott begab sich in sein Badezimmer und wusch sich die Erde von den Händen. Und der Pazifische Ozean blieb entgegen dem göttlichen Projektplan bis auf die unzähligen kleinen Inseln eine leere Fläche.
Montag, Mai 15, 2006
Die grössten Plagen: Umzug bis 22.5.
Es gibt so manche Dinge die man seinen schlimmsten Feinden nicht wünschen sollte: Lepra, Tinnitus, Einkaufen am Samstag Nachmittag oder Umzug. Ich weiss nicht ob mir jemand Umzug gewünscht hat - ich stecke aber gerade mittendrin. Und im Chaos zwischen Kartons und abgebauten Möbeln fehlt dann etwas die Motivation und die Kreativität sich an seinen Blog zu setzen.
Eventuelle Zwischenbeiträge sind nicht ausgeschlossen - ansonsten geht es hoffentlich in etwas über einer Woche in gewohnter Manier weiter.
Eventuelle Zwischenbeiträge sind nicht ausgeschlossen - ansonsten geht es hoffentlich in etwas über einer Woche in gewohnter Manier weiter.
Freitag, Mai 12, 2006
Parole Potemkin
Wenn man jeden Tag im Büro verbringt um seinen Lebensunterhalt zu verdienen kommt einem diese Tätigkeit normal vor, man denkt selten darüber nach mit was man sich da die Zeit vertreibt. Sehr erfrischend ist es da die Aussensicht einer nicht im "normalen" Arbeitsleben befindlichen Person zu erfahren.
Hier Ausschnitte aus dem Lied "Büro, Büro" aus der neuen CD "Das schöne Leben" von Britta:
Andere spielen Büro, Büro
Projekt-Projekte sowieso
Und sie rennen rum
Und raus kommt doch nur
Smoke on the water, Baby
...
Andere spielen Büro, Büro
Projekt-Projekte sowieso
decken sich mit Arbeit ein
Die es gar nicht gibt
Parole Potemkin, Baby
Hier Ausschnitte aus dem Lied "Büro, Büro" aus der neuen CD "Das schöne Leben" von Britta:
Andere spielen Büro, Büro
Projekt-Projekte sowieso
Und sie rennen rum
Und raus kommt doch nur
Smoke on the water, Baby
...
Andere spielen Büro, Büro
Projekt-Projekte sowieso
decken sich mit Arbeit ein
Die es gar nicht gibt
Parole Potemkin, Baby
Donnerstag, Mai 11, 2006
Hauptfriedhof 2 Minuten
U2 Hauptfriedhof 2 Minuten stand auf der Leuchttafel, die man am Bahnsteig montiert hatte. Frau Bertelsacker erstarrte. Sie war zwar schon 75 Jahr alt, aber immer noch sehr rüstig, nur etwas vergeßlich, und freute sich schon sehr auf ihr erstes Urenkelkind das in einer Woche geboren werden sollte. Und jetzt soll sie in 2 Minuten auf den Friedhof ?
Frau Bertelsacker war nicht dumm. Sie hatte zwar nicht studiert, was zu ihrer Zeit für Frauen auch eher unüblich war, hätte aber durchaus die Eignung für ein Jura-Studium gehabt, was sie ihrem mittlerweile verstorbenem Mann, einem Rechtsanwalt, immer wieder eindrucksvoll bewiesen hatte. Ihr war also durchaus klar dass dies eine Anzeige der nächsten U-Bahn war. Aber sie glaubte auch an Zeichen.
U2 Hauptfriedhof 1 Minute. Sie begann zu überlegen ob sie so aus dem Leben scheiden will. Da war noch die Sache mit ihrer alten Freundin Jutta die sie unbedingt ausräumen wollte, sie war schon öfters kurz davor gewesen, hatte im letzten Moment dann aber irgendetwas anderes gesagt. Und ihr Enkel Kevin. Dem war sie solange mit ihrer politischen Meinung auf den Geist gegangen bis der sich geweigert hatte weiter mir ihr zu sprechen. Das war vor 10 Jahre gewesen.
U2 Hauptfriedhof 0 Minuten. Die U-Bahn fährt ein, Türen öffnen sich, Leute steigen ein und aus, und Frau Bertelsacker mustert sie. Ein korrekt gekleideter alter Herr mir Stock, ein Junge mit diesen seltsam heruntergerutschten Hosen und einer Kappe, ein sportlich gekleidete Frau mit dreirädigem Kinderwagen - sie hat aufgehört sich über die neuen Entwicklungen zu wundern und das Alte zu loben, sie fand sie vielmehr spannend und war froh noch soviele Dinge erleben zu können.
U2 Hauptfriedhof 9 Minuten. Die U-Bahn war abgefahren, und Frau Bertelsacker lebte immer noch. Sie betrachtete dieses Erlebnis aber als strenge Warnung, zog ihren Terminkalender aus der Handtasche und notierte in Sütterlinschrift für den nächsten Tag: Jutta besuchen. Kevin anrufen.
Frau Bertelsacker war nicht dumm. Sie hatte zwar nicht studiert, was zu ihrer Zeit für Frauen auch eher unüblich war, hätte aber durchaus die Eignung für ein Jura-Studium gehabt, was sie ihrem mittlerweile verstorbenem Mann, einem Rechtsanwalt, immer wieder eindrucksvoll bewiesen hatte. Ihr war also durchaus klar dass dies eine Anzeige der nächsten U-Bahn war. Aber sie glaubte auch an Zeichen.
U2 Hauptfriedhof 1 Minute. Sie begann zu überlegen ob sie so aus dem Leben scheiden will. Da war noch die Sache mit ihrer alten Freundin Jutta die sie unbedingt ausräumen wollte, sie war schon öfters kurz davor gewesen, hatte im letzten Moment dann aber irgendetwas anderes gesagt. Und ihr Enkel Kevin. Dem war sie solange mit ihrer politischen Meinung auf den Geist gegangen bis der sich geweigert hatte weiter mir ihr zu sprechen. Das war vor 10 Jahre gewesen.
U2 Hauptfriedhof 0 Minuten. Die U-Bahn fährt ein, Türen öffnen sich, Leute steigen ein und aus, und Frau Bertelsacker mustert sie. Ein korrekt gekleideter alter Herr mir Stock, ein Junge mit diesen seltsam heruntergerutschten Hosen und einer Kappe, ein sportlich gekleidete Frau mit dreirädigem Kinderwagen - sie hat aufgehört sich über die neuen Entwicklungen zu wundern und das Alte zu loben, sie fand sie vielmehr spannend und war froh noch soviele Dinge erleben zu können.
U2 Hauptfriedhof 9 Minuten. Die U-Bahn war abgefahren, und Frau Bertelsacker lebte immer noch. Sie betrachtete dieses Erlebnis aber als strenge Warnung, zog ihren Terminkalender aus der Handtasche und notierte in Sütterlinschrift für den nächsten Tag: Jutta besuchen. Kevin anrufen.
Mittwoch, Mai 10, 2006
Lass uns Wolken angeln gehen
Wie jeden Morgen kurz nach Öffnung des Fernsehturms fand sich Herr Pletzka auf der obersten Aussichtsplattform ein. Im goldgelben Licht der aufgehenden Sonne steckte er seine Angel zusammen, bestückte den Haken mit frisch gepflückten Wiesenblumen und warf die Angel aus. Der Himmel sah vielversprechend aus, leichte weiße Schleier waren auf dem blauen Hintergrund zu sehen, aber auch ein paar Schäfchenwolken. Jetzt konnte er wieder in Ruhe seiner Passion nachgehen. Bevor die nächsten Besucher eintreffen muss er schnell wieder seine Ausrüstung zusammenpacken um nicht bei seiner sicherlich nicht gestatteten Beschäftigung ertappt zu werden.
Er liebte diese morgendliche Stille hoch über der Stadt, den weiten Ausblick über das von hier völlig erstarrt wirkende Land, diese Möglichkeit der Meditation und des Begreifens. Bisher war es ihm noch nicht gelungen eine Schäfchenwolke zu angeln. Aber er wusste eines Tages würde er diesen großen Fang machen, der Schäfchenwolke in seinem Garten ein neues Zuhause geben und den großen Traum seines Anglerlebens verwirklicht haben.
Er liebte diese morgendliche Stille hoch über der Stadt, den weiten Ausblick über das von hier völlig erstarrt wirkende Land, diese Möglichkeit der Meditation und des Begreifens. Bisher war es ihm noch nicht gelungen eine Schäfchenwolke zu angeln. Aber er wusste eines Tages würde er diesen großen Fang machen, der Schäfchenwolke in seinem Garten ein neues Zuhause geben und den großen Traum seines Anglerlebens verwirklicht haben.
Dienstag, Mai 09, 2006
Der Sturz ins Nirvana
So sieht also das große Nichts aus denkt sich der Wassertropfen und klammert sich am Rand des Wasserhahns fest. Gerade ist er erst geboren worden, und schon wird er mit dem Absoluten konfrontiert. Ganz unten ist eine glatte spiegelnde Oberfläche zu sehen, gleißendes Licht zeigt rundherum eine dezent graue Welt. Bei angestrengtem Starren glaubt der Tropfen ein weißes gekreuztes Linienmuster zu erkennen - ist das Ende der Welt eine in graue Rechtecke unterteilte Fläche ?
Er spürt seine Kräfte schwinden, und egal ob die Spezialisten das Adhesion, Oberflächenspannung oder anders nennen würden, er weiß dass er sich nicht mehr lange halten kann, und sein noch ganz junges Leben nach einem kurzen wachen Augenblick wieder zuende gehen wird. Da unten wartet das Nirvana auf ihn, das Auflösen in der Gesamtheit, das Einswerden mit den anderen vormaligen Wassertropfen, die den selben Weg genommen haben wie er. Er saugt nochmal alle Eindrücke dieser fremden Umgebung in sich auf und lässt los.
Er spürt seine Kräfte schwinden, und egal ob die Spezialisten das Adhesion, Oberflächenspannung oder anders nennen würden, er weiß dass er sich nicht mehr lange halten kann, und sein noch ganz junges Leben nach einem kurzen wachen Augenblick wieder zuende gehen wird. Da unten wartet das Nirvana auf ihn, das Auflösen in der Gesamtheit, das Einswerden mit den anderen vormaligen Wassertropfen, die den selben Weg genommen haben wie er. Er saugt nochmal alle Eindrücke dieser fremden Umgebung in sich auf und lässt los.
Montag, Mai 08, 2006
Wann kann ich endlich intellektuelle Sätze bilden und dadurch glänzen ?

Ein typisches Pollesch-Stück, zur Zeit im Stuttgarter Schauspielhaus zu bewundern. Die im gutbürgerlichen Theater üblichen Gewohnheiten werden teils gebrochen - so befindet sich die Bühne neben den Sitzreihen, die Schauspieler spielen teils hinter einer nur etwas durchsichtigen Plastikwand, dann ist das Geschehen auf einer großen Leinwand auf der eigentlichen Bühne zu bewundern, und die Souffleuse läuft immer mit den Schauspielern mit, und wird auch öfters mal angebrüllt ("was sollen immer diese Überleitungen ?" oder "Sie dürfen mir nicht helfen").
Ansonsten die üblichen etwas schwer verständlichen Texte, ab und zu schreiende Schauspieler, absurde und komische Zwischeneinlagen - aber zwischendrin ist ein tieferer Sinn zu entdecken. Und die Schauspieler machen das Stück zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Nikki Sudden
In einem kürzlichen Beitrag habe ich mich an das Nikki Sudden - Universum erinnert, an ein Konzert von Nikki Sudden das ich Ende 2005 besucht habe - und an seinen Bruder Epic Soundtrack, der vor 9 Jahren gestorben ist. Erst jetzt habe ich erfahren dass Nikki Sudden neun Tage nach meinem Beitrag im Alter von 49 Jahren in New York gestorben ist.
Ein schönes Nachruf ist u.a. in der Spex zu finden.
Ein schönes Nachruf ist u.a. in der Spex zu finden.
Freitag, Mai 05, 2006
Wenn Buchstaben schreien könnten
Der Regisseur Thomas Polpe saß lässig im Straßencafé, das Moleskin-Notizbuch auf das rechte Bein gelegt, welches er am gegenüber stehenden Stuhl abstützte. Das Seidenhemd tief aufgeknöpft schob er die Sonnenbrille ins Haar - er hatte das Gefühl mit Sonnenbrille erkannte ihn niemand. Er nahm einen Schluck aus seinem Milchkaffee - er hatte genug Stil um nicht etwa Latte Macchiato zu bestellen und lächelte die Frau am Nebentisch an, die ihn eher an eine überdekorierte Schaufensterpuppe erinnerte - aber er hatte ja einen Ruf zu bewahren. Er spielte mit seinem Stift und sinnierte über seine Arbeit.
Wenn er sich eine Szene überlegte, diese niederschrieb und wieder durchlas, dann klang das so langweilig. Und auch fünf Sätze Regieanweisungen vor einem einzigen gesprochenen Satz konnten das nicht erläutern. Er las die letzten Sätze auf der Seite nochmal durch: "Mein Leben besteht nur aus dem was andere in mir sehen. Ich existiere nur als Ware in einem globalisierten Austausch von Sinnesausdrücken. Wo bleibt da mein Gefühl ? Mein Leben besteht nur als Bilanz von Transaktionen. Wenn ich nicht mehr gehandelt werde bin ich tot. Wer bin überhaupt Ich ?". Irgendwie fade und unverständlich. Er hielt das Moleskin-Buch an sein Ohr. Wenn die Buchstaben die Texte flüstern, schreien, seufzen könnten, dann wär das Schreiben nicht der Tod des Theaters.
Er knallte das Notizbuch auf den Tisch, sprang auf und sprach die Nachbarin am Nebentisch mit in der Satzmitte und am Satzende überschnappender Stimme an: "Mein Leben besteht nur aus dem was andere in mir sehen. Ich existiere nur als Ware in einem globalisierten Austausch von Sinnesausdrücken.". Er beugte sich über ihren Tisch und schrie der sich erschrocken zurücklehnenden Frau mit feuchter Aussprache ins Gesicht: "Wo bleibt da mein Gefühl ?". Daraufhin schüttete er sich ihren Latte Macchiato über den Kopf.
Passanten waren mitten in der Bewegung erstarrt, eine Mutter zog ihr Kind schnell weiter. Thomas Polpe setzte sich ruhig wieder an seinen Platz und atmete durch. Der Text war wunderbar. Wenn Buchstaben schreien könnten würde man das auch beim Lesen verstehen.
Wenn er sich eine Szene überlegte, diese niederschrieb und wieder durchlas, dann klang das so langweilig. Und auch fünf Sätze Regieanweisungen vor einem einzigen gesprochenen Satz konnten das nicht erläutern. Er las die letzten Sätze auf der Seite nochmal durch: "Mein Leben besteht nur aus dem was andere in mir sehen. Ich existiere nur als Ware in einem globalisierten Austausch von Sinnesausdrücken. Wo bleibt da mein Gefühl ? Mein Leben besteht nur als Bilanz von Transaktionen. Wenn ich nicht mehr gehandelt werde bin ich tot. Wer bin überhaupt Ich ?". Irgendwie fade und unverständlich. Er hielt das Moleskin-Buch an sein Ohr. Wenn die Buchstaben die Texte flüstern, schreien, seufzen könnten, dann wär das Schreiben nicht der Tod des Theaters.
Er knallte das Notizbuch auf den Tisch, sprang auf und sprach die Nachbarin am Nebentisch mit in der Satzmitte und am Satzende überschnappender Stimme an: "Mein Leben besteht nur aus dem was andere in mir sehen. Ich existiere nur als Ware in einem globalisierten Austausch von Sinnesausdrücken.". Er beugte sich über ihren Tisch und schrie der sich erschrocken zurücklehnenden Frau mit feuchter Aussprache ins Gesicht: "Wo bleibt da mein Gefühl ?". Daraufhin schüttete er sich ihren Latte Macchiato über den Kopf.
Passanten waren mitten in der Bewegung erstarrt, eine Mutter zog ihr Kind schnell weiter. Thomas Polpe setzte sich ruhig wieder an seinen Platz und atmete durch. Der Text war wunderbar. Wenn Buchstaben schreien könnten würde man das auch beim Lesen verstehen.
Donnerstag, Mai 04, 2006
Nicht das Leben, nur noch das Projekt des Lebens
Ein Tourist auf der Suche nach spektakulären Fotomotiven stößt im Norden von Indien auf ein malerisches Kloster. Es liegt sehr romantisch in einem Tal und ist gut erhalten. Der Tourist füllt fleißig die Speicherkarte seiner Digitalkamera.
Im Inneren des Klosters trifft er einen alten Mönch an. Dieser verkündet ihm der Heilige des ewigen Tals zu sein und ihm seine tiefsten Fragen zu beantworten. "Dann sagen Sie mir, wie bekomme ich Sie hier im Tempelinneren am besten ins Bild ? Und wie kann ich die Glitzereffekte auf dieser goldbestäubten Figur festhalten ?" eröffnet ihm der Tourist seine brennendsten Fragen. Dem Mönch fallen trotz jahrelanger Meditation etwas die Gesichtszüge zusammen, dann faßt er sich aber wieder und ergänzt: "Ich meine Fragen mit andauernder Bedeutung für das Leben". "Wieviel Megapixel braucht man für professionelle Aufnahmen im DIN A 4 Format ?".
Der Mönch bekommt einen Hustenanfall, fängt sich und spricht: "Du bist offensichtlich von der Weisheit weit entfernt und führst ein gänzlich leeres Leben. Hast Du zum Beispiel schon mal etwas von Der Weg ist das Ziel gehört ?". Der Tourist starrt den Mönche mit großen Augen an: "Der Weg ist das Ziel ? Das gilt wohl nur für Bauarbeiter die einen bestimmten Weg aufgraben oder neu teeren sollen und deswegen zu diesem Weg fahren. Alle anderen benutzen diesen Weg nur um an ihr Ziel zu gelangen."
Der Mönch sammelt seine letzten Zen-Reserven und startet einen verzweifeltes letztes Kommandounternehmen: "Das ist gerade der Fehler, nur auf ein fernes Ziel fixiert zu sein und dabei...". "Ziele sind das A und O" fällt ihm der Tourist ins Wort. "Die Weisheit fehlt wohl eher ihnen, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Sie haben ja gar keine Ahnung von Projektmanagement."
Entrüstet weist ihn der Mönch vor die Tür. "Kein Wunder dass die Welt vor die Hunde geht" denkt er sich, "wenn die Menschen nur noch in Management-Kategorien denken und ihr Seelenheil verkümmern lassen. Sie leben nicht mehr ihr Leben, sondern nur noch das Projekt ihres Lebens". Der Tourist ist froh etwas über die fernöstlichen Religionen gelernt zu haben. "Kein Wunder dass die Religionen aussterben, wenn sie nicht die grundlegendsten Projekt-Management Regeln befolgen !"
Im Inneren des Klosters trifft er einen alten Mönch an. Dieser verkündet ihm der Heilige des ewigen Tals zu sein und ihm seine tiefsten Fragen zu beantworten. "Dann sagen Sie mir, wie bekomme ich Sie hier im Tempelinneren am besten ins Bild ? Und wie kann ich die Glitzereffekte auf dieser goldbestäubten Figur festhalten ?" eröffnet ihm der Tourist seine brennendsten Fragen. Dem Mönch fallen trotz jahrelanger Meditation etwas die Gesichtszüge zusammen, dann faßt er sich aber wieder und ergänzt: "Ich meine Fragen mit andauernder Bedeutung für das Leben". "Wieviel Megapixel braucht man für professionelle Aufnahmen im DIN A 4 Format ?".
Der Mönch bekommt einen Hustenanfall, fängt sich und spricht: "Du bist offensichtlich von der Weisheit weit entfernt und führst ein gänzlich leeres Leben. Hast Du zum Beispiel schon mal etwas von Der Weg ist das Ziel gehört ?". Der Tourist starrt den Mönche mit großen Augen an: "Der Weg ist das Ziel ? Das gilt wohl nur für Bauarbeiter die einen bestimmten Weg aufgraben oder neu teeren sollen und deswegen zu diesem Weg fahren. Alle anderen benutzen diesen Weg nur um an ihr Ziel zu gelangen."
Der Mönch sammelt seine letzten Zen-Reserven und startet einen verzweifeltes letztes Kommandounternehmen: "Das ist gerade der Fehler, nur auf ein fernes Ziel fixiert zu sein und dabei...". "Ziele sind das A und O" fällt ihm der Tourist ins Wort. "Die Weisheit fehlt wohl eher ihnen, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Sie haben ja gar keine Ahnung von Projektmanagement."
Entrüstet weist ihn der Mönch vor die Tür. "Kein Wunder dass die Welt vor die Hunde geht" denkt er sich, "wenn die Menschen nur noch in Management-Kategorien denken und ihr Seelenheil verkümmern lassen. Sie leben nicht mehr ihr Leben, sondern nur noch das Projekt ihres Lebens". Der Tourist ist froh etwas über die fernöstlichen Religionen gelernt zu haben. "Kein Wunder dass die Religionen aussterben, wenn sie nicht die grundlegendsten Projekt-Management Regeln befolgen !"
Dienstag, Mai 02, 2006
Lethargie im Nordatlantik
Dem Kapitän war langweilig. Wieder eine Atlantik-Überquerung. Vergnügungssüchtige Passagiere, jeden Abend Kapitäns-Dinner, belanglose Konversation, von alleinreisenden Frauen zum Tanz aufgefordert werden, die Nacht mit manchen von ihnen verbringen.
Tagsüber auf der Brücke stolzieren, einen Blick auf den Kurs werfen, den ersten Offizier loben. Nichts kann ihn aus seiner Lethargie wecken. Alles ist unbedeutend, die Zeit fliesst dahin ohne dass irgendetwas passiert.
Auch der Anblick von Eisbergen löst bei ihm keine Begeisterung mehr wie bei den Passagieren aus, und der große Eisberg direkt vor dem Schiff lässt ihn auch gleichgültig. Als das Schiff frontal den Eisberg rammt beobachtet er das plötzlich entstehende Getümmel von der Brücke: So wie wenn man aus Langeweile mit einem Stock in einen Ameisenhaufen sticht.
Ein aufmunternder Blick zum ersten Offizier der den Notfallplan ausarbeitet ist alles was von ihm verlangt war. Er steigt die Brücke hinab, krempelt die Hosenbeine hoch und geht über das schon leicht unter Wasser stehende Deck. Das Leben ödet ihn an. Für was lebt man wenn nie etwas von Bedeutung geschieht ? Und als er dann schliesslich im eiskalten Wasser schwimmt denkt er dass ihm Schwimmen schon als Kind zu gleichförmig war.
Die Leiche des Kapitäns sowie der meisten anderen Passagiere wird nie gefunden werden.
Tagsüber auf der Brücke stolzieren, einen Blick auf den Kurs werfen, den ersten Offizier loben. Nichts kann ihn aus seiner Lethargie wecken. Alles ist unbedeutend, die Zeit fliesst dahin ohne dass irgendetwas passiert.
Auch der Anblick von Eisbergen löst bei ihm keine Begeisterung mehr wie bei den Passagieren aus, und der große Eisberg direkt vor dem Schiff lässt ihn auch gleichgültig. Als das Schiff frontal den Eisberg rammt beobachtet er das plötzlich entstehende Getümmel von der Brücke: So wie wenn man aus Langeweile mit einem Stock in einen Ameisenhaufen sticht.
Ein aufmunternder Blick zum ersten Offizier der den Notfallplan ausarbeitet ist alles was von ihm verlangt war. Er steigt die Brücke hinab, krempelt die Hosenbeine hoch und geht über das schon leicht unter Wasser stehende Deck. Das Leben ödet ihn an. Für was lebt man wenn nie etwas von Bedeutung geschieht ? Und als er dann schliesslich im eiskalten Wasser schwimmt denkt er dass ihm Schwimmen schon als Kind zu gleichförmig war.
Die Leiche des Kapitäns sowie der meisten anderen Passagiere wird nie gefunden werden.
Freitag, April 28, 2006
Der Abspann (revisited)
Im Film "Die Zeit die bleibt" - der sehr zu empfehlen ist - habe ich den seit langem besten Abspann erlebt. Anstatt wie in vielen anderen Filmen noch mit einem schmissigen Hit beglückt zu werden, der oft ganz und gar nicht zur Stimmung des Films paßt, oder mit der Standard-Kitschmusik weiter vollgedudelt zu werden, gab es hier Meeresrauschen.
In der letzten Szene des Filmes liegt die Hauptfigur am Strand, die Sonne geht unter und es wird dunkel. Dabei hört man das Meeresrauschen. Und dann wird die Leinwand schwarz, das Meeresrauschen erklingt weiter, und der Abspann beginnt. Und während des gesamten Abspanns ist weiter dieses Rauschen zu hören, das zusammen mit der vorherigen Szene den ganzen Film beinhaltet. Und damit beginnt dann das Nachdenken, bei der Untermalung schon fast mehr das Meditieren: Wie würde ich handeln ? Was würde ich jetzt anders machen ? Oder ist es doch einfacher den Tod im Leben immer auszuklammern ?
In einem sehr frühen Beitrag in diesem Blog habe ich mich über das Verhalten der Zuschauer während des Abspanns im Kino ausgelassen.
In der letzten Szene des Filmes liegt die Hauptfigur am Strand, die Sonne geht unter und es wird dunkel. Dabei hört man das Meeresrauschen. Und dann wird die Leinwand schwarz, das Meeresrauschen erklingt weiter, und der Abspann beginnt. Und während des gesamten Abspanns ist weiter dieses Rauschen zu hören, das zusammen mit der vorherigen Szene den ganzen Film beinhaltet. Und damit beginnt dann das Nachdenken, bei der Untermalung schon fast mehr das Meditieren: Wie würde ich handeln ? Was würde ich jetzt anders machen ? Oder ist es doch einfacher den Tod im Leben immer auszuklammern ?
In einem sehr frühen Beitrag in diesem Blog habe ich mich über das Verhalten der Zuschauer während des Abspanns im Kino ausgelassen.
Donnerstag, April 27, 2006
Schönsehen
Eine der typischen unattraktiven Straßen in größeren deutschen Städten: Viel Autoverkehr, auf den engen Bürgersteigen hasten die Fußgänger vorbei an den grauen, nichtssagenden Gebäuden aus den sechziger Jahren. Darin Export/Import-Shops, Dönerbuden und China-Imbisse, ein Schreibwarengeschäft, eine Reinigung.
Dazwischen ein leerstehendes Geschäft. Durch das Schaufenster konnte man in einen kleinen, völlig leeren Raum blicken. An der Türe hing das Schild: Hier eröffnet demnächst "La Vie en rose" - das Fachgeschäft für rosa Brillen. Ihre Spezialisten für eine schönere Wahrnehmung. ER - Embellished Reality.
Nach vier Wochen war das Schild ausgetauscht: Wegen enormen Geschäftserfolg haben wir vergößert - nun in der Bahnhofsstraße 29.
Dazwischen ein leerstehendes Geschäft. Durch das Schaufenster konnte man in einen kleinen, völlig leeren Raum blicken. An der Türe hing das Schild: Hier eröffnet demnächst "La Vie en rose" - das Fachgeschäft für rosa Brillen. Ihre Spezialisten für eine schönere Wahrnehmung. ER - Embellished Reality.
Nach vier Wochen war das Schild ausgetauscht: Wegen enormen Geschäftserfolg haben wir vergößert - nun in der Bahnhofsstraße 29.
Mittwoch, April 26, 2006
Ach wie schön war: Das Sarah-Label
Das kleine Sarah-Label aus Bristol bescherte der Welt von 1987 bis 1995 Platten von unvergänglicher Schönheit. Ich erinnere nur an Gruppen wie Heavenly, The Field Mice, Another Sunny Day, Blue Boy...
Die Aufnahmequalität ist teilweise schon als fragwürdig zu bezeichnen, und die in den Texten kundgetane romantische Verzweiflung auf die Spitze getrieben. Für mich aber - je nach Album - zu Herzen gehende oder mitreissende Musik, die immer wieder den Weg in meinen CD-Spieler findet.
Ich erinnere mich auch noch gerne an die vom Labelbesitzer handschriftlich ausgestellten Rechnungen und persönlichen Nachrichten die ich in den sehnlichst erwarteten Päckchen aus Bristol fand.
Zum (optischen) Schwelgen in der Vergangenheit sei diese Website des verschiedenen Labels empfohlen.
Die Aufnahmequalität ist teilweise schon als fragwürdig zu bezeichnen, und die in den Texten kundgetane romantische Verzweiflung auf die Spitze getrieben. Für mich aber - je nach Album - zu Herzen gehende oder mitreissende Musik, die immer wieder den Weg in meinen CD-Spieler findet.
Ich erinnere mich auch noch gerne an die vom Labelbesitzer handschriftlich ausgestellten Rechnungen und persönlichen Nachrichten die ich in den sehnlichst erwarteten Päckchen aus Bristol fand.
Zum (optischen) Schwelgen in der Vergangenheit sei diese Website des verschiedenen Labels empfohlen.
Dienstag, April 25, 2006
Pessi-Mist und Opti-Mist
Stier Heiner steht in einer Fleischfabrik in Niedersachsen. Ein elendes Leben auf kleinstem Raum, ohne Tageslicht. Er kennt keine Jahreszeiten, nicht den Geschmack von grünem Gras, nicht den Geruch der Frühlingsblumen. Kein Wunder dass sich in Heiners Box Pessi-Mist am Boden sammelt !
Kuh Gundula steht auf einer Weide in Oberbayern. Sie läuft über eine im Frühling blumenübersäte Wiese, legt sich im Sommer gerne unter den großen Baum in den Schatten, genießt im Herbst den Ausblick auf den ersten Schnee in den Alpen, und zieht im Winter dann doch den geheizten, geräumigen Stall vor. Gundula produziert nur Opti-Mist !
Kuh Gundula steht auf einer Weide in Oberbayern. Sie läuft über eine im Frühling blumenübersäte Wiese, legt sich im Sommer gerne unter den großen Baum in den Schatten, genießt im Herbst den Ausblick auf den ersten Schnee in den Alpen, und zieht im Winter dann doch den geheizten, geräumigen Stall vor. Gundula produziert nur Opti-Mist !
Sonntag, April 23, 2006
Die Zeit und die Uhr

Die kleinen Jungen liefen hinter Geneviève her und machten sich über sie lustig. "Hexe, Hexe, wann werde ich sterben ?". Aber die Frau die mit stolz erhobenem Haupt und langen weißen Haaren über den Markt von Straßburg lief kümmerte das nicht. Viele Leute machten sich über sie lustig, sie war stadtbekannt und wurde sogar als Kuriosum zu großen Feiern eingeladen, wo sie in einem kleinen Nebenzimmer neugierige Gäste beriet und sehr großzügig bezahlt nach einer langen Nacht nachhause kam.
Ihr machte es nichts aus dass die Leute sich offiziell nicht zu ihr bekannten. Ihr reichte die ehrliche Bestätigung unter vier Augen dass sie vielen Leuten mir ihren Ratschlägen weitergeholfen hat. Und ihre Kunden waren überzeugt dass sie nicht nur in Menschen hinein sondern auch in die Zukunft sehen konnte.
Im Prinzip machte sie nichts anderes als zuhören und den Leuten klarmachen dass sie das Leben jetzt leben müssen. Mit einem guten Einfühlungsvermögen konnte sie Ratschläge geben auf die ihre Kunden in der Kirche vergebens warteten.
Heute war sie auf dem Weg zum Uhrmacher Schwilgué, der eine kreative Blockade hatte und kurz davor stand seinen Großauftrag für das Münster zu verlieren. Ein einfacher Kunde, der wunderbar in ihre Philosophie passte ! Nachdem sie ihn augehorcht hatte und dann behutsam ihre Ansichten über das Leben und die Vergänglichkeit der Zeit ausgebreitet hatte kam Schwilgué die Eingebung genau das mit seiner astronomischen Uhr darzustellen. Er war so glücklich über diese glückliche Wendung dass er sich öffentlich zu Genevièves Hilfe bekannte und ihr somit endlich das verdiente Ansehen verschaffte. Und so kann man noch heute in einer der Figuren der weltbekannten Uhr im Straßburger Münster Geneviève erkennen, die am großen Rad der Zeit steht - allerdings um Jahrzehnte verjüngt dargestellt.
Freitag, April 21, 2006
Die Erfindung der Rallyestreifen
In den 60er Jahren hat sich der Ingenieur Peter W. Applebee bei der amerikanischen Lackfirma Reed Astrocolors Ltd. mit Speziallacken für Überlackierungen beschäftigt - gedacht als Dekorationsmöglichkeit für Überlandbusse. Als er für einen ersten Praxistest mit diesem Lack Streifen auf sein Privatauto malte, meinte er zu bemerken dass sein Auto danach sportlicher und schneller fuhr. Er konnte den Chef des Unternehmens mit viel Schwierigkeiten dazu überreden diesen Test auch an seinem Fahrzeug durchzuführen.
Als dieses Auto dann auch einen sportlicheren Eindruck hinterließ war der erfolgreiche Unternehmer immer noch skeptisch und wollte nicht an einen physikalischen Effekt glauben. Ihm fiel aber auf dass er mit seinem Auto mit den prägnanten Längsstreifen viel mehr Aufsehen erregte als bisher, dass er an Ampeln von Jugendlichen mit aufheulendem Motor zu einem Beschleunigungsrennen herausgefordert wurde - und erkannte die Marktlücke: Er bot das neu entwickelte Produkt als Speziallack für die von seiner Marketingabteilung Rallye-Streifen benannte Dekoration an. Als die ersten Autofirmen ihre Sportwagen ab Werk mit Rallyestreifen aus Astrocolors-Lack versahen war die Erfolgsgeschichte der Firma geschrieben.
Nur Peter W. Applebee schied verbittert aus der Firma aus. Er beklagte noch als Rentner dass niemand bereit war seine revolutionäre Entdeckung zu unterstützen: Den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen dass Rallyestreifen ein Fahrzeug wirklich sportlicher machen.
Als dieses Auto dann auch einen sportlicheren Eindruck hinterließ war der erfolgreiche Unternehmer immer noch skeptisch und wollte nicht an einen physikalischen Effekt glauben. Ihm fiel aber auf dass er mit seinem Auto mit den prägnanten Längsstreifen viel mehr Aufsehen erregte als bisher, dass er an Ampeln von Jugendlichen mit aufheulendem Motor zu einem Beschleunigungsrennen herausgefordert wurde - und erkannte die Marktlücke: Er bot das neu entwickelte Produkt als Speziallack für die von seiner Marketingabteilung Rallye-Streifen benannte Dekoration an. Als die ersten Autofirmen ihre Sportwagen ab Werk mit Rallyestreifen aus Astrocolors-Lack versahen war die Erfolgsgeschichte der Firma geschrieben.
Nur Peter W. Applebee schied verbittert aus der Firma aus. Er beklagte noch als Rentner dass niemand bereit war seine revolutionäre Entdeckung zu unterstützen: Den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen dass Rallyestreifen ein Fahrzeug wirklich sportlicher machen.
Donnerstag, April 20, 2006
Elizabeth plant ihren Geburtstag
"Und Montag nachmittag Geburtstagskaffee in Canterbury beim Erzbischof. Danach kurzer Spaziergang durch das Geburtstagsfest in der Stadtmitte. Dann Rückfahrt nach London, und das Dinner der Kapitänsloge zu Ihren Ehren, Frau Majestät".
Die Queen stöhnte. Als Kind hat sie Geburtstage geliebt. Am liebsten waren ihr die tollen Feste auf Schloß Windsor gewesen, mit Überraschungen hinter jedem Eck - dort ein paar Clowns im Kaminzimmer, dort ein Pony im Thronsaal. Und jetzt hatte sie immer noch gerne Geburtstag, an einem Tag seinen achtzigsten Geburtstag zu feiern wäre toll. Aber ein halbes Jahr lang ? Queen zu sein ist ein harter Job dachte sich Elisabeth, während sie ihren Lieblingscorgi streichelte und nur noch mit halbem Ohr der Litanei der Feierlichkeiten der nächsten Woche lauschte. Morgen ist ihr eigentlicher Geburtstag. Und es graute ihr fast davor.
Und wenn sie endlich mal wieder richtig Geburtstag feiert anstatt Feiern über sich ergehen zu lassen ? Sie unterbrach ihren Assistenten mit ein paar kurzen Anweisungen: Buchen Sie meine Doppelgängerin für morgen und gehen sie mir ihr das Programm durch. Bereiten Sie mit ihr die Geburtstagsansprache vor.
Sie beugte sich zu ihrem Corgi und flüsterte ihm ins Ohr: Und wir gehen morgen vormittag erstmal in den Pub !
Die Queen stöhnte. Als Kind hat sie Geburtstage geliebt. Am liebsten waren ihr die tollen Feste auf Schloß Windsor gewesen, mit Überraschungen hinter jedem Eck - dort ein paar Clowns im Kaminzimmer, dort ein Pony im Thronsaal. Und jetzt hatte sie immer noch gerne Geburtstag, an einem Tag seinen achtzigsten Geburtstag zu feiern wäre toll. Aber ein halbes Jahr lang ? Queen zu sein ist ein harter Job dachte sich Elisabeth, während sie ihren Lieblingscorgi streichelte und nur noch mit halbem Ohr der Litanei der Feierlichkeiten der nächsten Woche lauschte. Morgen ist ihr eigentlicher Geburtstag. Und es graute ihr fast davor.
Und wenn sie endlich mal wieder richtig Geburtstag feiert anstatt Feiern über sich ergehen zu lassen ? Sie unterbrach ihren Assistenten mit ein paar kurzen Anweisungen: Buchen Sie meine Doppelgängerin für morgen und gehen sie mir ihr das Programm durch. Bereiten Sie mit ihr die Geburtstagsansprache vor.
Sie beugte sich zu ihrem Corgi und flüsterte ihm ins Ohr: Und wir gehen morgen vormittag erstmal in den Pub !
Dienstag, April 18, 2006
Ich bin zurückgekommen um umzuverteilen
Rudi Oberberger, genannt der Lustige Rudi, wachte von einem klappernden Geräusch auf, als würde jemand durch die Gänge reiten. Er hielt die Augen geschlossen und versuchte sich zu erinnern wo er war. Wien ? Nein, das war vorgestern gewesen. Ach ja, Köln. Heute war die Generalprobe für eine Volksmusiksendung in der er auf Drängen seines Managements auftrat. Wieder endlose Stunden inmitten der nervenden Kollegen, die ihm verhasste dröhnende Musik.
Seine Eltern hatten Recht gehabt: Bub, lerne einen vernünftigen Beruf. Zwar konnte er sehr gut von der Musik leben, aber er konnte Volksmusik nicht ausstehen, es kostete ihn viel Kraft immer den lustigen unbeschwerten Musiker vom Land zu spielen. Wie gerne wäre er Schreiner wie sein Vater, würde mit Freude Möbel gestalten und herstellen. Oder ein Bürojob in der Gemeindeverwaltung. Alles besser als dieses verlogene Leben. Als Kind hatte er davon geträumt wie Robin Hood für Gerechtigkeit zu sorgen, als Jugendlicher hatte er sich in verschiedenen Bürgerinitiativen engagiert und wollte einen sozialen Beruf ergreifen. Aber da lockte das schnelle und einfache Geld als Volksmusiker, als gutaussehender Frauenschwarm.
Das Klappern war immer näher gekommen, und jetzt hörte er es auch Schnauben. Hatte er vergessen den Fernseher abzuschalten ? Er öffnete die Augen, da klopfte es laut an der Tür. "Los geht es, es gibt viel zu tun !" Rudi Oberberger stand auf, öffnete die Tür und erstarrte. Im Gang stand ein Mann, der wie Errol Flynn aussah, und hielt die Zügel von zwei gesattelten Pferden in der Hand. Und da fiel ihm die Kleidung auf: Das war doch Robin Hood ! "Zieh Dich schnell an, und komm mit ! Ich bin zurückgekommen um umzuverteilen !". Rudi Oberberger brauchte nur wenige Sekunden, dann war ihm klar: Den lustigen Rudi gab es nicht mehr ! Er schließt sich Robin Hood an.
Wenig später ritt er hinter Robin Hood aus der Lobby des Maritim Hotels auf die Straße, von ungläubigen Blicken gefolgt.
Seine Eltern hatten Recht gehabt: Bub, lerne einen vernünftigen Beruf. Zwar konnte er sehr gut von der Musik leben, aber er konnte Volksmusik nicht ausstehen, es kostete ihn viel Kraft immer den lustigen unbeschwerten Musiker vom Land zu spielen. Wie gerne wäre er Schreiner wie sein Vater, würde mit Freude Möbel gestalten und herstellen. Oder ein Bürojob in der Gemeindeverwaltung. Alles besser als dieses verlogene Leben. Als Kind hatte er davon geträumt wie Robin Hood für Gerechtigkeit zu sorgen, als Jugendlicher hatte er sich in verschiedenen Bürgerinitiativen engagiert und wollte einen sozialen Beruf ergreifen. Aber da lockte das schnelle und einfache Geld als Volksmusiker, als gutaussehender Frauenschwarm.
Das Klappern war immer näher gekommen, und jetzt hörte er es auch Schnauben. Hatte er vergessen den Fernseher abzuschalten ? Er öffnete die Augen, da klopfte es laut an der Tür. "Los geht es, es gibt viel zu tun !" Rudi Oberberger stand auf, öffnete die Tür und erstarrte. Im Gang stand ein Mann, der wie Errol Flynn aussah, und hielt die Zügel von zwei gesattelten Pferden in der Hand. Und da fiel ihm die Kleidung auf: Das war doch Robin Hood ! "Zieh Dich schnell an, und komm mit ! Ich bin zurückgekommen um umzuverteilen !". Rudi Oberberger brauchte nur wenige Sekunden, dann war ihm klar: Den lustigen Rudi gab es nicht mehr ! Er schließt sich Robin Hood an.
Wenig später ritt er hinter Robin Hood aus der Lobby des Maritim Hotels auf die Straße, von ungläubigen Blicken gefolgt.
Montag, April 17, 2006
Das Leben schreibt die besten Geschichten
Auf dem Weg zu ihrem Laden durchquerte Gabrielle Beaumarchais das Petite France. Selbst zu dieser frühen Uhrzeit waren schon Touristen unterwegs, fotografierten die sich im Wasser spiegelnden Fachwerkhäuser, studierten die Speisekarten und ließen ihre verschiedenen Sprachen durch die Gassen hallen. Sie schloß die Ladentür auf und dachte sich mal wieder daß die meisten Menschen gar nicht mehr wissen was ein Kurzwarengeschäft eigentlich im Angebot hat (*). Sie könnte sich schon lange zur Ruhe setzen, mit ihren 70 Jahren die Tage im Garten ihres kleinen Häuschens genießen - aber sie war in diesem Laden aufgewachsen, hatte auf dem Fußboden mit Knöpfen und Bordüren gespielt während ihre Mutter die Kunden beriet.Und da waren diese Erlebnisse für die es sich lohnte oft stundenlang im Laden auf Kundschaft zu warten.
Gestern nachmittag stürmte plötzlich ein junger Mann mit verwuschelten Haaren und leicht verrutschter Kleidung in den Laden. "Ich brauche unbedingt Ersatzknöpfe für dieses Hemd !". Gabrielle untersuchte das sehr klassisch wirkende Rüschenhemd und sah daß jeder zweite Knopf fehlte. Sie schenkte dem jungen Mann ein vieldeutiges Lächeln das dieser richtig verstand und gleich widersprach: "Es stimmt, meine Freundin darf nicht merken daß jemand mir Knöpfe abgeschnitten hat. Es war aber nicht das was sie denken würde !". Gabrielle meinte bei ihr gebe es eine Art Beichtgeheimnis und fing an die passenden Knöpfe zu suchen. Da erzählte der junge Mann: "Auch wenn Sie mir nicht glauben: Ich wollte in einem Lokal am Place St. Etienne einen Flammkuchen essen. Ich war der einzige Gast. Als ich in den Keller auf die Toilette ging und dort wieder aus der Tür kam stand die Bedienung und die zwei Köche vor mir. Die Bedienung meinte 'der sieht doch sehr gesund und trainiert aus, der gibt guten Speck'. Daraufhin packten mich die beiden Köche, drückten mich auf den Boden, und die Bedienung fing an sadistisch grinsend mit einem Filettiermesser die Knöpfe an meinem Hemd abzuschneiden. 'Jetzt mach keine Foltershow sondern beeil Dich, ich brauche den Bauchspeck, die angemeldeten Gäste kommen sicher bald !' fuhr sie der ältere Koch an.
Da gab es Lärm von oben, eine Gruppe amerikanischer Touristen betrat das Lokal. Die drei ließen von mir ab und stiegen die Treppe hoch, die Bedienung warf mir einen enttäuschten Blick zu. Ich bin so schnell ich konnte aus dem Lokal gerannt..."
Gabrielle hatte in der Zwischenzeit passende Knöpfe gefunden und als besonderen Service sogar angenäht.
Während sie so an das gestrige Erlebnis zurückdachte setzte sie den Kaffee auf, legte die mitgebrachten Croissants auf den Ladentisch und bereitete ihr zweites Frühstück vor. Mal sehen was der heutige Tag für spannende Geschichten bringt dachte sie und schaute auf die vor dem Laden vorbeiziehenden Touristen.
(*) der entsprechende französische Begriff mercerie wird ebenso dem Vergessen anheimfallen (Anm. d. Übers.)
Sonntag, April 16, 2006
FROHE OSTERN
Slow Follower oder Trendsleeper
Wenn man nur durch Zufall auf vermeintlich neue Dinge stößt die wahrscheinlich schon längt durch etwas Neueres abgelöst sind und nur noch von Nostalgikern betrieben werden, zeigt wohl dass man zu wenig Zeit im Internet verbringt.
Nachdem ich also schon mit Jahren Verspätung das Bloggen entdeckt habe bin ich nun endlich zum Bookcrosser geworden. Natürlich habe ich schon länger etwas davon gehört, aber jetzt hat mich ein Bekannter dafür begeistert und ich bin eingestiegen:
GESTERN HABE ICH DAS ERSTE BUCH FREIGELASSEN !
Natürlich hat das ganze auch wieder einen Unterhaltungscharakter: Wenn man die Bücher nicht einfach so in das freie Leben entlässt sondern sie unter www.bookcrossing.com registriert und hofft wieder von ihnen zu hören...
Nachdem ich also schon mit Jahren Verspätung das Bloggen entdeckt habe bin ich nun endlich zum Bookcrosser geworden. Natürlich habe ich schon länger etwas davon gehört, aber jetzt hat mich ein Bekannter dafür begeistert und ich bin eingestiegen:
GESTERN HABE ICH DAS ERSTE BUCH FREIGELASSEN !
Natürlich hat das ganze auch wieder einen Unterhaltungscharakter: Wenn man die Bücher nicht einfach so in das freie Leben entlässt sondern sie unter www.bookcrossing.com registriert und hofft wieder von ihnen zu hören...
Freitag, April 14, 2006
Holzblog
Blog Party
abbloggen
Notizblog
Blogwart
Häuserblog
Blogbuchstabe
Blogflöte
Bloghaus
blogieren
BLOGSCHOKOLADE
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Donnerstag, April 13, 2006
Heute nacht: DJ Devil
DJ Devil, der mit bürgerlichem Namen Heribert Kreuzegger heißt, wird vom Satan zu einem Gespräch vorgeladen. Als er die geschmackvoll, aber sehr altertümlich im Hieronymus-Bosch-Stil eingerichtete Höhle seines Chefs betritt liegt dieser in seinem Lava-Whirlpool und winkt DJ Devil heran.
- Ihre Arbeitsleistungen sind bodenlos ! Keine einzige Seele im letzten Jahr ! Was haben Sie dazu zu sagen ?
- Aber Herr Dr. Satan, ich arbeite in einem strategischen Projekt ! Ich bereite den Boden für eine sehr gewinnbringende neue Sparte, ich besetze eine Marktnische. Ich bin kein Fußvolk das einzelne Seelen anwirbt. Bei mir geht es um den großen Erfolg !
- Wir finanzieren jetzt schon seit 2 Jahren dieses große Projekt mit dem Ziel im Nachtleben über die Musik Seelen zu fangen. Resultat: Null !
- Herr Dr. Satan, lassen Sie mich Ihnen die erreichten Meilensteine erläutern. Ich habe eine erfolgreiche Dark-Wave Partyreihe ins Leben gerufen, die jetzt schon Ableger in drei Städten hat, und das neu gegründete Label bringt demnächst die erste Compilation raus. Das Presseecho in den Szenemagazinen wie Zillo oder Sonic Seducer ist sehr gut: Ich werde als Rolemodel für den Dark-Wave-Lifestyle dargestellt. Die Anschubphase läuft also wie geplant.
- Aber messbare Erfolge sind alles was zählt ! Herr Kreuzegger, wenn ihr Projekt im nächsten Monat keinen Ertrag abwirft können Sie unten bei den Heizern mitarbeiten oder sich einen neuen Job suchen. Gehen Sie jetzt !
DJ Devil verläßt die Höhle und kann sich das Grinsen nicht verkneifen: Mit dem Projekt der Hölle AG hat er seine erfolgreiche Karriere im Musik- und Partybusiness begründet - und den Job als Teufel wollte er sowieso demnächst kündigen. Seelen anwerben ist ihm immer als ein moralisch verwerflicher Job vorgekommen, vergleichbar mit Versicherungsvertreter.
- Ihre Arbeitsleistungen sind bodenlos ! Keine einzige Seele im letzten Jahr ! Was haben Sie dazu zu sagen ?
- Aber Herr Dr. Satan, ich arbeite in einem strategischen Projekt ! Ich bereite den Boden für eine sehr gewinnbringende neue Sparte, ich besetze eine Marktnische. Ich bin kein Fußvolk das einzelne Seelen anwirbt. Bei mir geht es um den großen Erfolg !
- Wir finanzieren jetzt schon seit 2 Jahren dieses große Projekt mit dem Ziel im Nachtleben über die Musik Seelen zu fangen. Resultat: Null !
- Herr Dr. Satan, lassen Sie mich Ihnen die erreichten Meilensteine erläutern. Ich habe eine erfolgreiche Dark-Wave Partyreihe ins Leben gerufen, die jetzt schon Ableger in drei Städten hat, und das neu gegründete Label bringt demnächst die erste Compilation raus. Das Presseecho in den Szenemagazinen wie Zillo oder Sonic Seducer ist sehr gut: Ich werde als Rolemodel für den Dark-Wave-Lifestyle dargestellt. Die Anschubphase läuft also wie geplant.
- Aber messbare Erfolge sind alles was zählt ! Herr Kreuzegger, wenn ihr Projekt im nächsten Monat keinen Ertrag abwirft können Sie unten bei den Heizern mitarbeiten oder sich einen neuen Job suchen. Gehen Sie jetzt !
DJ Devil verläßt die Höhle und kann sich das Grinsen nicht verkneifen: Mit dem Projekt der Hölle AG hat er seine erfolgreiche Karriere im Musik- und Partybusiness begründet - und den Job als Teufel wollte er sowieso demnächst kündigen. Seelen anwerben ist ihm immer als ein moralisch verwerflicher Job vorgekommen, vergleichbar mit Versicherungsvertreter.
Dienstag, April 11, 2006
Wortbild
A nfang.
Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung. Stop !
GROSS. klein.
Unvollend
sträwkcüR
Abgek.
Bensiltausch.
laaaaannnnngggggzzzziiieeehhheeennn
lllallallllnn
Wort
tren nen
zusammenschreiben
Letztes Wort
Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung. Stop !
GROSS. klein.
Unvollend
sträwkcüR
Abgek.
Bensiltausch.
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lllallallllnn
Wort
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Letztes Wort
Montag, April 10, 2006
Ein Ferrari für das Prestige
Die alte Eiche an der scharfen Kurve der Landstrasse kurz vor der Schweizer Grenze hatte es satt. Regelmäßig zerschellten an ihr Samstag nachts aufgemotzte Autos - bei genauer Betrachtung waren es aber fast nur Kleinwagen. Tiefergelegte Corsas mit getönten Scheiben, Golfs mit kofferraumfüllenden Anlagen, Puntos mit riesigen Auspufftöpfen. Aber nichts von dem sie erzählen könnte, mit dem sie Eindruck bei der Kastanie auf dem nächsten Dorfplatz oder der Tanne hinter der Kuppe erwecken könnte. Und erst recht nicht bei der Plantane an der Schweizer Uferpromenade.
Als sie dann diesen typischen Klang aus der Ferne erschallen hörte schlug ihr Herz sofort höher: Ein Ferrari am Sonntag nachmittag ! Sicherlich ein Unternehmer oder ein Arzt mit schwarzem Geldkoffer auf dem Beifahrersitz, der den kleinen, meistens unbewachten Grenzübergang in die Schweiz ansteuert. Der Wohlklang kam immer näher, sie konnte etwas rotes über den benachbarten Hügel flitzen sehen. "Eins, zwei, drei" zählte die Eiche leise und trat mit einem großen Schritt mitten auf die Fahrbahn.
Als sie dann diesen typischen Klang aus der Ferne erschallen hörte schlug ihr Herz sofort höher: Ein Ferrari am Sonntag nachmittag ! Sicherlich ein Unternehmer oder ein Arzt mit schwarzem Geldkoffer auf dem Beifahrersitz, der den kleinen, meistens unbewachten Grenzübergang in die Schweiz ansteuert. Der Wohlklang kam immer näher, sie konnte etwas rotes über den benachbarten Hügel flitzen sehen. "Eins, zwei, drei" zählte die Eiche leise und trat mit einem großen Schritt mitten auf die Fahrbahn.
Sonntag, April 09, 2006
Die weise Schildkröte
Im Atlantik südwestlich der Bretagne ragt eine einzelne sturmumtobte Felsnadel aus dem Meer. Und auf dieser Nadel saß seit ewigen Zeiten eine riesige, alte und weise Schildkröte. Schon alte Überlieferungen berichten wie sich die bretonischen Druiden mit kleinen Booten auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg gemacht haben, um die Schildkröte um Rat zu fragen. Das Wissen um diese Schildkröte wurde in kleinen Kreisen gehütet und als großes Geheimnis weitergereicht.Über die Jahrhunderte wurden die Ratschläge der Schildkröte immer rätselhafter und schwerer zu deuten - kein Wunder, hatte die Schildkröte ja von der Entwicklung der Welt fast nichts mitbekommen. Nichtdestotrotz hatten sie einen enormen Einfluß auf die Weltgeschichte. Ihre bahnbrechenden Hinweise für Louis Pasteur stammten aus ihrem Wissen über druidische Heilkunde. Charles de Gaulle hatte bei ihr nachfragt, in welches Land er den vor der Nazi-Okkupation fliehen sollte. Und da sie wußte daß jenseits des Ärmelkanals eine Insel liegt in dem ebenfalls keltische Druiden leben empfahl sie ihm dieses Land.
Nun aber kam der Weihnachtsmann zu ihr, um sich Rat zu holen wie er die allgemeine Kommerzialisierung dieses Festes stoppen sollte und dem Wettlauf um die Geschenke Einhalt gebieten könnte. Die Schildkröte freute sich nach über einem Jahr endlich mal wieder Besuch zu bekommen. Der letzte Besuch hatte gesagt er hiesse Morrissey, wäre eine Art Troubadour und suche einen neuen Ort zur Inspiration. Und da nannnte sie ihm Rom - weil es die einzig kulturell bedeutende Stadt abseits von Paris war die sie kannte.
Die Schildkröte war besonders glücklich endlich mal wieder einen Druiden zu sehen, wenn auch einen lustig verkleideten. Sie fragte ihn nach den neuesten Steinkreisen, nach neuen magischen Symbolen - und da erkannte der Weihnachtsmann dass er eine Aufgabe hatte. Er forderte die Schildkröte auf mit ans Festland zu schwimmen um etwas von der neuen Welt mitzubekommen. Erst war die Schildkröte schockiert über den Gedanken. Dann lockte aber die Aussicht zu erfahren was alle ihre Ratschläge bewirkt hatten, wie sie die Welt entscheidend beeinflusst hat. Sie nahm den Weihnachtsmann auf den Rücken und verließ seit über tausend Jahren zum ersten Mal ihren Felsen. Und der Weihnachtsmann sang ihr "You have killed me" vor, eines der wunderbaren Lieder die Steven Patrick Morrissey in Rom geschrieben hat.
Freitag, April 07, 2006
Die Erschaffung der Winkel
Am Anfang hatte Gott die Translation geschaffen. Alles war einfach und klar. Vor, zurück, links, rechts, hoch, runter. Solange alles unendlich war kein Problem. Was interessierte schon was hinter einem lag wenn es ewig nach vorne weitergeht.
Nach der anstrengenden Woche mit der Schaffung der bewohnten Erdscheibe sah Gott daß es irgendwie nicht so ganz klappte: Die ersten Menschen liefen natürlich erstmal geradeaus los. Eva wurde am Rand des Paradies unsicher, lief etwas rückwärts, etwas zur Seite, und nachdem sie schon mehrmals beim Rückwärtslaufen gestolpert war setzte sie sich hin und beklagte ihr Schicksal. Adam dagegen schaltete auf sturr, wollte nicht rückwärts laufen und lief einfach geradeaus in die Wüste hinein.
Gott dachte angestrengt nach was da falsch läuft. Und nach einem Geistesblitz schuf er die Rotation und mit ihr die Winkel. Adam konnte sich umdrehen, lief zurück ins Paradies und traf dort auf eine wieder motivierte Eva - der Rest ist bekannt. Und da die Menschen jetzt auch auf Krümmungen laufen konnten machte er aus der Erdscheibe noch schnell eine Kugel.
Wenn man sich in Mathematik mit Rotationen beschäftigen muß wird es aber ersichtlich dass es sich dabei nicht um ein einfaches klares Konzept wie die Translation handelt sondern um eine schnelle Notlösung um die Entstehung der Menschheit zu ermöglichen
Nach der anstrengenden Woche mit der Schaffung der bewohnten Erdscheibe sah Gott daß es irgendwie nicht so ganz klappte: Die ersten Menschen liefen natürlich erstmal geradeaus los. Eva wurde am Rand des Paradies unsicher, lief etwas rückwärts, etwas zur Seite, und nachdem sie schon mehrmals beim Rückwärtslaufen gestolpert war setzte sie sich hin und beklagte ihr Schicksal. Adam dagegen schaltete auf sturr, wollte nicht rückwärts laufen und lief einfach geradeaus in die Wüste hinein.
Gott dachte angestrengt nach was da falsch läuft. Und nach einem Geistesblitz schuf er die Rotation und mit ihr die Winkel. Adam konnte sich umdrehen, lief zurück ins Paradies und traf dort auf eine wieder motivierte Eva - der Rest ist bekannt. Und da die Menschen jetzt auch auf Krümmungen laufen konnten machte er aus der Erdscheibe noch schnell eine Kugel.
Wenn man sich in Mathematik mit Rotationen beschäftigen muß wird es aber ersichtlich dass es sich dabei nicht um ein einfaches klares Konzept wie die Translation handelt sondern um eine schnelle Notlösung um die Entstehung der Menschheit zu ermöglichen
Mittwoch, April 05, 2006
Wolken ziehen vorüber
In einer gerade in den Arthaus-Kinos laufenden Eigenwerbung werden unter der Überschrift 50 Jahre Filmpaare viele kurze Momente aus Filmen der letzten 50 Jahre gezeigt, in denen Paare (meistens Mann und Frau) auftreten. Und die allerletzte Szene zeigt Ilona und Lauri vor ihrem Restaurant. Das hat mich wieder an diesen wunderbaren Film von Aki Kaursimäki erinnert. Für mich einer der herausragenden Filme wie sie es trotz immensen Angebot nur wenige gibt. Er sei damit allen zum Wiederansehen ans Herz gelegt !Interessanter Weise kommen meine bisherigen diesjährigen Filmfavoriten auch beide aus Skandinavien (Wiedersehen in Dalarma und Dark Horse).
Dienstag, April 04, 2006
Mohnblumen am Frühlingshimmel

Jeden Tag saß Herr Magensdorf auf dem Klappstuhl neben seinem alten Doppeldecker, trank Tee aus seiner Thermoskanne und wartete auf Kunden. Er war schon in Rente, aber er genoß die Geschäftigkeit des kleinen Regionalflughafens, das Plaudern mit den anderen Piloten, und natürlich das Fliegen.
Früher waren Rundflüge beliebt gewesen. Wer wollte nicht die Welt von oben sehen ? Jetzt ersetzten virtuelle Überblicke das Fliegen. Aber die damit verbundenen Gefühle vom Fliegen, das Vibrieren, die Geräusche, der immer begleitende Nervenkitzel - vor dem Computer war es doch egal ob man virtuell fliegt, fährt oder taucht. Sozusagen Fortbewegung light ohne die wesentlichen Bestandteile.
So sinnierte Herr Magensdorf gerne vor sich hin. Heute war aber ein von ihm selbst ausgerufener Freudentag: Seit Jahren hat er keinen Auftrag mehr in seiner Spezialdisziplin erhalten, etwas mit verschiedenfarbigem Rauch in den Himmel zu malen. Das war nun wirklich durch nichts zu ersetzen ! Deswegen hatte er beschlossen heute sein Meisterstück abzuliefern - völlig ohne Auftrag. Und er wußte genau: Das würde bemerkt werden. Wenn zwei Leute in den Himmel schauen ist es typisch Mensch auch nach oben zu sehen - und so würde bald die ganze Innenstadt in den Himmel starren. Auf den Straßen würde es Staus geben, die Menschen würden vergessen was sie eigentlich vor hatten, warum sie es eigentlich so eilig haben.
Er schraubte die Thermoskanne zu, klappte den Stuhl zusammen, stieg in das Cockpit und strich die Vorlage glatt, die er sorgfältig befestigt hatte. Jetzt wird er das Bild die Mohnblumen von Claude Monet an den Frühlingshimmel malen.
Montag, April 03, 2006
Nasi Korrekt

In der Wochenendausgabe der Tageszeitung zwischen Anzeigen für Veranstaltungen diese Werbung: Eine Nasenkorrektur ! Korrektur heißt hier ja nicht dass die Nase bisher falsch war, sondern dass sie nicht einem von wem auch immer definierten Nasen-Ideal entspricht.
Das ist eine erschreckende Vision: Die bisherige Vielfalt von Nasentypen wird durch die Euro-Einheitsnase ersetzt. Die Nase ist bisher ein sehr individuelles Merkmal.
Aber wie sieht das Schönheitsideal für Nasen aus ? Frau Einzelfall könnte sicher eine ausführliche Darstellung über Nasenideale in der europäischen Kunstgeschichte liefern.
Sonntag, April 02, 2006
Die Lange Nacht der Nacht
Lange Nächte haben Konjunktur. Die Lange Nacht der Museen gibt es wohl inzwischen in jeder deutschen Stadt: Menschenmengen quetschen sich durch Sammlungen die sie sonst nie betreten würden, sind hauptsächlich damit beschäftigt den Weg zur Bar oder zur Live-Band zu finden und können dann erzählen dabeigewesen zu sein. Der interessante Teil ist der Zugang zu im allgemeinen nicht öffentlichen Einrichtungen, bei denen es immer wieder ungeahnte Dinge zu entdecken gibt.
Weitere lange Nächte wie die der Literatur, des Sports oder der Musik haben unterschiedlichen Erfolg. Jetzt gibt es auch schon Einkaufsnächte (die Geschäfte haben bis 24 Uhr geöffnet).
Ich würde zum Ausgleich eine Lange Nacht der Nacht begrüßen ! Da die anderen Veranstaltungen die Nacht zum Tage machen würde bei einer Nacht der Nacht dieser Teil des Tages sein Recht zurückgewinnen. Die ganze Straßenbeleuchtung ist abgeschaltet, die Innenstadt für den Verkehr weiträumig abgesperrt. Teilnehmende Kulturinstitutionen, Kneipen, etc. sollen möglichst auf elektrisches Licht verzichten und dem Thema angemessene Angebote machen. Attraktionen wie Beobachtung des Sternenhimmels (der wäre dann in der Stadt zu sehen), nachtaktive Tiere (Ratten, Fledermäuse, ..) würden zur Stimmung beitragen.
Natürlich würde die sich einstellende Menschenflut dem Konzept dann eher widersprechen. Also vielleicht doch lieber die persönliche Nacht der Nacht im Wald !
Weitere lange Nächte wie die der Literatur, des Sports oder der Musik haben unterschiedlichen Erfolg. Jetzt gibt es auch schon Einkaufsnächte (die Geschäfte haben bis 24 Uhr geöffnet).
Ich würde zum Ausgleich eine Lange Nacht der Nacht begrüßen ! Da die anderen Veranstaltungen die Nacht zum Tage machen würde bei einer Nacht der Nacht dieser Teil des Tages sein Recht zurückgewinnen. Die ganze Straßenbeleuchtung ist abgeschaltet, die Innenstadt für den Verkehr weiträumig abgesperrt. Teilnehmende Kulturinstitutionen, Kneipen, etc. sollen möglichst auf elektrisches Licht verzichten und dem Thema angemessene Angebote machen. Attraktionen wie Beobachtung des Sternenhimmels (der wäre dann in der Stadt zu sehen), nachtaktive Tiere (Ratten, Fledermäuse, ..) würden zur Stimmung beitragen.
Natürlich würde die sich einstellende Menschenflut dem Konzept dann eher widersprechen. Also vielleicht doch lieber die persönliche Nacht der Nacht im Wald !
Freitag, März 31, 2006
Mirakulös !
Wunder ! Früher waren Wunder noch etwas besonderes. Wunder wurden von Göttern oder ihren Stellvertretern auf Erden verbracht, auch Feen werden solche Fähigkeiten zugeschrieben. Wunder waren etwas absolut unerklärliches, eine Intervention einer höheren Macht um das Schicksal zu wenden.
Und heute: Da ist im Fußball der Sieg des Außenseitersteams gegen den Favoriten gleich ein Wunder. Überlebt jemand ein schweres Unglück titeln die Schlagzeilen Wunder. Das Wort ist durch den inflationären Einsatz abgenutzt worden.
Das schöne, etwas altertümliche Wort Mirakel ist eine wunderbare - oder besser gesagt mirakulöse - Alternative. Leider ist es durch den Produktnamen eines unnötigen Lebensmittels angekratzt, hat aber immer noch genügend Strahlkraft.
Wunder gibt es genug, ich warte auf ein Mirakel !
Und heute: Da ist im Fußball der Sieg des Außenseitersteams gegen den Favoriten gleich ein Wunder. Überlebt jemand ein schweres Unglück titeln die Schlagzeilen Wunder. Das Wort ist durch den inflationären Einsatz abgenutzt worden.
Das schöne, etwas altertümliche Wort Mirakel ist eine wunderbare - oder besser gesagt mirakulöse - Alternative. Leider ist es durch den Produktnamen eines unnötigen Lebensmittels angekratzt, hat aber immer noch genügend Strahlkraft.
Wunder gibt es genug, ich warte auf ein Mirakel !
Donnerstag, März 30, 2006
Osterhase in der Osterkrise

Der alte Osterhase sitzt in seinem Lehnstuhl, läßt die Zeitung sinken und fängt mal wieder an über die modernen Zeiten zu klagen.
- Damals haben die Osterhasen Ostereier gebracht. Und Ostereier, das waren Eier, die bunt bemalt werden. Und heutzutage ? Da ist Ostern zu einem Konsumfest geworden, das sich in nichts von Weihnachten oder Geburtstagen unterscheidet,
- Du sieht mal wieder alles nur schwarz, erwidert sein Enkel. Natürlich sind die Kinder heutzutage nur mit Eiern nicht mehr zu erfreuen. Die Zeiten haben sich geändert, schließlich herrscht keine durchgehende Armut mehr. Aber Hauptsache man denkt noch an Ostern, und an uns ! Und Ostereier suchen ist bei den Kleinen immer noch hoch im Kurs.
- Ostereier nennst Du das ? Die süße Schokomasse in nicht biologisch abbaubarer Verpackung, teilweise noch mit eklig süß-klebriger Füllung ! Um möglichst schnell die eh nicht eingehaltene Fastenzeit zu kompensieren ?
- Aber Opa, warum bist Du so verbittert ! Der Sinn ist doch einfach dass es Spaß machen und schmecken soll. Es gibt zum Beispiel sehr leckere Schokoeier von Gubor.
- Und dann soll man noch bei den Kindern den Markenwahn fördern ? Und Ostereier von Milka, die immer gleiche süße Schokopampe, nun mal in Eierform um auch da mitzuverdienen - das ist das Ende von Ostern wie wir es kennen.
Der Enkel grinst und summt leise das passende Lied von R.E.M.
- Ich finde das gar nicht lustig ! Was gibt es denn am heutigen Ostern noch positives ?
- Aber Opa ! Jetzt gibt es Schokoladen-Osterhasen ! Die Menschen halten uns in hohen Ehren ! Natürlich gibt es auch Milka-Osterhasen, das ist die heutige Welt. Aber dieser leckere Schokohase von Lindt ! Der ist dir doch wie aus dem Gesicht geschnitten. Und klassisch-zeitlos. Probier doch mal !
- Hmmm. Der ist ja wirklich sehr köstlich. Und Verpackung hin oder her, das ist ja schon fast ein goldenes Denkmal für uns Osterhasen. Vielleicht ist ja Ostern doch noch nicht ganz verloren.
Mittwoch, März 29, 2006
Rückkehr nach Sommerby

Die so vertraute Landschaft zog am Fenster des Großraumwaggons vorbei. Sie wirkte wie ein in sich ruhendes Stück Natur, eine unaufdringliche Welt von ewiger Schönheit. Keine eitle, nach Bewunderung heischende Attraktion wie er sie bei seinen Reisen durch die USA gesehen hatte. Keine Postkartenidylle, keine irreal schönen Anblicke wie in der Provence. Sondern eine ehrliche, offene Landschaft. Während Lisa Ekdahl "öppna upp ditt fönster" aus seinem Kopfhörer sang, seine letzte in Schweden gekaufte CD bevor er vor über 10 Jahren seinen Heimatort verließ, erinnerte er sich an das Gefühl, nach Abschluß seines Studiums endlich die weite Welt entdecken zu wollen, bei einem internationalen Konzern seine Zukunft zu finden.
Er war durch die Welt gereist, hat auf verschiedenen Kontinenten gewohnt, war aber nie wirklich zuhause gewesen. Er hatte zwar immer mehr Geld gehabt als er ausgeben konnte, aber nie die Zeit länger als für die Weihnachtstage nach Schweden zurückzukehren.
Er hatte gedacht so sei das Erwachsenwerden halt: Man ist abgebrüht, desillusioniert, man sammelt Reize aber man erlebt nie mehr das Gefühl des Angekommenseins, des In-Sich-Ruhens, ja das Gefühl irgendwo hinzugehören. Die Stimme von Lisa Ekdahl weckte Erinnerungen - haben alle Frauen mit denen er wirklich glücklich war nicht schwedisch gesprochen ? Mit seiner amerikanischen Frau hatte er sich gut verstanden, der unspektakulären Ehe folgte eine ebenso unspektakuläre Scheidung, aber er hatte nie das Gefühl dass sie wirklich zusammen und an den Ort gehörten an dem sie gerade waren, auch wenn es ihr wunderbares Ferienhaus in Turtle Beach war.
Als seine Eltern in eines Tages anriefen und meinten, er hätte doch sicher nichts dagegen wenn sie ihr Haus in Sommerby verkaufen um in ein Seniorenwohnheim zu ziehen, widersprach er zu seinem eigenen Erstaunen. Und bevor er sich das alles erklären konnte hatte er seinem Arbeitgeber gekündigt, seine momentane Wohnung in L.A. aufgelöst und war auf dem Weg zurück nach Sommerby.
Und je näher er kam um so näher fühlte er sich seinem verlorengegangenem Ich. Er hatte die schon lange nicht mehr gespürte Ahnung nach Hause zu kommen. Er wußte noch nicht was er eigentlich machen wollte, er wußte nur daß er endlich den Ort finden würde den er die ganze Zeit gesucht hat.
Er schloß die Augen und stellte sich das weiß getünchte Haus mit dem Reetdach vor, den Garten, den er immer etwas verwildert in Erinnerung hatte, und die alten Gartenmöbel, an denen er morgen erstmal ausgiebig frühstücken würde.
Dienstag, März 28, 2006
Revolutionäre Humanisten verschlafen die Wahl
Eine mir unbekannte Partei wirbt für eine Veranstaltung: Das Parteiprogramm der Gruppe "Die Humanisten" wird vorgestellt. Heute abend - und damit drei Tage nach der Landtagswahl - kann man sich das Manifest der Partei anhören. Manifest des revolutionären Humanismus - das klingt nach unbedeutender, aber extremer Splitterpartei, die die Religionen mit einem Staatsstreich abschaffen will. Und dabei so weltfremd ist, über der internen Diskussion zwischen den verschiedenen Splittergruppen die Wahl zu verpassen. Und außerdem das entscheidende R vergessen hat.Die Humanisten hießen früher freireligiöse Landesgemeinde, und hinter dem Manifest steckt eine Stiftung. Ist also leider viel banaler als es erscheint...
Montag, März 27, 2006
Der Frühling ist da: Ms. John Soda
Es war bereits 23 Uhr als im Club meines Vertrauens Ms. John Soda die Bühne betraten. Am Sonntagabend nicht gerade eine arbeitnehmerfreundliche Zeit, aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt !
Wenn in einer Gruppe einer der umtriebigen Gebrüder Acher spielt, ist dies ja ein unstrittiges Qualitätsmerkmal. Hier ist es Micha Acher, der mit Stephanie Böhm (von der ebenfalls zu empfehlenden Gruppe Couch) die Gruppe Ms. John Soda bildet und verstärkt mit zwei weiteren Musikern das Konzert bestreitet.
In einem sehr guten Sound spielen sie ihre Version von Pop-Musik, rhythmische in die Beine gehende Stücke mit wunderbaren eingehenden Melodien, schönen laut-leise Wechseln. Man sieht den Musikern die Freude an ihrem Auftritt an, vor allem die Sängerin strahlt ins Publikum während ihre helle, in der Musik nie untergehende Stimme erklingt.
Das Konzert löste eine euphorische Frühlingsstimmung in mir aus die jetzt noch nachwirkt. Oder fühle ich vielmehr den endlich angefangenen, wahrhaftigen Frühling ?
Wenn in einer Gruppe einer der umtriebigen Gebrüder Acher spielt, ist dies ja ein unstrittiges Qualitätsmerkmal. Hier ist es Micha Acher, der mit Stephanie Böhm (von der ebenfalls zu empfehlenden Gruppe Couch) die Gruppe Ms. John Soda bildet und verstärkt mit zwei weiteren Musikern das Konzert bestreitet.
In einem sehr guten Sound spielen sie ihre Version von Pop-Musik, rhythmische in die Beine gehende Stücke mit wunderbaren eingehenden Melodien, schönen laut-leise Wechseln. Man sieht den Musikern die Freude an ihrem Auftritt an, vor allem die Sängerin strahlt ins Publikum während ihre helle, in der Musik nie untergehende Stimme erklingt.
Das Konzert löste eine euphorische Frühlingsstimmung in mir aus die jetzt noch nachwirkt. Oder fühle ich vielmehr den endlich angefangenen, wahrhaftigen Frühling ?
Sonntag, März 26, 2006
Leben - und was noch ?

Samstagnachmittag. Menschen mit und ohne Einkaufstüten laufen durch die Fußgängerzone. Kleine Gruppen stehen einfach herum, unterhalten sich und genießen das leicht frühlingshafte Wetter. Einige sitzen bereits tapfer an den Tischchen vor dem Café - aber man sieht ihnen das leichte Frösteln an.
An einem Geschäft dann das Schild "living & more". Das klingt so überflüssig wie "Fit for Fun", "Hair Company" und ähnliche sinnentleerte Anglizismen. Dementsprechend wird dieser Mahnspruch auch übersehen und ignoriert.
Hinter diesem so harmlos wirkenden Schild verbirgt sich aber die große Fragestellung: Gibt es etwas anderes als das reine Leben ? Gibt es zum Beispiel ein Leben nach dem Tod, residiert in diesem Haus also eine Kirche oder eine heilsbringende Sekte ? Oder soll auf die Sinnfrage angespielt werden, dass das Leben mehr als biologische Funktionen bedeutet, dass es noch etwas transzendentes wie Geist oder Seele gibt - und gibt es hier Unterstützung bei der Suche nach der eigenen Verknüpfung mit dem großen Ganzen oder Pauschalreisen zum angesagten Guru zu buchen ? Wie so oft ist die richtige Antwort enttäuschend gegenüber den gefunden Möglichkeiten, und soll daher auch verschwiegen werden.
Mittwoch, März 22, 2006
45 Minuten für die Ewigkeit
An der Bäckerei-Theke im Supermarkt. Während der Kunde vor mir bedient wird unterhalten sich zwei junge Angestellte vor den mit Backwaren gefüllten Regalen . Die eine blickt auf ihre Uhr: "Das ist in einer dreiviertel Stunde. Wieviel Minuten sind das denn ?" Die andere: "Also eine Stunde hat doch 60 Minuten. Aber eine dreiviertel Stunde ?". Die beiden schauen sich ratlos an und kapitulieren vor dieser schwierigen Aufgabe.
Diese schöne Geschichte ist mir leider nicht eingefallen, ich habe sie tatsächlich in etwa dieser Form erlebt. Man könnte sie aber gut durch die Änderung "Also eine Stunde hat doch 100 Minuten" noch eindrucksvoller machen (oder pimpen, um dieses schöne Wort erstmalig in diesem Blog zu verwenden).
Diese schöne Geschichte ist mir leider nicht eingefallen, ich habe sie tatsächlich in etwa dieser Form erlebt. Man könnte sie aber gut durch die Änderung "Also eine Stunde hat doch 100 Minuten" noch eindrucksvoller machen (oder pimpen, um dieses schöne Wort erstmalig in diesem Blog zu verwenden).
Montag, März 20, 2006
Der FF-Effekt
Die meisten Menschen haben immer mal wieder das Gefühl ein angenehmer Zeitabschnitt wie Urlaub würde besonders schnell vergehen, wie wenn jemand auf den schnellen Vorlauf gedrückt hätte. Natürlich kann man versuchen dies mit psychologischen Aspekten zu erklären. Damit kommt man der Wahrheit aber nicht näher !
Die Welt jedes Menschen ist das Ergebnis eines Simulationsprogramms. Erfahrungsgemäß befinden sich in allen Computer-Programmen hinreichend viele Fehler. Und diese Zeitraffer ist nur ein ganz einfacher, unbeabsichtigter Seiteneffekt: In den Routinen die das Wohlbefinden des Menschen darstellen wird aufgrund eines Programmierfehlers die Zeitschrittweite des Programms erhöht, damit vergeht die Zeit schneller wenn diese Routinen angesprungen werden.
Ist doch ohne jegliche Mystifizierung ganz einfach zu erklären !
Die Welt jedes Menschen ist das Ergebnis eines Simulationsprogramms. Erfahrungsgemäß befinden sich in allen Computer-Programmen hinreichend viele Fehler. Und diese Zeitraffer ist nur ein ganz einfacher, unbeabsichtigter Seiteneffekt: In den Routinen die das Wohlbefinden des Menschen darstellen wird aufgrund eines Programmierfehlers die Zeitschrittweite des Programms erhöht, damit vergeht die Zeit schneller wenn diese Routinen angesprungen werden.
Ist doch ohne jegliche Mystifizierung ganz einfach zu erklären !
Sonntag, März 19, 2006
F*R*Ü*H*L*I*N*G

Sonntagnachmittag. Ein Platz im Café ist schwer zu finden. Dann ein Platz in der vordersten Reihe, Sonne und Blick über den erleuchtenden Platz. Kaffee, Kuchen, den Gesprächen an den Nebentischen lauschen, die glücklichen Leute beobachten, die die Sonne geniessen, nebenbei ein Buch lesen.
Hurra, der Frühling ist gekommen !
Samstag, März 18, 2006
Verschwörung am Gartenteich
Der Gartenzwerg läßt seine Angel ins Wasser baumeln und starrt mit leerem Blick auf die Seerose, die mitten im Teich blüht. Plötzlich bricht der Koikarpfen durch die Wasseroberfläche und ruft dem Zwerg zu: "Ach Alois, ich halte das einfach nicht mehr aus ! Der Typ hat schon wieder so ekliges Futter gekauft, aber ich muss es herunterwürgen, es gibt ja sonst nichts in diesem sterilen Wasserloch". Der Karpfen Himashi sprach diese Sätze natürlich nicht am Stück, sondern tauchte immer wieder zum Atemholen unter. "Mir geht es auch nicht besser" stöhnt Alois. "Er hat mich von meinen Freunden im Vorgarten getrennt und mich hierher ins Exil verbannt". "Wir sollten endlich etwas unternehmen" meldet sich die Seerose zu Wort. "Der Idiot vergisst immer wieder den Dünger, und die Filteranlage macht auch den letzten Nährstoffen den Garaus". "Ach Jasmin" seufzte Alois zu der Seerose, die in Wirklichkeit Blümchen hiess, sich aber den Künsternamen Jasmin Wagner gegeben hatte. "Das ist unser Schicksal. Wir sind hier im Fegefeuer und müssen dies alles ertragen".
"Blödsinn" rief Himashi aus. "Das ist mal wieder typisch deutsch, sich seinem Schicksal ergeben und nicht merken dass man selber etwas dagegen unternehmen kann !". "Aber was sollen wir denn schon machen. Wir haben doch keine Chance gegen diesen Riesen". "Das wichtigste ist ein guter Plan, und meine Vorfahren haben in der langen Geschichte viel über Kriegslist gelernt" widersprach Himashi. Erst widerwillig, aber dann mit steigender Begeisterung fingen Alois und Jasmin an mit Himashi den perfekten Schlachtplan zu erstellen.
Am nächsten Samstagnachmittag mäht Herr Bernhuber wie immer seinen Garten mit seinem Elektrorasenmäher. Als er am Teich vorbeikommt erstarrt er. Die Seerose läßt ihren Kopf hängen ! Er läßt den Rasenmäher laufen, kniet sich an den Teichrand, greift unter die Wasseroberfläche und will die Blüte abreissen, die so seinem Bild des perfekten Gartens wiederspricht. In dem Moment beisst im Himashi mit aller Kraft in den Zeigefinger. Herr Bernhuber schreit auf, verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Teich. Himashi springt im nächsten Moment aus dem Teich während Alois mit der Angel den Rasenmäher anschubst, der sodann in den Teich rollt. Der Stromschlag tötet Herrn Bernhuber auf der Stelle. Die Sicherung reagiert, aber zu spät. Himashi kämpft sich zurück ins wieder sichere Wasser, Jasmin erhebt ihr hübsches Gesicht und Alois lässt seine Angel im Teich baumeln. ein Bild der Idylle.
Frau Bernhuber mochte Gartenzwerge noch nie. Sie stellt Alois zurück in den Vorgarten zu seinen Freunden - sie bringt es nicht übers Herz sie wegzuwerfen, aber zumindest will sie keinen im Garten sehen. Ausserdem hasst sie es den Teich zu reinigen - so kann sich Jasmin über viele Nährstoffe freuen. Für Himashi entdeckt sie ihre Herz, und achtet immer sehr darauf, welches Futter er mit der grössten Begeisterung frisst.
"Blödsinn" rief Himashi aus. "Das ist mal wieder typisch deutsch, sich seinem Schicksal ergeben und nicht merken dass man selber etwas dagegen unternehmen kann !". "Aber was sollen wir denn schon machen. Wir haben doch keine Chance gegen diesen Riesen". "Das wichtigste ist ein guter Plan, und meine Vorfahren haben in der langen Geschichte viel über Kriegslist gelernt" widersprach Himashi. Erst widerwillig, aber dann mit steigender Begeisterung fingen Alois und Jasmin an mit Himashi den perfekten Schlachtplan zu erstellen.
Am nächsten Samstagnachmittag mäht Herr Bernhuber wie immer seinen Garten mit seinem Elektrorasenmäher. Als er am Teich vorbeikommt erstarrt er. Die Seerose läßt ihren Kopf hängen ! Er läßt den Rasenmäher laufen, kniet sich an den Teichrand, greift unter die Wasseroberfläche und will die Blüte abreissen, die so seinem Bild des perfekten Gartens wiederspricht. In dem Moment beisst im Himashi mit aller Kraft in den Zeigefinger. Herr Bernhuber schreit auf, verliert das Gleichgewicht und stürzt in den Teich. Himashi springt im nächsten Moment aus dem Teich während Alois mit der Angel den Rasenmäher anschubst, der sodann in den Teich rollt. Der Stromschlag tötet Herrn Bernhuber auf der Stelle. Die Sicherung reagiert, aber zu spät. Himashi kämpft sich zurück ins wieder sichere Wasser, Jasmin erhebt ihr hübsches Gesicht und Alois lässt seine Angel im Teich baumeln. ein Bild der Idylle.
Frau Bernhuber mochte Gartenzwerge noch nie. Sie stellt Alois zurück in den Vorgarten zu seinen Freunden - sie bringt es nicht übers Herz sie wegzuwerfen, aber zumindest will sie keinen im Garten sehen. Ausserdem hasst sie es den Teich zu reinigen - so kann sich Jasmin über viele Nährstoffe freuen. Für Himashi entdeckt sie ihre Herz, und achtet immer sehr darauf, welches Futter er mit der grössten Begeisterung frisst.
Freitag, März 17, 2006
Von Hochzeit zu Epic Soundtrack
Jetzt mache ich mich gleich auf den Weg zu einer standesamtlichen Hochzeit. Zu Hochzeit fiel mir gerade spontan das Lied "Marry Me (Lie Lie)" ein. Ein Blick in das CD-Regal zeigt dass die Platte von "These Immortal Souls" 1987 erschienen ist. Ich finde die Musik aber einfach zeitlos. Der Sänger war Rowland S. Howard. Gibt es den noch, was macht er ? Ich weiss dass er auch eine Platte mit Nikki Sudden gemacht hat. Den gibt es sicher noch: Ich habe ihn gerade vor ein paar Monaten live in einem kleinen Club gesehen. Er spielt immer noch seine Version von Rock-Musik, und brachte auch wieder seine Klassiker "Fortune of Fame" oder "Big Store". Die stammen von Jacobites-Platten, d.h. die Platten die er mit Dave Kusworth aufgenommen hat. Was macht der zur Zeit ? Nikki Sudden erinnerte auf dem Konzert an seinen vor 9 Jahren verstorbenen Bruder, der sich Epic Soundtrack nannte. Der hat übrigens auf der Immortal Souls Schlagzeug gespielt. Ich habe ihn vor über neun Jahren in München live gesehen, wo er eigene Lieder am Flügel vortrug - das war ein sehr schönes Konzert ! Wenig später ist er gestorben...
Mit diesen melancholischen Gedanken gehe ich jetzt zu einem sogenannten schönsten Tag im Leben eines Paares.
Mit diesen melancholischen Gedanken gehe ich jetzt zu einem sogenannten schönsten Tag im Leben eines Paares.
Donnerstag, März 16, 2006
Der / die / das Mond
Der Mond übt auf viele eine magische Anziehungskraft aus - zuletzt im Buch "der Umfang der Hölle" von Heinrich Steinfest auf die Hauptfigur Reisinger. Ist der Mond nun der alte Linke (wie in einem Lied von Britta) oder vielleicht doch weiblich (wie im Französischen) ?
Wahrscheinlich gibt es unzählige wissenschaftliche Arbeiten über die Bedeutung des Mondes in der Kultur verschiedener Völker. Ich will nur soviel dazu sagen: Auch ich gehöre zu den Mond-Anhänger und kann mich immer wieder sehr über seinen Anblick freuen.
Um für den Mondanbeter-Nachwuchs zu sorgen empfehle ich Kinder mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius zu beeinflussen. Das hat bei mir gewirkt - es war mein Lieblings-Kinderlied.
Wahrscheinlich gibt es unzählige wissenschaftliche Arbeiten über die Bedeutung des Mondes in der Kultur verschiedener Völker. Ich will nur soviel dazu sagen: Auch ich gehöre zu den Mond-Anhänger und kann mich immer wieder sehr über seinen Anblick freuen.
Um für den Mondanbeter-Nachwuchs zu sorgen empfehle ich Kinder mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius zu beeinflussen. Das hat bei mir gewirkt - es war mein Lieblings-Kinderlied.
Mittwoch, März 15, 2006
Hauptsache ordentlich wiglafen !
Gestern bei der Lesung von Wiglaf Droste - meine erste Begegnung mit ihm und seinen Glossen. Das Publikum lässt sich gefällig unterhalten. Wiglaf Droste ist der Metzger wenn Max Goldt der Chirurg ist. Texte über (bei Droste zumeist gleichbedeutend mit gegen) Beckenbauer, Ratzinger/Benedikt, Religion, Nordic Walking, Bemerkungen "über" Niedecken....
Die Lesung war durchaus ein Erlebnis und beste Unterhaltung. Teils schöne Wort-/Satzgebilde, gute Beobachtungen... Ausserdem sang Wiglaf "Muse feiffe inne Wind", seine Version des Dylan-Klassikers. Mir war es aber zu sehr ein Abend des selbstgefälligen Schenkelklopfens, des gemeinsamen Elitenbewusstsein und des Herabsetzen statt kritisch damit Beschäftigen.
Teilweise kam zum Vorschein dass das Schaffen von Wiglaf Droste wohl auch andere Seiten hat, der gestrige Abend stand aber unter dem Motto "Wiglaf metzgert des Intellektuellen Lieblingsfeinde".
Die Lesung war durchaus ein Erlebnis und beste Unterhaltung. Teils schöne Wort-/Satzgebilde, gute Beobachtungen... Ausserdem sang Wiglaf "Muse feiffe inne Wind", seine Version des Dylan-Klassikers. Mir war es aber zu sehr ein Abend des selbstgefälligen Schenkelklopfens, des gemeinsamen Elitenbewusstsein und des Herabsetzen statt kritisch damit Beschäftigen.
Teilweise kam zum Vorschein dass das Schaffen von Wiglaf Droste wohl auch andere Seiten hat, der gestrige Abend stand aber unter dem Motto "Wiglaf metzgert des Intellektuellen Lieblingsfeinde".
Montag, März 13, 2006
Was passiert mit der Zeit ?
Wohin verschwindet die Zeit ? Wie kommte es dass keine Zeit mehr da ist ?
Füllt sie die Flaschen, aus denen man in der Kneipe trinkt ? Bildet sie einen Belag auf den Seiten die man gelesen hat ? Kondensiert sie an den Wänden und der Decke des Clubs ? Bildet sie als Abrieb Spuren unter den Fahrradreifen ? Wird sie vom Laser des CD-Spielers gespalten ?
Wenn ich diese Frage geklärt habe, habe ich auch mehr Zeit zum Bloggen.
Füllt sie die Flaschen, aus denen man in der Kneipe trinkt ? Bildet sie einen Belag auf den Seiten die man gelesen hat ? Kondensiert sie an den Wänden und der Decke des Clubs ? Bildet sie als Abrieb Spuren unter den Fahrradreifen ? Wird sie vom Laser des CD-Spielers gespalten ?
Wenn ich diese Frage geklärt habe, habe ich auch mehr Zeit zum Bloggen.
Freitag, März 10, 2006
Die Postkarte
Auf dem Hügel ausserhalb des Dorfes steht ein älteres Gebäude. Schon etwas heruntergekommen, mit bröckelndem Putz läßt es immer noch erahnen dass es von einem Industriellen in der Gründerzeit als Sommerfrische erbaut wurde. Mit grosser Veranda, Wintergarten und verwildertem Garten macht es jetzt einen eher verwunschenen Eindruck. Jedesmal wenn es Post für den dort alleine wohnenden Rentner zu verteilen gibt, muss der Postbote aus dem Dorf heraus und die steile Auffahrt auf den Hügel hochradeln.
An diesem Tag hält der Postbote eine Postkarte in der Hand, die mit einer sehr altmodisch wirkenden, akkuraten Handschrift adressiert war. Sollte er nur für diese Postkarte den weiten Weg auf sich nehmen ? Er wiegt die Postkarte in der Hand und beginnt sie genauer zu betrachten. Eine Ansichtskarte die ein Dorf an einem bayerischen See zeigt. Er dreht die Karte um und beginnt zu lesen.
Nachdem er die Karte das zweite Mal gelesen schaut er in den Himmel während in seinem Kopf Erinnerung um Erinnerung auftauchen und um seine Aufmerksamkeit buhlen. Er steigt auf das Rad und fährt in rasendem Tempo dem Hügel hinauf.
Ausser Atem klingelt er Sturm, drückt dem verdutzten Rentner die Postkarte in die Hand und schreit heraus: "Ich hoffe ich muss nicht bis zur Rente warten um nochmal etwas von IHR zu hören".
An diesem Tag hält der Postbote eine Postkarte in der Hand, die mit einer sehr altmodisch wirkenden, akkuraten Handschrift adressiert war. Sollte er nur für diese Postkarte den weiten Weg auf sich nehmen ? Er wiegt die Postkarte in der Hand und beginnt sie genauer zu betrachten. Eine Ansichtskarte die ein Dorf an einem bayerischen See zeigt. Er dreht die Karte um und beginnt zu lesen.
Nachdem er die Karte das zweite Mal gelesen schaut er in den Himmel während in seinem Kopf Erinnerung um Erinnerung auftauchen und um seine Aufmerksamkeit buhlen. Er steigt auf das Rad und fährt in rasendem Tempo dem Hügel hinauf.
Ausser Atem klingelt er Sturm, drückt dem verdutzten Rentner die Postkarte in die Hand und schreit heraus: "Ich hoffe ich muss nicht bis zur Rente warten um nochmal etwas von IHR zu hören".
Donnerstag, März 09, 2006
Bedrohte Tierarten (Teil 1): Der Diskokugelfisch
Der Diskokugelfisch gehört zu der Familie der Kugelfische (lateinisch Tetraodontidae). Die bekannteste Gattung der Kugelfische sind die Fugu, die giftigen Kugelfische, die in Japan als besondere Delikatesse gelten. Der Diskokugelfisch (Gattung Beegeerides) ist ungiftig und wird wegen des stechenden Geschmacks nicht als Nahrungsmittel verwertet.
Der Diskokugelfisch zeichnet sich durch silbern glänzende Schuppen aus, die den ganzen Fischkörper gleichmäßig bedecken. Kugelfische blähen sich bei Gefahr in kürzester Zeit zu einer Kugel auf. Beim Diskokugelfisch ergibt sich so eine reflektierende Kugel, die die Angreifer nicht wie bei den Artgenossen durch abstehende Stacheln sondern durch die Lichtreflexe abschreckt.
Wird der Diskokugelfisch gefangen, aufgeblasen und getrocknet, bewahren die Schuppen ihren typischen Glanz. Schon seit Jahrhunderten werden Diskokugelfische in den japanischen Fischerdörfern über die Türschwelle gehängt, um bösen Geistern durch die Lichtreflexe die Anwesenheit von aufblitzenden Samureischwertern vorzutäuschen.
Es kann nicht genau zurückverfolgt werden wann in den 30er Jahren die Mode aufkam, Diskokugelfische in Tanzlokalen aufzuhängen. Diese Mode verbreitete sich langsam über die ganze Welt. Diese Lichtobjekte wurden bald nur kurz Diskokugeln genannt und avancierten in den 70er Jahren zum Namensgeber der Diskotheken als auch der Disco-Musik.
Da die Diskokugeln auch außerhalb der Tanzlokale eingesetzt wurden und zunehmend junge Diskokugelfische vor Erreichung der Geschlechtsreife als Dekorationsmaterial Verwendung finden, ist diese Tierart vom Aussterben bedroht. Zwar werden inzwischen Discokugeln auch aus Styropor hergestellt, ob sich die Fischart aber von der massiven Überfischung erholen kann ist ungewiss.
Der Diskokugelfisch zeichnet sich durch silbern glänzende Schuppen aus, die den ganzen Fischkörper gleichmäßig bedecken. Kugelfische blähen sich bei Gefahr in kürzester Zeit zu einer Kugel auf. Beim Diskokugelfisch ergibt sich so eine reflektierende Kugel, die die Angreifer nicht wie bei den Artgenossen durch abstehende Stacheln sondern durch die Lichtreflexe abschreckt.
Wird der Diskokugelfisch gefangen, aufgeblasen und getrocknet, bewahren die Schuppen ihren typischen Glanz. Schon seit Jahrhunderten werden Diskokugelfische in den japanischen Fischerdörfern über die Türschwelle gehängt, um bösen Geistern durch die Lichtreflexe die Anwesenheit von aufblitzenden Samureischwertern vorzutäuschen.
Es kann nicht genau zurückverfolgt werden wann in den 30er Jahren die Mode aufkam, Diskokugelfische in Tanzlokalen aufzuhängen. Diese Mode verbreitete sich langsam über die ganze Welt. Diese Lichtobjekte wurden bald nur kurz Diskokugeln genannt und avancierten in den 70er Jahren zum Namensgeber der Diskotheken als auch der Disco-Musik.
Da die Diskokugeln auch außerhalb der Tanzlokale eingesetzt wurden und zunehmend junge Diskokugelfische vor Erreichung der Geschlechtsreife als Dekorationsmaterial Verwendung finden, ist diese Tierart vom Aussterben bedroht. Zwar werden inzwischen Discokugeln auch aus Styropor hergestellt, ob sich die Fischart aber von der massiven Überfischung erholen kann ist ungewiss.
Dienstag, März 07, 2006
A ne pas manquer (don`t miss it): Der Vater von Herrn Hase
Lewis Trondheim, der Schöpfer der wunderbaren Welt von Herrn Hase, der Erzähler sehr wahrer, poetischer, philosophischer und abstruser Geschichten aus dem Leben, der Zeichner detailreicher, sehr französischer Momente, kurz gesagt mein allerliebster, verehrungswürdigster Comic-Zeichner ist heute nacht auf Arte zu sehen (für Naturwissenschaftler: Morgen um 0:40 Uhr).
In der Sendung "Durch die Nacht" ist Lewis Trondheim mit Judith Holofernes (von "Wir sind Helden") in Montpellier unterwegs.
In der Sendung "Durch die Nacht" ist Lewis Trondheim mit Judith Holofernes (von "Wir sind Helden") in Montpellier unterwegs.
Es gibt viel zu sehen !
Wer mit Umsicht und Vorsicht handelt hat vielleicht weniger das Nachsehen, aber wirkt auch wie unsichtbar - oder wenig besser nur durchsichtig. Aus Versehen etwas zu übersehen kann zufällig zu ansehnlichen Ergebnissen führen. Aber Wegsehen sollte man nicht vorsehen.
Jetzt werde ich aber von weiteren Ausführungen absehen und zusehen diesen Text mit einem Ende zu versehen.
Jetzt werde ich aber von weiteren Ausführungen absehen und zusehen diesen Text mit einem Ende zu versehen.
Montag, März 06, 2006
Ich werde gegoogelt, also bin ich
Nur was in Google steht existiert wirklich. Daher muss ich mich unbedingt meiner selbst versichern !
- Papageientaucher Blog : 305 Treffer, und mein Blog als erster Treffer ! Quod erat demonstrandum - ich existiere wirklich.
- Kuchenenten : 0 Treffer, so schnell geht das dann auch wieder nicht.
- Kreaukeaudile: 1 Treffer, aber leider nur auf die Januar-Archivseite und nicht direkt auf den Beitrag .
- Helena Penelope Julia Sandrine Die Namen der vier Teile der von mit jetzt spontan so benannten Party-Tetralogie führen in der Einstellung Seiten auf Deutsch auf 300 Treffer, aber der zweite ist aus meinem Blog.
- "la cuillère dorèe": 20 Treffer im Web (mein Blog als Nummer 5) und nur einer in Deutschland - wunderbar !
Natürlich werden gerade ältere Beiträge wie zum Beispiel die Kombination Kartoffelgerichte Wittgenstein nicht gefunden, aber die Hauptsache ist: Auf der Suche nach meinem wahren Ich werde ich in Google fündig.
Sonntag, März 05, 2006
Der Tag der Kuchenenten
In der Stadt war so etwas wie Frühling zu spüren. Wenn die Aufmerksamkeit fehlte machte alles eher einen winterlichen Eindruck: Die Schneereste am Straßenrand, die vom geschmolzenen Schnee nassen Bürgersteige, die unter den Stiefeln knirschenden Kiesel. Aber irgendetwas war da. Die Art wie die Sonne schelmisch grinste. Der unbestimmbare Duft den der kühle, aber leichte Wind über die Innenstadt verbreitete.
Und viele Menschen spürten dies. Sie strömten in den Park, schlenderten durch die Fußgängerzone, betrachteten die Früjahrsmode in den Schaufenstern der geschlossenen Kaufhäuser als Bestätigung ihrer Gefühle. Manch einer öffnete schon den Mantel vorsichtig ein Stück weit, fast nur symbolisch, aber trug so zu dem immer stärker werdenden Gefühl bei.
Durch das Glücksgefühl beseelt begab sich so mancher in das überfüllte Café um den Freudentag angemessen zu begehen. War tatsächlich ein freier Tisch gefunden, und nach langem Warten auch endlich eine abgehetzte Kellnerin erschienen, wich die Vorfreude auf eine Schwarzwälder Kirschtorte, Käsekuchen oder Mohnstritzel dem blanken Entsetzen: Tut mir leid, wir haben heute keinen Kuchen.
Weg war das Frühlingsgefühl, die Aufbruchsstimmung, die aufknospende Hoffnung. Verzweifelt wollte der Gast den Grund wissen, und wurde mit dem Hinweis auf Magen-Darm-Viren im Mehl vertröstet.
Dies war natürlich glatt gelogen, aber den wahren Grund konnte man den durch diesen Schock fast in eine depressive Winterstarre versetzten Gästen keineswegs verraten: Nicht nur die Menschen, auch die Tiere spüren das Nahen des Frühlings. Und daher waren auch schon die Kuchenenten auf dem Heimweg von Spanien nach Österreich, wo sie im Sommer in der Nähe von Konditoreien und Kaffeehäusern lebten und von den Gästen immer ausreichend mit den leckersten Backkreationen bedacht wurden. Um auf dem Rückweg aus dem Winterquartier den beschwerlichen Weg über die Alpen zu vermeiden machten sie lieber eine Schleife nach Norden und waren daher an diesem Sonntag in der typischen deutschen Stadt gelandet. Mit ihrem Instikt hatten sie zielsicher das Café erspürt, eine angelehnte Hintertür entdeckt und sich vor der Öffnung des Genuss-Tempels über die wunderbare Auswahl an Kuchen und Torten hergemacht.
Daher war der Ausfall des Sonntag-Kuchens eigentlich ein wunderbares Zeichen dass die Gefühle nicht trügen: Der Frühling kommt ! Aber so mancher Sonntags-Spaziergänger kehrte eher betrübt zu sich nach Hause zurück.
Und viele Menschen spürten dies. Sie strömten in den Park, schlenderten durch die Fußgängerzone, betrachteten die Früjahrsmode in den Schaufenstern der geschlossenen Kaufhäuser als Bestätigung ihrer Gefühle. Manch einer öffnete schon den Mantel vorsichtig ein Stück weit, fast nur symbolisch, aber trug so zu dem immer stärker werdenden Gefühl bei.
Durch das Glücksgefühl beseelt begab sich so mancher in das überfüllte Café um den Freudentag angemessen zu begehen. War tatsächlich ein freier Tisch gefunden, und nach langem Warten auch endlich eine abgehetzte Kellnerin erschienen, wich die Vorfreude auf eine Schwarzwälder Kirschtorte, Käsekuchen oder Mohnstritzel dem blanken Entsetzen: Tut mir leid, wir haben heute keinen Kuchen.
Weg war das Frühlingsgefühl, die Aufbruchsstimmung, die aufknospende Hoffnung. Verzweifelt wollte der Gast den Grund wissen, und wurde mit dem Hinweis auf Magen-Darm-Viren im Mehl vertröstet.
Dies war natürlich glatt gelogen, aber den wahren Grund konnte man den durch diesen Schock fast in eine depressive Winterstarre versetzten Gästen keineswegs verraten: Nicht nur die Menschen, auch die Tiere spüren das Nahen des Frühlings. Und daher waren auch schon die Kuchenenten auf dem Heimweg von Spanien nach Österreich, wo sie im Sommer in der Nähe von Konditoreien und Kaffeehäusern lebten und von den Gästen immer ausreichend mit den leckersten Backkreationen bedacht wurden. Um auf dem Rückweg aus dem Winterquartier den beschwerlichen Weg über die Alpen zu vermeiden machten sie lieber eine Schleife nach Norden und waren daher an diesem Sonntag in der typischen deutschen Stadt gelandet. Mit ihrem Instikt hatten sie zielsicher das Café erspürt, eine angelehnte Hintertür entdeckt und sich vor der Öffnung des Genuss-Tempels über die wunderbare Auswahl an Kuchen und Torten hergemacht.
Daher war der Ausfall des Sonntag-Kuchens eigentlich ein wunderbares Zeichen dass die Gefühle nicht trügen: Der Frühling kommt ! Aber so mancher Sonntags-Spaziergänger kehrte eher betrübt zu sich nach Hause zurück.
Freitag, März 03, 2006
Donnerstag, März 02, 2006
Momente für die Ewigkeit
Was bleibt übrig von Tagen, Wochen, Jahren ? Momente.
Und was bleibt von Filmen übrig ? Ebenfalls Momente.
Über den Film "Ich und du und alle, die wir kennen" will ich jetzt gar nicht sprechen. Nur soviel: Er hat mir sehr gut gefallen. Aber die letzte Szene ist ein Moment, der bleibt, auch wenn ich mich nicht mehr recht an den Film erinnern werde.
Und was bleibt von Filmen übrig ? Ebenfalls Momente.
Über den Film "Ich und du und alle, die wir kennen" will ich jetzt gar nicht sprechen. Nur soviel: Er hat mir sehr gut gefallen. Aber die letzte Szene ist ein Moment, der bleibt, auch wenn ich mich nicht mehr recht an den Film erinnern werde.
Ein Mann steht an der Straße, wartet und klopft mit einer Münze auf einen Laternenpfahl. Ein kleiner Junge schaut zu und fragt was er da mache: Er klopfe damit die Zeit vergeht. Und da sieht der Junge dass die Sonne immer dann ein Stück weiter aufgeht wenn die Münze auf die Laterne trifft. Der Mann steigt in den Bus und gibt die Münze dem Jungen. Die Sonne ist stehengeblieben. Der Junge fängt an zu klopfen, und die Sonne geht weiter auf.Ein grosser Moment.
Mittwoch, März 01, 2006
Das große und das kleine Du
Die Reform der Rechtschreibreform wird gerade formuliert. Muss ich jetzt zusammenschreiben zusammen schreiben und großschreiben Grossschreiben ? Ich habe es aufgegeben.
Aber eine wunderbare Nachricht ist dann doch zu entdecken: Das Du wird gerettet ! Ich weiß nicht ob es eine nostalgische oder romantische Ader ist, wahrscheinlich wird es so mancher schlicht als Spleen, Masche oder schlimmeres betrachten, aber ich finde die Anrede mit einem Du viel persönlicher und verbindender als ein lapidares du. Durch das Du wird eine ganz andere Dimension erreicht, ohne das große D ist ein Liebesbrief nur ein abgeschriebenes Kapitel aus einem Arztroman.
Mancher kämpft für die völlige Abschaffung der Großbuchstaben in der deutschen Sprache, aber ich erhebe mein Glas für einen Toast auf das Du !
Aber eine wunderbare Nachricht ist dann doch zu entdecken: Das Du wird gerettet ! Ich weiß nicht ob es eine nostalgische oder romantische Ader ist, wahrscheinlich wird es so mancher schlicht als Spleen, Masche oder schlimmeres betrachten, aber ich finde die Anrede mit einem Du viel persönlicher und verbindender als ein lapidares du. Durch das Du wird eine ganz andere Dimension erreicht, ohne das große D ist ein Liebesbrief nur ein abgeschriebenes Kapitel aus einem Arztroman.
Mancher kämpft für die völlige Abschaffung der Großbuchstaben in der deutschen Sprache, aber ich erhebe mein Glas für einen Toast auf das Du !
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